Ein echter van Gaal: Die Verpflichtung von Danijel Pranjic beweist, wie sehr die Bayern ihrem neuen Coach schon jetzt vertrauen.
Sogar Philipp Lahm war ein bisschen irritiert, und Clemens Fritz sowieso. Sollten sie den Flügel abdichten, sollten sie lieber den Strafraum abdecken oder sollten sie...? Leider kamen sie nicht mehr dazu, das Richtige zu sollen, denn es war schon zu spät. Auf einmal war dieser Kroate am Ball, draußen am linken Flügel, wo von er auf niederträchtiger Flugbahn eine Flanke in die Mitte sandte. Die Flanke begann sanft, stieg dann plötzlich, überflog die vergeblich sollenden Lahm und Fritz, und als die Flanke auf Höhe von Marcell Jansen angekommen war, winkte sie Jansen freundlich zu und überlegte es sich anders. Sie fiel herunter wie ein Stein, vor die Füße von Darijo Srna. Und Srna schoss den Ball ins Tor.
Danijel Pranjic während des Spiels gegen die deutsche Elf bei der EM 2008. (© Foto: AFP)
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Das 1:0 für Kroatien bei der EM 2008 hat im deutschen Fußball eine kleine Kettenreaktion ausgelöst. Der arme Jansen bekam umgehend die Linksverteidiger-Rolle weggenommen, beim DFB und bald darauf auch beim FC Bayern, wo Philipp Lahm wieder nach links rückte, weshalb die Bayern seitdem einen Rechtsverteidiger suchen, wobei ein Kandidat ja angeblich Darijo Srna ist, der damals...
Erst jetzt, ein knappes Jahr später, ist die Kettenreaktion wirklich zu Ende. Am Donnerstag machten die Bayern die Verpflichtung von Danijel Pranjic, 27, vom SC Heerenveen öffentlich - wem dieser Name nichts sagt, dem sei zur Ansicht nochmal das 1:0 der Kroaten empfohlen. Danijel Pranjic, das war der Mann mit der Flanke mit der niederträchtigen Flugkurve - er wird in München jetzt jenen Lahm wiedertreffen, der seine Flanke damals nicht verhindern konnte. "Wir sind mit dem Spieler einig", bestätigte Bayern-Manager Uli Hoeneß, "aber mit dem Verein noch nicht."
Auf zehn Millionen Euro wird die Ablöse veranschlagt, das ist viel Geld für einen Spieler, den man immer vergisst, wenn man die kroatische EM-Elf aufsagen möchte. Modric fällt einem natürlich ein, Olic und Petric sowieso, die Kovacs und Simunics und Srnas gehören auch zum Pflichtwissen - aber Pranjic? Es ist offenbar eine spezielle Begabung von Pranjic, übersehen zu werden - und dann stößt er in den freien Raum und tritt eine Flanke, die man nicht mehr vergisst.
Louis van Gaal hat von Bayerns Bossen den Auftrag erhalten, seine eigene Handschrift sichtbar zu machen, und Pranjic ist in dieser Handschrift der erste Buchstabe. Die Anschaffung des 18-maligen kroatischen Nationalspielers ist mehr als nur ein Transfer: Sie ist der Beweis, dass die Bayern ihrem neuen Trainer mehr vertrauen, als sie das vor kurzem selbst für möglich gehalten hätten. Van Gaal werde sich "erstmal ein Bild machen" und erst im nächsten Sommer die Personalpolitik prägen, sagte Uli Hoeneß noch vorige Woche; in dieser Woche aber hat van Gaal den Bayern einen ersten Dienstbesuch abgestattet und seine neuen Vorgesetzten mit seiner planerischen Ader vom Gegenteil überzeugt.
Einige Tage hatten sich die hohen Herren mit ihrem neuen Coach zur Klausur zurückgezogen, und Karl-Heinz Rummenigge hat beeindruckt festgestellt, dass "der Trainer genau weiß, was er will und was nicht". Und Pranjic will er unbedingt - dass er ihn ohne schuldhaftes Zögern spendiert bekommt, beweist, wieviel den Bayern die Wünsche ihres neuen Sportlehrers bereits wert sind.
Danijel Pranjic könnte eine Personalie werden, wie man sie vom herkömmlichen FC Bayern nicht gewohnt war. Er ist keiner zum Angeben, er kommt aus der Nische. Noch haben die internationalen Scouts ja nicht recht begriffen, dass in der Eredivisie nicht nur Amsterdam oder Eindhoven strategische Ziele sind, sondern auch aufstrebende Provinzklubs wie Heerenveen oder Twente (wo der Linksverteidiger Edson Braafheid, 26, zu Hause ist, für den sich van Gaals Bayern jetzt auch interessieren). Wahrscheinlich hätte sich Bayern das vor van Gaal nicht getraut: so viel heiliges Festgeld in einen Profi investieren, mit dessen Name die heilige Bundesliga kaum etwas anfangen kann.
Danijel Pranjic ist ein echter van Gaal. Der Trainer ist ein hemmungsloser Befürworter von Spielern, die für viele Systeme taugen - und Pranjic kann auf der linken Seite mehr Positionen spielen, als es in der heiligen Bundesliga überhaupt gibt. Er kann Linksverteidiger (wie in der kroatischen Nationalelf), er kann auch Linksaußen, am besten ist er aber als linker Mittelfeldspieler, egal, ob in einer Raute, einer flachen, krummen oder karierten Vier oder in einem 4-3-1-2-System, wie es sich van Gaal für die Bayern offenbar gut vorstellen kann.
"Louis möchte Spieler haben, die aus vollem Lauf gute Flanken schlagen können", sagt Uli Hoeneß. Auch dies ist ein Ergebnis von van Gaals erster Kaderanalyse: Die Bayern werden dank Klose und Gomez künftig so gut köpfen können, dass es eine Sünde wäre, das Flanken alleine Bastian Schweinsteiger oder Hamit Altintop zu überlassen.
Noch der eine oder andere Spieler
So haben die Bayern mit Pranjic eine Menge Optionen auf einmal verpflichtet. Sie haben jetzt einen Spieler im Kader, der zur Not ebenso Philipp Lahm wie Franck Ribéry ersetzen könnte, aber wahrscheinlicher ist, dass er vor dem einen und neben dem anderen spielt. Ribéry ist ja nicht auf die linke Offensivseite abonniert, er hat in der französischen Nationalelf schon hängende Spitze oder freischaffender Regisseur gespielt, und in van Gaals Planspielen passt der Franzose gut zum neuen Kroaten, der anders als Ribéry kein Dribbler, sondern ein versierter Passspieler und Vorbereiter ist, der es in Heerenveen nebenbei auf 16 Saisontore (davon sechs Elfmeter) gebracht hat.
"Ich gehe davon aus, dass der eine oder andere Spieler noch zu uns kommt", sagt Rummenigge, und nimmt man den Pranjic-Transfer zum Maßstab, dann könnte es sich dabei um weitere van-Gaal-Personalien handeln. Der kolportierte Abwehrspieler Johnny Heitinga sei aber "kein Thema", sagt Hoeneß; für den Fall, dass Ribéry die Stadt verlassen sollte, bleibt aber Reals Niederländer Wesley Sneijder auf dem Radarschirm. Auch er ist ein echter van Gaal - und er würde gut zu Danijel Pranjic passen.
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(SZ vom 05.06.2009/jüsc)
Drogeriekette wird abgewickelt
Genau... immer schön sachlich bleiben. Das schätze ich an ihren Kommentaren. Und klaro, weil sie jahrelang Fußball gespielt haben, sind sie natürlich ein Experte - tut mir leid, dass mir dieser Kausalzusammenhang entgangen ist. Ich selber spiele ja auch nur mit Murmeln, daher habe ich auch nie behauptet mehr Ahnung zu haben.
Wie ich drauf komme, dass sie keine Ahnung haben, habe ich doch schon geschrieben: Ihre Kommentare lassen dies mehr als deutlich erkennen, denn sie stellen einfach irgendwelche Behauptungen auf, die völlig aus der Luft gegriffen sind. Wie auch der Post v. B. Oleinek direkt nach ihrem zeigt oder auch die Tatsache, dass sie nicht mal ansatzweise sachlich auf das eingehen, was andere (inkl. mir) zu ihren Behauptungen sagen... Und alles unterfüttert mit einer notorischen FCBayern-Antipathie, die man ja durchaus haben kann, aber dann nicht so unreflektiert zu Schau stellen sollte. Und nein, ich kenne sie nicht - was hat das damit zu tun?
Nochmals:
Zu sagen "Der hätte sicher vor Grafite gestanden" ist einfach aus der Luft gegriffen und nicht zu beweisen. Da kann ich auch behaupten, dass Miro Klose bestimmt über 20 Dinger gemacht hätte die Saison oder die Torjägerkrone der CL errungen hätte, wenn er nicht verletzt gewesen wär.
Ebenso muss er nächste Saison den Beweis erbringen (wie auch Grafite und andere), dass er konstant auf hohem Niveau spielen kann.
mfg,
Raoul Duke
Nunja, ironbutterfly, wieviele Tore Ibisevic in der Rückrunde geschossen hätte, wissen wir nicht. Tatsache ist, dass er in der Hinrunde 18 Treffer erzielt hat. Ein Wert, der an Gerd Müller erinnert. Tatsache ist aber auch, dass Dzeko in der Rückrunde 21 Treffer erzielt hat und damit Ibisevic sogar noch übertroffen hat. Und wäre Dzeko in der Hinrunde verletzt gewesen, wüssten wir nicht, dass er in diesem Abschnitt lediglich fünf Tore geschossen hätte.
"...was mich eigentlich nervt ist die Tatsache, kaum kaufen die Bayern irgend einen neuen Spieler, dann wird das in den Medien ausgebreitet, als ob Barack Obama Kanzler in Deutschland die Kanzlerschaft übernommen hätte."
Jetzt mal ehrlich: Ist das nicht sehr heuchlerisch, erst etliche Kommentare zum Thema abzugeben, um zu guter letzt zu behaupten, dass Thema sei doch eigentlich schnarchlangweilig und blanker Medienhype?
Also mich interessiert das ganze Transfer-Geplänkel brennend, mit irgendwas muss man sich ja die fußballfreie Zeit vertreiben. ;-)
Und dass die Bayern von allen Fußball-Clubs in Deutschland mit Abstand das größte Medieninteresse hervorrufen, ist a) Fakt und ein alter Hut und hat b) sogar seine Berechtigung (man liebt sie oder man hasst sie, kalt lassen sie eigentlich niemand).
ob die einkaufspolitik intelligent war, wird sich - trotz ihrer seherqualitäten- erst noch zeigen. kann ja auch sien, dass es in die hose geht. na und ? bei welchem verein ist das nicht so ?
Ihre Medienschelte verstehe ich nicht. Ich weiss ja nicht, welche Sie genau zur Kenntnis nehmen. Jedenfalls habe ich über Herrn van Gaal eine recht differenzierte und kritische Berichterstattung wahrgenommen - die freilich, auch Lob ist Kritik, seine erbrachten herausragenden Leistungen nicht vergessen hat. Und da war ja schon einiges. Von großer Lobhudelei oder ähnlichem habe ich nicht viel wahrgenommen. Auch nicht von "übermäßiger" Befassung mit dem Thema neuer Trainer oder neue Spieler. Natürlich wird während der fußballlosen Zeit viel über die Wechselbörse spekuliert. Das bezieht sich aber nicht bloß auf den FCB. Der allerdings nimmt in einer Münchner Zeitung naturgemäß breiteren Raum ein als andere, die jedoch hier auch thematisiert werden.
Oder nervt es Sie nicht doch viel eher, dass über den FC Bayern überhaupt berichtet wird und das dann auch nicht ausschließlich negativ?
Paging