Trainer Jürgen Klopp hat sich nach 18 Jahren in Mainz für das reizklimatisch veranlagte Dortmund entschieden. Eine reizvolle Verbindung, wie so viele in der kommenden Saison.
Dass Jürgen Klopp in diesem Sommer in die Bundesliga wechseln würde, war zwangsläufig. Dass einer der begabtesten und beliebtesten Trainer des Landes noch ein Jahr in der Zweiten Liga dümpeln sollte, erschien auch dem 40-Jährigen selbst als nicht mehr angemessen. Eigentlich wollte er noch einmal mit seinem Herzensklub FSV Mainz 05 die erste Klasse bereichern. Doch der Aufstieg wurde verpasst, nun also der Wechsel.
Bild vergrößern
Vom selbsternannten Karnevalsverein aus Mainz in die große Fußballwelt: Jürgen Klopp. (© Foto:)
Anzeige
In den vergangenen Tagen stellte sich nur die Frage, ob Klopp aus dem Biotop Mainz in das Biotop Leverkusen oder ins reizklimatisch geprägte Dortmund umziehen würde. Der emotionale Trainer entschied sich für die emotionale Variante, was die Konstellation ungleich reizvoller macht. Die Gefahr aber auch für den Trainer erhöht, sich bei seinem ersten Ausflug nach 18 Jahren "Karnevalsverein" schnell Beulen zu holen.
Klopp wurde ja außerhalb der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt mehr als Nationalmannschaftkritiker denn als Zweitliga-Trainer wahrgenommen. Mit seinen Analysen stieg er im Ansehen des Fußball-Volkes fast zum Trainer-Übervater auf. Entsprechend groß werden die Erwartungen an seine Arbeit in Dortmund sein. Zum ersten Training unter Klopp dürfen die BVB-Verantwortlichen wohl die 13.000 Zuschauer erwarten, die Thomas Dolls ersten Trainerauftritt beobachteten. Mindestens.
Die Borussia soll wieder nach oben, dabei taktisch modernen Offensivfußball spielen. Die Spieler aus aller Welt sollen mit gelb-schwarzem Herzen zur Not aufopferungsvoll den Rasen beackern. Dortmund wie es singt und lacht eben. Oder zumindest gerne würde. All das waren übrigens auch die Wünsche an Thomas Doll, der vor 14 Monaten mit ebenfalls großen Vorschusslorbeeren nach Dortmund kam. Nun muss Klopp zeigen, dass sich seine Ideen von Taktik und Mannschaftsführung nicht so schnell verschleißen wie die seines Vorgängers.
Der Dortmunder Schritt bestätigt jedenfalls den Trend der Vereine, verstärktes Augenmerk auf die Trainerposition zu legen. Noch vor wenigen Jahren konnte man fast den Überblick verlieren, welchen Klub die Neururers, Lienens, Röbers oder Bergers gerade betreuen, weil sie sich so häufig gegenseitig die Klinke in die Hand gaben. Gerade in dieser Saison machen es sich die Vereine mit der Wahl ihrer Übungsleiter schwer. Sie gehen fast immer neue, oft ausländische Wege. Und investieren so viel Geld wie noch nie.
Die niederländischen Entwickler Rutten (Schalke) und Jol (HSV) kommen in die Liga, Leverkusen ist auf der Suche. Bayern München beginnt sein Klinsmann-Projekt. Schon installiert sind die Schweizer Tüftler Lucien Favre (Berlin) und Marcel Koller (Bochum). Dieter Hecking (Hannover), Armin Veh (Stuttgart) und Edmund Becker (Karlsruhe) gelten als deutsche Trainerhoffnungen. Jetzt kehren Christoph Daum (Köln), Ralf Rangnick (Hoffenheim) und nun auch Klopp zurück.
Die kommende Saison wird so sehr als Trainersaison beginnen wie wohl nie zuvor in der Geschichte der Bundesliga. Was einen Tatbestand allerdings keineswegs außer Kraft setzt: Irgendjemand muss die hinteren Plätze der Liga einnehmen. Und das würde auch einen Ex-Nationalmannschaftskritiker nicht vor den üblichen Reflexen schützen. Schon gar nicht in Dortmund.
Torwartlegende Sepp Maier im Interview. SZ am Wochenende Jetzt lesen ...
- Borussia Dortmund "Ich habe eine Riesenlust" 23.05.2008
- 2. Liga Daum bleibt in Köln 22.05.2008
- Bundesliga Skibbe muss gehen 21.05.2008
- Fußball-Bundesliga Die Salami erhitzt die Gemüter 22.05.2008
(sueddeutsche.de/aum)
Drogeriekette wird abgewickelt
Für Jürgen Klopp beginnt nun erst der Ernst des Lebens. Es ist ein Unterschied, einen emporgekommenen Verein wie Mainz 05 zum Aufstieg zu führen und nach seinem Wiederabstieg fast wieder in die Bundesliga zu führen oder einen erfolgsverwöhnten Top-Verein wie Borusia Dortmund in einem Riesenstadion zu betreuen, von dem die Fans jede Woche Spitzenleistungen und (natürlich) Siege sehen wollen.
Aber zutrauen würde ich es ihm schon...
Tausche den Trainer- und den Stadtnamen und man hat die Standardphrasen jedes beliebigen neuen Trainers für jeden beliebigen Verein.
BVB, große Ehre, weil großer Verein? In Dortmund ist nur das Stadion groß, nicht der Verein. Der Champions-League-Sieg ist elf Jahre her und die letzte Meisterschaft hat der BVB fast mit der Insolvenz bezahlt. Dass der BVB aus eigener Kraft und nicht durch die Gnade einer Pokalauslosung den UEFA-Cup erreichen, wird auch Klopp nicht schaffen.
Klopp ist letztendlich genau so ein Schwätzer wie sein Vorgänger Doll. Was war Klopps sein größter Erfolg? Ein Aufstieg in die 1. Liga (in dieser Saison gescheitert). Sonst kam da nur viel Laberei im ZDF. Aber irgendwie passt er zum BVB mit seiner - meiner Meinung nach - zu AUFGESETZT kumpelhaft wirkenden Art...
Wenn DAT kein Grund ist, wieder in die Heimat zurückzuziehen, dann weiß ich et auch nich!
Ich denke das Stadion die Fans und die ganze Atmosphäre sind eben eher was was Herrn Klopp zusagt! Riesiger Druck aber auch viel mehr Stimmung und Power wenn es läuft!
Hier kann er was bewegen und sich beweisen!
Glaube Leverkusen wäre ihm zu langweilig
Ich hoffe das Klopp sich das wirklich gut überlegt hat. Nachdem Dortmund mit Röber und Doll schon zwei andere Trainer (gut sind keine überragenden Trainer) in den Fußballerischen Suizid geschickt hat wird der arme Klopp der nächste sein.
Er wäre besser zu Bayer Leverkusen gegangen. Dort hätte er sich besser weiterentwickeln können als in Dortmund.
Für mich ist das zu diesem Zeitpunkt "Suizid".
Aber ich wünsche für Klopp und Dortmund, dass beide wieder annähernd an die erfolgreichen Zeiten anknüpfen können (Substanz wäre ja da) und das die Liga wieder interessant wird.