Von Klaus Hoeltzenbein

Kein Regisseur, kein Abwehrchef und keine Achse: Der Kader des FC Bayern hat strategische Schwächen, die kurzfristig kaum zu beheben sein werden.

Früher, als die Reflexe des FC Bayern noch die alten waren, wäre das Lasso viel früher geflogen. Nämlich im Winter, wenn die großen Transfers verabredet werden. Nicht erst im Frühsommer, als es zu spät war. Es zählte ja lange zu den verlässlichen Verhaltensmustern in der Bundesliga, dass jeder, der im direkten Duell mit den Münchnern verhaltensauffällig wurde, in der nächsten Saison dort landete.

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Bastian Schweinsteiger ist Teil eines Personaltableaus, mit dem jedes Spiel ein Abenteuer wird. (© Foto: Getty)

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Die Liste der von der Haupttribüne gecasteten Profis erscheint unendlich lang: Von Alain Sutter über Roy Makaay, von der Leverkusener Erfolgs-Generation Lúcio, Ballack, Zé Roberto bis hin zu Lukas Podolski - stets flog zielsicher das Lasso, mit dem Dreifach-Effekt: Bayern sollte gestärkt, der Gegner geschwächt, ein Sonderstatus in der Bundesliga zementiert werden.

Dieses Mal aber war der Wurf ausgeblieben. Auf den Brasilianer Diego hat die Führungsriege des FC Bayern monatelang nicht gezielt. Dabei hatte auch er während der Oktoberfest-Tage 2008, als Diegos Bremer die neuformierte Klinsmann-Elf mit 5:2 demütigten, der Münchner Haupttribüne direkt vorgeführt, dass er eine Elf viel besser zu lenken versteht als sein damaliger Widerpart Bastian Schweinsteiger. Diego und Ribéry? Das passt nicht zusammen, hieß es aus der Lasso-Zentrale an der Säbener Straße, obwohl der Brasilianer dezent signalisiert hatte, dass er einem Transfer nach München nicht abgeneigt sei.

Disziplinarisch zu problematisch, hieß es, als Diego mit einem Delmenhorster Schlagersternchen in den bunten Blättern knutschte und bei einer weinseligen Autofahrt erwischt wurde. Als im Frühsommer in München ein Sinneswandel einsetzte (Ribéry und Diego? Geht vielleicht doch!), es gar zu Kontaktgesprächen kam, war es spät. Djair da Cunha, Vater und Berater von Diego, pokerte zwar, schien sich aber mit Juventus Turin längst handelseinig zu sein. "Wir ziehen uns aus der Veranstaltung zurück, denn wir sind ein seriöser Klub", sagte Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. Im Mai.

Aus moralisch-ethischen Gründen, so soll jetzt wohl die offizielle Lesart lauten, haben die Bayern auf das Experiment verzichtet, die beiden herausragenden Mittelfeld-Offensiv-Darsteller der Liga, Ribéry und Diego, in eine Elf zusammenzupacken. Man darf bei diesem Monopoly mit den Stars ja durchaus zu diesem Ergebnis kommen - wo aber ist dann die bayerische, die bessere Lösung?

Diego gilt jetzt als Hoffnungsträger, der der heruntergewirtschafteten Serie A frischen Glanz verleihen soll, während die Münchner genau auf seiner Position ihr zentrales Problem haben: In Mainz begann dort, wo bei einer Fußball-Elf normalerweise das Großhirn sitzt, also direkt hinter den Spitzen, Miroslav Klose - von seiner Ausbildung her ein ausgewiesener Mittelstürmer. Er war im dritten Spiel bereits der dritte Kandidat für die Schaltzentrale: Beim 1:1 in Hoffenheim begann Nachwuchskraft Baumjohann, beim 1:1 gegen Bremen der Argentinier Sosa, zwischenzeitlich sind Schweinsteiger, Altintop oder Müller dort zu sehen gewesen, und eigentlich wird diese Position im System des Louis van Gaal seit Wochen für Franck Ribéry freigehalten. Doch der Franzose will sie nicht. Was aber soll aus einer Mannschaft werden, die nicht weiß, wie ihre Achse steht?

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