Von Johannes Aumüller, Fröttmaning

Nachdem sich der FC Bayern die 22. deutsche Meisterschaft auf beeindruckende Weise gesichert hat, zelebriert "Feierbiest" Louis van Gaal den Titel auf seine Weise.

Louis van Gaal ist in vielerlei Hinsicht ein einmaliger Trainer, und so ist es kein Wunder, dass sich der Münchner Trainer diese Einmaligkeit auch im Moment des Erfolges bewahrt. Gerade hat der einzige noch verbliebene Titelrivale Schalke gegen Bremen 0:2 verloren, sein FC Bayern gegen Bochum mit 3:1 gewonnen und damit nach 33 von 34 Spieltagen das wichtigste Saisonziel erreicht: Die Münchner dürfen die Meisterschaft feiern.

Louis van Gaal, Bayern München; Getty Bild vergrößern

Meistermacher mit Autorität: Louis van Gaal ist in München angekommen. (© Foto: Getty)

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Doch während die Fans sich längst in den Armen liegen und die Spieler auf dem Spielfeld tanzen, während Franck Ribéry das Humba, Humba, Tätärä anstimmt und Jörg Butt auf den Zaun klettert, da steht van Gaal fast ein wenig rastlos am Rande des Rasens und nimmt stoisch all die Glückwünsche entgegen. Und als ein wenig später in der Kabine die Mannschaft zur umfangreichen Champagner-Dusche ansetzt und neben Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß auch Louis van Gaal benässt - da ist der Trainer doch etwas verdutzt ob der in deutschen Kabinen offenbar üblichen Feierrituale. Aber immerhin, so berichtete Abwehrspieler Holger Badstuber hinterher, habe van Gaal die angestimmten Lieder mitgesungen.

Ausgelassenes Humba Humba und wildes Champagner spritzen mögen nicht die Sache des Niederländers sein - auch wenn er sich nach dem Spiel als "Feierbiest" bezeichnete. Van Gaal zelebriert den Triumph lieber auf seine Weise. Zum Beispiel, als er auf der Pressekonferenz sein Eingangsstatement beendet hat und Bayerns Mediendirektor Markus Hörwick zur üblichen Formulierung "Gibt es Fragen?" ansetzt, da unterbricht ihn der Trainer in einer Mischung aus Stolz, Freude und Humor: "Es gibt keine Fragen, denke ich."

Was soll und kann schon noch gefragt werden? Es ist doch alles gesagt. Und vor allem: Es ist doch alles gespielt, gezeigt und geleistet. Eine Mannschaft, die einen holprigen Saisonstart erwischte, die im Herbst schon einmal acht Punkte Rückstand auf den Titel und das Champions-League-Aus unmittelbar vor Augen hatte, und ein Trainer, der der in damaligen Krise schon um seinen Arbeitsplatz bangen musste, haben sich vorzeitig und auf eine beeindruckende Weise den 22. deutschen Meistertitel der Vereinsgeschichte gesichert. Mit viel Selbstbewusstsein, mit vielen überdurchschnittlichen Spielern und vor allem mit einem wunderbar anzusehenden Ballbehauptungs- und Kombinationsfußball, den die Münchner in den ersten 25 Minuten gegen Bochum noch einmal formvollendet vorführten.

Alles, was das Bayern-Spiel in weiten Teilen dieser Saison ausgemacht hat, dokumentiert sich dabei in der aktuellen Tabellensituation. Denn theoretisch ist die Meisterschale noch nicht vergeben, aber angesichts von drei Punkten Vorsprung und eines um 17 Treffer besseren Torverhältnisses gegenüber dem Tabellenzweiten Schalke 04 sind die Bayern "virtueller deutscher Meister", wie van Gaal das nennt. Doch nichts und niemand, kein Himmel, der auf den Kopf fällt, keine Griechenland-Krise und nicht einmal Felix Magath können verhindern, dass aus dem virtuellen der tatsächliche Titel wird.

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