Von Jürgen Schmieder

Zum ersten Mal traf Jürgen Klopp auf den Verein, für den er 18 Jahre lang tätig war. Vor dem Spiel klärte er seine Beziehung zu Thomas Tuchel, danach sah er ein langweiliges 0:0.

Nein, die beiden kennen sich wirklich kaum - auch wenn es hin und wieder den Anschein hat, als wären sie entfernte oder auch nicht so entfernte Verwandte. An diesem Samstag trafen sich Jürgen Klopp und Thomas Tuchel tatsächlich erst zum zweiten Mal in ihrem Leben. "Wir haben uns mal gesehen, als ich A-Jugend-Trainer war", sagte Tuchel vor dem Spiel. Es war Essen außerhalb des Vereinsgeländes.

Nelson Valdez und Niko Bungert

Nelson Valdez und Niko Bungert kämpfen um den Ball. (© Foto: Getty)

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Überhaupt versuchten die Trainer von Borussia Dortmund und Mainz 05 vor der Partie, die nach langweiligen 90 Minuten 0:0 (0:0) endete, Emotionen und Vergleiche herunterzuspielen. "Ich wusste, dass der Tag kommen wird, an dem ich gegen Mainz spielen muss. Nun ist er da - jetzt ist es einfach Bundesliga-Alltag", sagte Klopp, der als Spieler mehr als 300 Partien für Mainz absolvierte und bei 270 auf der Trainerbank saß. Tuchel ergänzte: "Natürlich gibt es ein mediales Bedürfnis, Trainer zu vergleichen. Aber wir selbst tun das nicht."

Kaum zu vergleichen war auch die Situation, in der sich beide Trainer vor diesem 13. Spieltag befanden. Für Mainz 05 gestaltet sich diese Spielzeit überraschend positiv, während man die von Dortmund wohlwollend als "durchwachsen" bezeichnen kann. Dazu fehlten Jürgen Klopp so viele Spieler, dass er nicht einmal in der Lage war, die Ersatzbank vollständig zu befüllen. "Es ist derzeit wirklich nicht leicht für uns", sagte Klopp.

In der ersten Halbzeit spielten die 22 Akteure auf dem Platz so, als würden sie sich seit Jahren kennen und sich nun zu einem Freizeitkick auf der Wiese treffen. Es gab zahlreiche Flüchtigkeitsfehler, hanebüchene Fehlpässe und Schüsse, die derart weit daneben gingen, dass sie bei einem Freizeitspiel in einem Tümpel gelandet wären. So aber flog das Spielgerät zu einem der 75.000 Zuschauer im Dortmunder Stadion - und das Fangen eines Balles durch einen Fan war die beeindruckendste sportliche Leistung der ersten Halbzeit.

Eine Szene aus der 30. Minute verdeutlichte die Harmlosigkeit beider Mannschaften. Zunächst schlugen die Dortmunder Spieler innerhalb von 30 Sekunden drei Flanken, die jeweils über den Strafraum hinweg zu einem Mitspieler auf der anderen Seite flogen. Vor der vierten misslungenen Flanke - das wäre wohl Bundesliga-Rekord gewesen - erbarmte sich ein Freiburger, stibitzte den Ball und leitete ihn zu Aristide Bancé. Der versuchte sich mit einem Schuss aus 20 Metern - und prüfte statt Roman Weidenfeller erneut einen der Zuschauer.

Erst gegen Ende der ersten Halbzeit bekam Dortmund das Spiel besser in den Griff und kam so auch zur ersten Torchance. Mats Hummels, der im defensiven Mittelfeld agierte, nahm eine Flanke aus zwölf Metern volley - doch Torhüter Heinz Müller konnte parieren.

In der Kabine musste Jürgen Klopp den Dortmunder Spielern mitgeteilt haben, dass es sich mitnichten um einen Freizeitkick handelte und dass Thomas Tuchel auch nicht sein Freund ist. Die Borussia investierte nun mehr in das Spiel und versuchte, sich Gelegenheiten zu erspielen. Indes blieb es beim Versuch, weil die Dortmunder einsehen mussten, dass die Mittelfeldspieler Mats Hummels, Nuri Sahin, Jakub Blaszczykowski und Markus Feulner in dieser Saison insgesamt an erst sieben Treffern beteiligt gewesen waren und sich nicht imstande sahen, diese Quote zu verbessern.

Also schickte Klopp in der 62. Minute einen Mann aufs Feld, den er nun wirklich seinen Freund nennt: Mohamed Zidan sollte versuchen, die Offensivbemühungen der Borussia erfolgreicher zu gestalten. Der Ägypter führte sich zwar mit zwei schönen Dribblings und einer Torschussvorlage auf Barrios ein, zog es anschließend jedoch vor, wie seine Kollegen auf der Gefährlichkeitsskala Limbo zu tanzen.

Die Mainzer Spieler dagegen signalisierten zu diesem Zeitpunkt durch ihre Weigerung, sich dem gegnerischen Strafraum zu nähern, dass sie mit einer torlosen Partie durchaus zufrieden wären. Die wenigen Angriffe der Dortmunder wehrten sie durch geschicktes Stellungsspiel und einige auf die Tribüne gebolzte Bälle ab - und so wurde klar, dass wenn die Freizeitkickregel "nächstes Tor gewinnt" gezählt hätte, beide Mannschaften wohl noch an Weihnachten spielen würden.

"Es war sicherlich keine gute Leistung von uns", sagte Mats Hummels nach dem Spiel. "Aber ich hätte ein Tor erzielen müssen - deshalb sind wir enttäuscht." Der Mainzer Torhüter Heinz Müller dagegen war zufrieden: "Wir sind nicht richtig ins Spiel gekommen, deshalb können wir mit dem 0:0 sehr gut leben."

Mit dem Unentschieden bleibt Mainz 05 mit nunmehr 22 Punkten auf dem sechsten Tabellenplatz, während Dortmund im Mittelfeld der Tabelle festzustecken scheint. Den beliebteren Trainer werden die Mainzer Fans wohl erst beim Rückspiel küren - der erfolgreichere ist derzeit Thomas Tuchel.

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(sueddeutsche.de/cai)