Von Philipp Kreutzer, Dortmund

"Ich dachte, es fühlt sich anders an": Dortmunds Trainer Jürgen Klopp fremdelt kurzzeitig mit dem Gewinn seiner ersten Deutschen Meisterschaft. Am Dortmunder Ausnahmezustand ändert das selbstverständlich nichts.

Besonders lange hat Jürgen Klopp nicht verschnaufen dürfen. Nach der ersten Bierdusche hatte er sich zunächst in den Mittelkreis zurückgezogen, um von dort das ausgelassene Treiben seiner Mannschaft vor der wogenden Südkurve zu beobachten.

Borussia Dortmund's coach Klopp celebrates the winning of the German Championship after their German Bundesliga soccer match against Nuremberg in Dortmund Bild vergrößern

Deutscher Meister 2011, tatsächlich: Jürgen Klopp. (© REUTERS)

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Doch ihm blieb keine Zeit, um wie einst Franz Beckenbauer in Rom sinnierend über den Rasen zu schlendern. Schon bald kam sein Einsatzbefehl, gebrüllt von 25.000 völlig euphorischen Anhängern auf der Fantribüne: "Jüüüürgen Kloo-oopp!"

Der Dortmunder Meistertrainer folgte dem lautstarken Aufruf natürlich sofort, er machte mit den Fans die La Ola und präsentierte in Ermangelung des Originals, das erst nach dem letzten Spiel überreicht wird, eine übergroße Papp-Meisterschale. Sicher wäre ihm noch manches mehr eingefallen, um gemeinsam mit den Anhängern seinen ersten und den siebten Titelgewinn des BVB zu feiern, doch daraus wurde nichts mehr. Seine Mannschaft stürzte sich auf ihn, spendierte weitere alkoholische Duschen und ließ ihn hochleben.

Dieses Bild von Klopp, wie er auf den Schultern seiner Spieler den Fans zujubelt, geriet zum emotionalen Höhepunkt der Party im Stadion, die sofort nach dem mit 2:0 gegen Nürnberg gewonnenen Spiel begann, mehr als eine Stunde währte und später auf den Plätzen, in den Straßen und in den Kneipen der Stadt bis zum Morgen ihre Fortsetzung fand.

Große Zuneigung haben sie in Dortmund ja schon seit längerer Zeit für den in der dritten Saison beim BVB tätigen Coach empfunden. Nun aber, nachdem er diese seine Mannschaft mit mitreißendem, leidenschaftlichen Fußball und noch dazu als bisher jüngstes Team in der Bundesliga-Geschichte zum Titel geführt hat, ist daraus endgültig Liebe geworden.

In etwas diffuseren Gefühlszuständen als die Anhänger befanden sich die ganz unmittelbar Beteiligten. In fast allen Interviews kam neben der kolossalen Freude auch der Unglaube über das Geleistete zum Ausdruck. "Ich bin einfach glücklich", sagte Klopp, nachdem ihn seine Spieler zu Boden gelassen hatten. Zugleich stellte er etwas irritiert fest: "Ich habe aber gedacht, es fühlt sich anders an, noch euphorischer. Aber das kommt vielleicht erst noch mit der Zeit."

Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke gab zu, "das alles noch gar nicht richtig begreifen" zu können, BVB-Präsident Reinhard Rauball sagte: "Das ist in der Nähe eines Märchens" und erinnerte im Moment des großen Triumphs an die noch vor wenigen Jahren drohende Insolvenz: "Man darf nicht vergessen, dass wir hier nicht wussten, ob es überhaupt weiter geht."

Manager Michael Zorc ordnete die siebte Meisterschaft als "größte Leistung in der Geschichte von Borussia Dortmund" ein: "Zumindest seit 1980 - so lange kann ich mich nämlich zurückerinnern."

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