Zumal die alte Achse geopfert wurde, die in den vergangenen zwei Spielzeiten links außen stand - und die viele Kaderschwächen an anderer Stelle einfach überdribbeln konnte: Ribéry mit seinen Tempoläufen vorneweg, Philipp Lahm dahinter, erweitert oft zum Dreieck mit Zé Roberto. Dieses Trio war an guten Tagen ganz nahe dran an der Weltklasse, übrig geblieben ist davon nahezu nichts. Ribéry zickt zwischen Blessur und Übellaune herum, Lahm will lieber rechts spielen, setzt dort aber noch zu wenige Akzente, und Zé Roberto, 35, wurde unter Verweis aufs Alter der gewünschte Zwei-Jahres-Vertrag verweigert, weshalb er jetzt den HSV vitalisiert.

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Nach heutigem Stand wurde der Elf die einzige echte Stärke genommen - und durch nichts ersetzt. Statt einer neuen Machtachse ist derzeit nur eine Trennlinie zu erkennen: Der Angriff - auch wenn bislang nur drei Tore gelangen - ist mit Gomez, Klose, Olic (ein Preis-Leistungs-Schnäppchen, der gelungenste Transfer der Saison), Müller und Luca Toni zumindest ein Versprechen. Dahinter aber wird in diesem Teamkörper alles zur SOS-Problemzone.

Einiges mag noch zu korrigieren sein. Was sich die Münchner Strategen jedoch bei der Konzeption ihrer Defensive 2009 gedacht haben, wird ihr Geheimnis bleiben. Es heißt, van Gaal habe beim Videostudium erkannt, dass der langjährige Abwehrchef Lúcio ein Unruheherd sei. Die Münchner stemmten sich dieser Einschätzung nicht entgegen, auch ihre interne Analyse hatte ergeben, dass zuletzt alle Nervosität von Lúcio ausgegangen sei, welcher die anderen infiziert habe wie bei einer Epidemie. Nur: Welches Potential sieht dann José Mourinho in Lúcio? Was hat den Trainer von Inter Mailand veranlasst, diesen Hibbeligen fürs Defensivzentrum des italienischen Meisters anzuwerben? Und was erkennt Carlos Dunga, Brasiliens Nationaltrainer, in ihm, der mit dem 31-Jährigen als Kapitän die WM 2010 gewinnen will?

"Lúcio war unser erfahrenster Abwehrspieler. Ihn zu ersetzen, wird nicht leicht! Ich bin sehr gespannt auf unsere neue Abwehr", so Franz Beckenbauer, als er von diesem Verkauf erfuhr. Das hat er aber nicht in einem Hinterzimmer des Klubs gesagt, sondern via Bild. Beckenbauer ist Klubpräsident, aber verantwortlich zeichnen von Vereinsseite Rummenigge, Uli Hoeneß und dessen Nachfolger Christian Nerlinger. Beckenbauer nimmt nur noch zur Kenntnis, und auf seinen nächsten öffentlichen Schuss via Bild gegen die eigene Hütte wird man wohl nicht sehr lange warten müssen.

Es ist ja ähnlich wie bei Diego: Wenn Lúcio nicht passt, falls seine Hektik die anderen tatsächlich ansteckt - wo ist dann die bayerische Alternative? Seit 2006 haben die Münchner Daniel van Buyten nun schon im eigenen Klub unter Beobachtung, aber dass bei ihm noch viel mehr als bei Lúcio epidemische Ansteckungsgefahr besteht, für diese Erkenntnis hätte es des Mainz-Spiels nicht mehr bedurft; darauf hätten die Verantwortlichen längst selbst kommen können.

Sie ziehen jetzt auch in die Champions League mit folgender Besetzung ein: einem notorisch orientierungsarmen van Buyten, dem in der Vorsaison fahrigen, derzeit verletzten Martin Demichelis, dem sündteuren Brasilien-Talent Breno, dem unerfahrenen Nachwuchsspieler Holger Badstuber sowie dem für einen Innenverteidiger vermutlich zu kleinen Edson Braafheid (1,76 m). Dahinter steht in Michael Rensing jener stets neu in Frage gestellte Oliver-Kahn-Nachfolger, an dem sich die Kritik durch seinen Fehler von Mainz wieder verstärkte. An diesem Personaltableau ist nun nicht mehr viel zu korrigieren. Mit diesem Tableau aber, dazu bedarf es keiner prophetischen Gabe, wird jedes Spiel zum unkalkulierbaren Abenteuer.

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  1. Jedes Spiel ein Abenteuer
  2. Sie lesen jetzt Was sehen Mourinho und Dunga anders?
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(SZ vom 24.08.2009)