Bundesliga Duell der alten Neuner

Simon Terodde und Mario Gomez.

(Foto: dpa/getty)
  • Das Spiel des 1. FC Köln gegen den VfB stuttgart ist auch das Duell der Stürmer Simon Terodde und Mario Gomez.
  • Beide wechselten im Winter den Verein, beide erwiesen sich als sinnvoller Transfer.
Von Christof Kneer

Ein alter Spruch besagt, dass ein Stürmer dahin zu gehen habe, wo es wehtut. Der Spruch taugt als Unterzeile für die alten Schlachtengemälde, in denen sich diese Stürmer, auch Brecher genannt, mit blutigen Turbanen lustvoll ins nächste Gefecht stürzen. Gemessen am robusten Mandat der Stürmer von früher müssen die Stürmer von heute absurde Aufträge erfüllen, sie müssen Gegner taktisch anlaufen oder zwischen den Linien spielen oder wie das ganze moderne Zeugs so heißt. Es ist heute sogar offiziell genehmigt, dass Stürmer nicht mehr die Nummer neun tragen, dass sie kleiner als 1,90 m sind und unter 85 Kilo wiegen, manche von ihnen müssen nicht mal mehr kopfballstark sein. Für Puristen muss sich das anfühlen, als würden Rambo und Rocky ihre Projekte feinsinnig ausdiskutieren.

Für Puristen könnte der Sonntag ein Feiertag werden, am Nachmittag steigt in Köln ein Ball der alten Neuner. Es treten an: in der Kölner Ecke Simon Terodde, 1,92 m groß, 85 Kilo schwer; in der Stuttgarter Ecke Mario Gomez, 1,89 m, 89 Kilo, und Daniel Ginczek, 1,90 m, 85 Kilo.

Puristen könnten nun dafür plädieren, die Farbe aus dem Bild zu drehen und zumindest die Stürmerszenen in Schwarz-Weiß zu senden, ein schön nostalgischer Streife wäre das dann, Titel: Die Brecher der Enterbten. Cool klänge das.

Nur: Es wäre nicht mehr die Wahrheit. Auch Terodde, Gomez und Ginczek tun inzwischen, was Stürmer heute so tun, sie laufen Gegner an, verteilen Bälle, nehmen an Fußballspielen teil. Und sie gehen auch nicht mehr überall hin, wo's wehtut, sie gehen zum Beispiel nicht mehr an die kalte Luft, wenn Hals und Bronchien schmerzen. Simon Terodde haben sie in Köln Mitte der Woche extra vom Training befreit, er war ein bisschen erkältet, und sie brauchen ihn doch dringend am Sonntag, wenn sie gegen den VfB Stuttgart versuchen, nach der letzten nun die allerletzte Chance auf den Klassenerhalt zu nutzen.

Versagen im Verborgenen

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Dennoch wird es zumindest ein bisschen nach früher riechen in Köln-Müngersdorf. Die drei Neuner werden durchaus ein Statement sein in einem Land, das kürzlich noch die falsche Neun verherrlicht hat: einen Stürmertypus, der sich überall rumtreibt und klein und wendig ist wie Messi, nur halt leider nicht so gut.

Es werden sich viele persönliche Linien kreuzen

Aber es ist nicht nur die Strafraumfolklore, die aus dem Duell in Köln ein sehr spezielles Stürmerspiel macht. Viele persönliche Linien kreuzen sich dort, unterschiedliche Vergangenheiten mischen sich mit der Gegenwart, und fast alles hängt mit fast allem zusammen. So hat der jetzige Kölner Terodde in der vergangenen Saison - übrigens gemeinsam mit Daniel Ginczek - dafür gesorgt, dass der VfB wieder in die erste Liga zurückgekehrt ist, 25 Tore trug Terodde zum Stuttgarter Aufstieg bei. Ja, es waren nur Zweitligatore, und ja, Terodde war vergangenen Sommer gerade mal ein Jahr beim VfB; trotzdem haben sie ihn an diesem traditionell sturmbewegten Ort gleich in die Galerie ihrer großen Sturmhelden gehängt, neben Dieter Hoeneß, Jürgen Klinsmann, Fritz Walter und Mario Gomez.