Bundesliga: Bayern - Mainz Mainz - Über den Wolken
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Er arbeitete an der Seitenline genauso viel wie seine Spieler und machte alles richtig. Schon wieder. Tuchel bereitet sich gut auf seine Gegner vor, richtet seine Taktik immer an den Stärken des Gegenübers aus. Ein Tüftler, ein Taktiker, ein Trickser. Thomas Tuchel. Sich mit seiner Mannschaft verstecken, auch wenn der Gegner FC Bayern heißt, das hat er nicht auf dem Zettel. Pressing, viel laufen, flache Pässe in die Spitze, immer Torgefahr ausstrahlen, das hatte er gefordert und seine Mannschaft setzte diese Vorgaben um. "Wenn wir beseelt vom Glauben an uns sind, dann ist alles möglich", hatte Tuchel gesagt und seine Mannschaft war so beseelt, wie es sonst nur der "Über den Wolken"-Chor auf der Wiesn kurz vor 22 Uhr klingt.
Und die Bayern? Die waren von so viel Fußballerseele beeindruckt. Nach dem Gegentreffer spürte man die Unsicherheit wachsen, sie machte sich breit in den Köpfen, kroch in die Beine. Hier spielte der Tabellenerste, vor Selbstvertrauen strotzend, gegen den Tabellenachten. Und genau so sah das jetzt aus.
Die Bayern hatten viel Ballbesitz, das schon, aber keine Sicherheit. Sie produzierten einen Fehlpass nach dem anderen, vor allem Bastian Schweinsteiger fiel negativ auf, spielte so oft in die Füße des Gegners, wie es ihm während der Weltmeisterschaft in Spielen und Training zusammen nicht unterlaufen war.
"Wir hatten sehr viel Schwierigkeiten mit dem Spielstil von Mainz und viele Ballverluste", erklärte ein sichtlich geschockter Louis van Gaal. Das Problem war, dass zu viele Spieler unter ihrer normalen Verfassung waren. Wir hatten zwar trotzdem Chancen, haben insgesamt aber schlecht gespielt."
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Trotzdem: Es ist Oktoberfest, es ist München, es ist der amtierende Meister gegen Mainz 05. Die Bayern konnten das nicht auf sich sitzen lassen und rissen fünf Minuten vor der Pause das Spiel an sich. Erst brachte Kroos nach feinem Anspiel von Müller den Ball aus sechs Metern nicht aufs Tor, dann setzte Klose einen Kopfball an die Latte. Die Bayern, so schien es, brauchten Hilfe und die Bayern bekamen Hilfe. Nach einem hohen Ball aus dem Mittelfeld versucht Bo Sevensson den Ball zu seinem Torhüter zurückzuköpfen, ohne genau zu wissen, wo der steht. Christian Wetklo steht weit vor dem Tor, der Ball saust an ihm vorbei, Wetklo läuft ihm nach, der Ball rollt, Wetklo läuft, der Ball rollt - Wetklo kommt zu spät. Ein Eigentor bringt die Bayern in der 45. Minute zurück in dieses Spiel und eine der rasantesten Halbzeiten der bisherigen Bundesliga-Saison war zu Ende.
Es war zu erwarten, dass vor allem die Mainzer dieses Tempo in der zweiten Halbzeit nicht halten konnten und so entwickelte sich nach dem Seitenwechsel ein Spiel, wie viele es von Beginn an erwartete hatten. Die Bayern dominant, aber mit wenig gefährlichen Ideen im Spiel nach vorne. Ribéry und Robben können auch die Münchnernicht einfach so ersetzen.
Mainz wartete jetzt ab, zog sich immer mehr zurück. Fast schien es, als hätten sie ihr Pulver in den ersten 45 Minuten verschossen. Außerdem fehlte der vorher so starke Lewis Holtby, er musste in der Pause verletzt ausgewechselt werden. Van Gaal brachte in der 62. Minute Hamit Altintop für Olic, Klose ging in die Spitze, Thomas Müller in die Zentrale hinter ihm. Doch mehr Torgefahr strahlten die Münchner auch nach dieser Umstellung nicht aus.
Und dann, ganz plötzlich waren sie wieder da, die Mainzer. Der eingewechselte André Schürrle setzte sich leichtfüßig auf der rechten Seite durch, bediente in der Mitte den 22-jährigen Ungarn Adam Szalai, der den Ball überragend annimmt und mit einem phantastischen Schuss aus der Drehung Butt keine Chance läßt.
Und dann? Oktoberfest in München? Nein. Fastnacht. Nur noch Meenzer Fassenacht. Thomas Tuchel war schlicht überwältigt: "Das ist sehr außergewöhnlich, dass wir nach fünf Siegen in Folge diese Serie auch bei Bayern München fortgesetzt haben. Da fehlen mir spontan etwas die Worte."
Louis van Gaal fehlten sie nicht: "Mainz traue ich viel zu, sie können auch Meister werden. Das hat Kaiserslautern auch einmal geschafft, warum nicht auch Mainz." Es klang nicht nach einer zusammengesponnenen Büttenrede.