Von Thomas Hummel

Trainer Jürgen Klopp hat sich nach 18 Jahren in Mainz für das reizklimatisch veranlagte Dortmund entschieden. Eine reizvolle Verbindung, wie so viele in der kommenden Saison.

Dass Jürgen Klopp in diesem Sommer in die Bundesliga wechseln würde, war zwangsläufig. Dass einer der begabtesten und beliebtesten Trainer des Landes noch ein Jahr in der Zweiten Liga dümpeln sollte, erschien auch dem 40-Jährigen selbst als nicht mehr angemessen. Eigentlich wollte er noch einmal mit seinem Herzensklub FSV Mainz 05 die erste Klasse bereichern. Doch der Aufstieg wurde verpasst, nun also der Wechsel.

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Vom selbsternannten Karnevalsverein aus Mainz in die große Fußballwelt: Jürgen Klopp. (© Foto:)

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In den vergangenen Tagen stellte sich nur die Frage, ob Klopp aus dem Biotop Mainz in das Biotop Leverkusen oder ins reizklimatisch geprägte Dortmund umziehen würde. Der emotionale Trainer entschied sich für die emotionale Variante, was die Konstellation ungleich reizvoller macht. Die Gefahr aber auch für den Trainer erhöht, sich bei seinem ersten Ausflug nach 18 Jahren "Karnevalsverein" schnell Beulen zu holen.

Klopp wurde ja außerhalb der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt mehr als Nationalmannschaftkritiker denn als Zweitliga-Trainer wahrgenommen. Mit seinen Analysen stieg er im Ansehen des Fußball-Volkes fast zum Trainer-Übervater auf. Entsprechend groß werden die Erwartungen an seine Arbeit in Dortmund sein. Zum ersten Training unter Klopp dürfen die BVB-Verantwortlichen wohl die 13.000 Zuschauer erwarten, die Thomas Dolls ersten Trainerauftritt beobachteten. Mindestens.

Die Borussia soll wieder nach oben, dabei taktisch modernen Offensivfußball spielen. Die Spieler aus aller Welt sollen mit gelb-schwarzem Herzen zur Not aufopferungsvoll den Rasen beackern. Dortmund wie es singt und lacht eben. Oder zumindest gerne würde. All das waren übrigens auch die Wünsche an Thomas Doll, der vor 14 Monaten mit ebenfalls großen Vorschusslorbeeren nach Dortmund kam. Nun muss Klopp zeigen, dass sich seine Ideen von Taktik und Mannschaftsführung nicht so schnell verschleißen wie die seines Vorgängers.

Der Dortmunder Schritt bestätigt jedenfalls den Trend der Vereine, verstärktes Augenmerk auf die Trainerposition zu legen. Noch vor wenigen Jahren konnte man fast den Überblick verlieren, welchen Klub die Neururers, Lienens, Röbers oder Bergers gerade betreuen, weil sie sich so häufig gegenseitig die Klinke in die Hand gaben. Gerade in dieser Saison machen es sich die Vereine mit der Wahl ihrer Übungsleiter schwer. Sie gehen fast immer neue, oft ausländische Wege. Und investieren so viel Geld wie noch nie.

Die niederländischen Entwickler Rutten (Schalke) und Jol (HSV) kommen in die Liga, Leverkusen ist auf der Suche. Bayern München beginnt sein Klinsmann-Projekt. Schon installiert sind die Schweizer Tüftler Lucien Favre (Berlin) und Marcel Koller (Bochum). Dieter Hecking (Hannover), Armin Veh (Stuttgart) und Edmund Becker (Karlsruhe) gelten als deutsche Trainerhoffnungen. Jetzt kehren Christoph Daum (Köln), Ralf Rangnick (Hoffenheim) und nun auch Klopp zurück.

Die kommende Saison wird so sehr als Trainersaison beginnen wie wohl nie zuvor in der Geschichte der Bundesliga. Was einen Tatbestand allerdings keineswegs außer Kraft setzt: Irgendjemand muss die hinteren Plätze der Liga einnehmen. Und das würde auch einen Ex-Nationalmannschaftskritiker nicht vor den üblichen Reflexen schützen. Schon gar nicht in Dortmund.

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(sueddeutsche.de/aum)