Ein Kommentar von Klaus Hoeltzenbein

Ausverkaufte Stadien trotz Finanzkrise, Spannung bis zum Schluss: Fußball made in Germany ist in. Doch nur in Germany.

Das Spiel ist ausverkauft! Früher war dies im deutschen Fußball eine Nachricht, heute ist es eine Selbstverständlichkeit. Natürlich ist auch für das DFB-Pokalfinale, das am Pfingstsamstag die Saison 2008/2009 beendet, nur noch auf dem Schwarzmarkt eine Karte zu ergattern, aber das war schon immer so, seit das Finale in Berlin ausgetragen wird. Neu ist, dass sich noch mehr Politik, noch mehr Prominenz, noch mehr Hauptstadt auf der Ehrentribüne drängeln, denn seit der Party-WM 2006 ist es chic und wichtig, Fußball zu sehen und beim Fußball gesehen zu werden. Zudem ist Wahljahr, mitten in der Krise, da kommt jedes fröhliche Bild gelegen.

Die Spieler des VfL Wolfsburg beim Feiern des Titels in der Party-Liga. (© Foto: dpa)

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Und ein bisschen muss dem Fußball bei diesem Duell von Werder Bremen und Bayer Leverkusen auch Dank gesagt werden: Seine Rolle als emotionaler Ablenker von der Wirtschaftsmisere, seine Aufgabe, Spiele zu liefern, wenn das Brot knapp wird, die erfüllt er fast perfekt. So sehr jedenfalls, dass der große Widerspruch den meisten gar nicht mehr auffällt: Fußball made in Germany ist in. Doch nur in Germany.

Weiterhin exportieren die Deutschen Kühlschränke, Geländewagen, philharmonische Orchester und Heidi Klum in alle Welt, und vielleicht gelingt es sogar, den Transrapid an Iran zu verkaufen. So bleiben die Deutschen Export-Weltmeister, gerade wegen der Qualität ihrer Hand- und Kopfarbeit. Doch für die deutsche Fußarbeit kann sich die übrige Welt derzeit nicht begeistern. Dabei liefert der Fußball die Erfolgsgeschichte schlechthin in der deutschen Unterhaltungsindustrie.

Die 46.Saison der Bundesliga war eine Saison der Rekorde. Erstmals besuchten mehr als 13 Millionen Zuschauer die Spiele der 18Klubs, fast eine Million mehr als im Vorjahr und bald dreimal so viele wie in der schwächsten Saison 1972/73. Im Schnitt kamen 42.528 Besucher, sie genossen einen familienfreundlichen Service in den zur WM 2006 auf Hochglanz renovierten Arenen. Zahlen, um die der Erlebnispark Bundesliga von jeder anderen Fußball-Liga der Welt beneidet wird.

Es war aber auch dramaturgisch ein starkes Schauspiel, das da angeboten wurde: Zur Winterpause lag die TSG 1899 Hoffenheim vorne, ein ehrgeiziger Aufsteiger aus der Provinz. Und als die Saison zu Ende war, da waren erstmals die Autoverkäufer von VW Wolfsburg Meister. Mannschaften kletterten hoch und stürzten ab, die Seifenoper um Jürgen Klinsmann und den FC Bayern blieb fast die einzige Konstante der Saison.

Als aber vor wenigen Tagen im Champions-League-Finale in Rom die wichtigste Trophäe des Vereinsfußballs ausgespielt wurde, waren die Deutschen längst nicht mehr dabei. Auch sie spendeten nur den Applaus auf dieser Mustermesse des Spiels, auf der die rasenden Zwerge des FC Barcelona gegen Manchester United einen zirzensischen Tempofußball zelebrierten.

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