Compper? Weis? Demba Ba? Und Salihovic? Lange Zeit war der deutsche Transfermarkt berechenbar. Dann kam Hoffenheim.
Jahrzehntelang funktionierte der Transfermarkt der Bundesliga nach festen Regeln. Wer den FC Bayern mit seinen Toren ärgerte, ob Sutter, Wohlfarth oder Effenberg, wurde prompt in München mit einem Vertrag gezähmt. Leverkusen hingegen kannte sich in Erdkunde bestens aus und fand ein anderes Brasilien als die Konkurrenz. Während etwa bei der chronisch Latino-süchtigen Berliner Hertha ständig über Eskapaden von Alex Alves, Marcelinho oder Mineiro geklagt wurde, lobten die anderswo fischenden Leverkusener die deutschen Tugenden der Jorginhos, Sergios, Lúcios und Zé Robertos.
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Neue Gesichter, erfolgreiche Gesichter: Aufsteiger TSG Hoffenheim. (© Foto: Getty)
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Nur beim SV Werder war es komplizierter. Lange waren die Bremer in ihrer Kukident-Phase glücklich ("Trau' keinem unter 30!") und verpflichteten Torjäger wie Klaus Allofs oder Manfred Burgsmüller in deren ganz späten Jahren. Weil die aber als nicht mehr transferierbar galten, holten die Münchner eben den Trainer: Otto Rehhagel kam - und blieb sehr kurz. Ohne Rehhagel entdeckten sie im Bremer Seniorenheim die Kraft der Jugend und bildeten Pizarro, Klose oder Borowski für den Weg nach Süden aus. Weil auch Jorginho, Sergio, Lúcio und Zé Roberto kamen, hatten die Bayern stets eine gute Elf. So war's, berechenbar.
Jetzt wirbelt Emporkömmling Hoffenheim diese alten Marktregeln durcheinander. Macht alles ein wenig anders - hat aber trotzdem eine Offensivelf. Und sieht sich vom verschärften Abramowitsch-Vorwurf verfolgt, weil Milliardär Dietmar Hopp den Aufstieg seines Heimatdorfes vorfinanziert hat. Das Beste an all den Vorurteilen ist noch, dass sie von Spieltag zu Spieltag spektakulärer, mal 4:5, mal 5:2, entkräftet werden. So lernt man die Gesichter einer Aufsteigerelf kennen, die zwar nicht billig, in ihrem Kern aber noch immer eine Elf der Namenlosen ist.
Compper? Mit dem wusste Mönchengladbach lange nichts anzufangen, in Hoffenheim jetzt Abwehrstammkraft. Beck? Einziger Sommerzugang, teuer, aber vom VfB Stuttgart nicht behalten. Weis? Wer ist dieser Weis? Demba Ba? 2007 in Mouscron entdeckt? Mouscron? Eduardo und Luiz Gustavo? Aus dem richtigen Brasilien, dem, das einst nur Leverkusen kannte, Respekt. Ibisevic? Ein rätselhafter Bankspieler aus Aachen, jetzt erster Torjäger der Liga. Obasi? Nigerianer, gefunden in Norwegen, bei Lyn Oslo. Salihovic? Von Berlins Hertha als zu dick ausgemustert, nun Kunstschütze der Saison.
Es bleibt ein fachliches Rätsel: Warum sehen die einen Klubs in einem Spieler etwas, was andere nicht in ihm erkennen? Das Dünne im Dicken, gewissermaßen. Die Liga, so scheint es, hat neue, scharfe Augen.
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(SZ vom 20.10.2008)
Schuldenkrise in Griechenland
der größte Teil der Bundesliga verpulvert sein Geld mit schlechter Transferpolitik:
Gutes Beispiel Schalke: sanchez, ze Roberto, Großmüller, engelaar, lövenkrands etc...
Das Geld ist aber wohl sehr wichtig, was nutzt einem Verein eine gute Vereinspolitik wenn die Mittel fehlen ?
@alf: sehr treffend kommentiert.
Hoffenheim macht was, was man woanders auch könnte. Nämlich zuerst eine Spielphilosophie entwicklen und dann die Spieler dazu verpflichten. Dann ist die Mannschaft der Star. Und nicht eine Mannschaft volller Stars.
Wenn man nach Arsenal blickt, kann man erkennen, dass die das auch so machen. Oder wer kennt den all die jungen Spieler, die erst durch die Arbeit von Arsene Wenger Star-Status erreichen?
Also, liebe Bayern, Schalker und die anderen BL-Clubs: Überdenkt euer Verständnis von Fußball und von Transfers. Es ist eben nicht nur das Geld, das Erfolg möglich macht. Sondern eindeutig mehr trägt eine gute Vereinspolitik dazu bei.
Spiegel online bietet bei seinem Fußball-Ergebnisservice die nette Möglichkeit sich nicht nur die Gesamt- Heim- und Auswärtstabelle darstellen zu lassen, sondern auch, wie die Tabelle aussähe, wenn es nur eine 1. oder nur eine 2. Halbzeit gäbe. Wer nun führt die Tabelle der 2. Halbzeit mit 2 Punkten Vorsprung an? Hoffenheim. Das mag Zufall sein, es kann aber auch daran liegen, dass der Verein von dem zugegebenermaßen nicht ganz knapp vorhandenen Geld einen Fitnessexperten (Bernhard Peters) als Sportdirektor und zusätzlich einen Athletiktrainer (Rainer Schrey) eingestellt hat.
Dann scheint es mir auch nicht unbedingt ein Fehler zu sein, dass man die wirtschaftlichen Posten Geschäftsführer und Manager nicht wie andere Bundesligavereine zu Versorgungsposten für ehemalige Spieler mit hohen Sympathiewerten bei den Fans umfunktioniert, sondern mit Rotthaus und Schindelmeiser mit Leuten besetzt hat, die ihr Fach verstehen.
Für mich sieht es schlicht so aus, als wäre der derzeitige Erfolg Hoffenheims im breiten Versagen des Restes der Liga in puncto Vereinsführung und -management begründet. Dazu passen würden die für Offizielle teilweise unsäglichen beleidigten Ausfälle gegen Hoffenheim, die sich eigentlich nur durch die Angst erklären lassen, liebgewonnene Pfründe in einem fehlerverzeienden Versagerbiotop zu verlieren.
Das interessanteste am Erfolg Hoffenheims ist doch, dass es möglich ist, einen Club mit ausreichend Geld, einem guten Trainer und einer Truppe motivierter Nobodys an der Spitze der Bundesliga zu etablieren.
Das wirft kein gutes Licht auf das Niveau sämtlicher restlicher Mannschaften und die Liga insgesamt.
Paging