Von Philipp Kreutzer, Dortmund

Das 1:1 zwischen Dortmund und Stuttgart werten die Beteiligten als gerechtes Ergebnis. Für Aufregung sorgen ein Schiedsrichter und ein Ex-Nationaltorwart.

Dieser Nachmittag hatte bei Jens Lehmann Spuren hinterlassen. Eine kleine Wunde prangte auf seiner Oberlippe, als er lange nach dem Abpfiff vor die wartenden Reporter trat. Beinahe eine Stunde hatte der Torwart des VfB Stuttgart sich zuvor in der Kabine Zeit gelassen, doch abgekühlt wirkte er trotzdem nicht. "Wenn ich so was machen würde wie der Neven Subotic", ätzte Lehmann, "dann wäre ich für acht Wochen gesperrt."

Fußball-Bundesliga: Jens Lehmann

Kontrollblick: Schiedsrichter Helmut Fleischer prüft, ob noch alle Zähne da sind im Mund von Jens Lehmann. (© Foto: ddp)

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Er meinte eine Szene Mitte der ersten Hälfte, als sich der Keeper und Dortmunds Innenverteidiger in Erwartung eines Einwurfs gegenseitig mit den Ellbogen traktiert hatten. In der Frage, wer Auslöser war und wer reagiert hatte, gab es selbstverständlich zwei konträre Standpunkte. "Er tut den Ellbogen in mein Gesicht", lautete die Version des Borussen, "dann hebe ich die Arme, um zu zeigen, dass ich gar nichts mache. Dabei berühre ich ihn dann, aber nicht mit 400 km/h. Da muss er nicht hinfallen." Die Fernsehbilder bestätigten: Der erste Schlag kam vom Stuttgarter Torhüter.

Lehmann blieb trotzdem anderer Meinung. "Mad Jens", wie ihn britische Medien während seiner Zeit beim FC Arsenal tauften, mochte nicht schon wieder als Täter dastehen. So ließ er wissen, von dentalen Verlustängsten geplagt gewesen zu sein wie nie zuvor auf dem Fußballplatz: "Ich habe es 22 Jahre lang geschafft, dass mir keiner den Kiefer oder die Zähne eingeschlagen hat. Das war heute das erste Mal, dass ich gedacht habe: Jetzt ist mein Zahn weg."

Und das ausgerechnet in seinem wohl letzten Bundesligaspiel bei seinem früheren Verein. Der mittlerweile 39-Jährige, der zwischen 1999 und 2003 im Dortmunder Tor stand, will im nächsten Sommer seine Karriere beenden. Nach der Keilerei pfiffen die Borussia-Fans Lehmann bei jedem Ballkontakt aus.

Die übrigen Spieler sorgten kaum einmal für wirklich Aufregendes. Viele Ungenauigkeiten prägten die Partie. Dass nicht mehr Tore fielen als die von Nelson Valdez zum 1:0 in der 27. und durch Georg Niedermeier zum 1:1 in der 48. Minute lag allerdings auch an Schiedsrichter Dr. Helmut Fleischer und seinen Assistenten. Sie unterboten das durchschnittliche Niveau der Begegnung. Nicht nur, weil sie weder Lehmann noch Subotic bestraften. Der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes kündigte mittlerweile Ermittlungen gegen Lehmann und Subotic an.

Das Gespann stoppte zwei aussichtsreiche BVB-Angriffe wegen Abseits und lag damit genauso falsch wie in der Deutung eines Zweikampfes zwischen Felipe Santana und Sebastian Rudy. Der Dortmunder foulte den Stuttgarter strafstoßreif, der Schiedsrichter ließ weiterspielen. Nach dem Wechsel hätte Stuttgarts Ludovic Magnin nach einer Notbremse an Kuba die rote Karte sehen müssen - doch Fleischer pfiff nicht mal. Äußern wollte sich der Unparteiische später nicht. Er hatte es eilig, ein Flugzeug in Düsseldorf zu erreichen.

Etwas mehr Zeit nahm sich dafür Horst Heldt. Stuttgarts Manager empfand das Ergebnis als gerecht und zufriedenstellend. Er wertete das Auftreten seiner Mannschaft zudem als gelungenes Beispiel für den künftigen Umgang mit der Doppelbelastung, die auf den VfB zukommen dürfte. "Wir haben im Moment viele wichtige Spiele", erklärte er, weshalb die zuletzt gesetzten Akteure Serdar Tasci, Timo Gebhart und Pawel Pogrebnjak auf der Bank Platz nahmen.

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