Bundesliga Bayern bekämpft den Kölner Kurz-Aufstand

Beste Chance der Kölner: Anthony Modeste gegen Manuel Neuer

(Foto: dpa)
Von Martin Schneider

Es war in der 77. Minute, als Pep Guardiola dem Zirkus ein Ende setzen wollte. Zu diesem Zeitpunkt beobachtete er drei Chancen von Anthony Modeste, er beobachtete Kölner, die in der Bayern-Hälfte in Ballbesitz waren und er beobachtete ein totes Spiel, das wieder zum Leben erwachte. Pep Guardiola zitierte also seinen Kapitän zu sich, er wechselte Philipp Lahm ein und platzierte ihn im zentralen Mittelfeld. Davor hatte er schon Arturo Vidal und Franck Ribéry eingewechselt. Mit solchen Möglichkeiten sollte man einen Kölner Kurz-Aufstand niederschlagen können. Es klappte soeben. Bayern München brachte das 1:0 über die Zeit.

Der Bayern-Trainer rotierte nach dem Kraftakt gegen Juventus Turin kräftig durch und wechselte in der Startelf fünf Spieler aus. Er brachte Juan Bernat, Sebastian Rode, Kingsley Coman, Rafinha und Thiago. Mit dem Ergebnis, dass auf der Bank neben Vidal, Ribéry und Lahm auch noch Thomas Müller saß. Und Mario Götze. Der spielte aber im Gegensatz zu den anderen Reservisten gegen Turin keine Minute und Guardiola zog ihm trotzdem Douglas Costa vor, der in der Champions League volle 126 Minuten gespielt hat. Bis zum Ende ließ er den Weltmeister sitzen.

Köln spielte mit zwei Ketten gegen die Bayern

Matthias Sammer sagte dazu noch vor dem Spiel, Mario Götze habe ja schon gegen Bremen von Anfang an gespielt. Und man habe sich jetzt eben dazu entschieden, Rafinha und Rode reinzurotieren. Und zu viel Rhythmus dürfe man nicht rausnehmen, denn schließlich habe man "nur noch Endspiele." Er mahnte auch, man dürfe nicht zu euphorisiert nach Köln fahren und "dann im Alltag stolpern." Nun ja. Das Torverhältnis der vergangenen fünf Spiele München gegen Köln: 17:2 für Bayern. Die letzte Niederlage der Münchner: 2:3 im Februar 2011. Da bildeten Andreas Ottl und Daniel Pranjic die Doppelsechs.

Köln setzte gegen die Münchner zunächst einen taktischen Klassiker ein: Zwei tief stehende Abwehrketten, eine mit fünf Mann, eine mit vier Mann. Aber das große Problem für alle Gegner dieser Bayern-Mannschaft bleibt trotz aller taktischen Kniffe: Man darf sich nichts, aber auch einfach nichts erlauben. Die Aktion von Dominique Heintz in der zehnten Minute als Fehler zu bezeichnen, wäre schon sehr mutig. Die Szene geht so: Thiago bekommt den Ball und hat neun Kölner Verteidiger vor sich. Er versucht den Ball durchzustecken, findet aber nur einen der 18 Verteidiger-Füße, nämlich den von Heintz. Der klärt aber nicht, sondern lässt den scharf gespielten Ball nur abprallen. Robert Lewandowski bekommt die Kugel und schießt zum 1:0 ein.

Der Ball wandert von Alaba zu Kimmich zu Alonso

Fünf Minuten später: David Alaba hat in der sogenannten "Bayern-Abwehr" (die teils fünf bis zehn Meter in der Kölner Hälfte steht) den Ball und findet mit einem Pass die Lücke. Douglas Costa läuft frei in den Strafraum, bringt den Querpass aber knapp nicht an den Mann. Köln wollte eine Mauer bauen und errichtete eine Pappwand.

Das Spiel war so spannend, wie jemandem beim Schal-Stricken zuzugucken. Monotone, sich wiederholende Bewegungen mit einem vorhersehbaren Ergebnis. Zwei rechts, zwei links, zwei fallen lassen. So wanderte bei Bayern der Ball von Alonso zu Alaba zu Kimmich zu Alonso. Dann mal zu Thiago oder Sebastian Rode, die immer anspielbar waren, obwohl in ihrer Zone eigentlich zehn Kölner standen.