Bundesliga Ancelotti passt verblüffend gut zum FC Bayern

Guardiola geht, Ancelotti kommt

Der FC Bayern München hat den Abschied von Pep Guardiola zum Saisonende bestätigt und zugleich Carlo Ancelotti als Nachfolger angekündigt. mehr...
  • Die Wahl von Carlo Ancelotti zum neuen Trainer des FC Bayern erscheint ideal.
  • Als Nachfolger von Pep Guardiola bringt er entscheidende Qualifikationen mit.
Von Thomas Hummel

Ob es das Wetter ist, das diese Entscheidung so logisch erscheinen lässt? Seit Tagen blickt man aus den Anhöhen und Hochhäusern Münchens hinüber auf die Alpen, bei 15 Grad dachte dabei niemand ans Skifahren, sondern an einen Cappuccino am Lago di Garda. Wo bisweilen mehr Autos mit Münchner Kennzeichen herumfahren als anderswo und von wo es nur noch 80 Kilometer sind bis zum Geburtsort des neuen Trainers.

Carlo Ancelotti aus Reggiolo in der Emilia-Romagna wird im Sommer der neue Trainer des FC Bayern sein und damit schlagartig zu den wichtigsten Personen der Stadt gehören. Da kann es nur von Vorteil sein, dass der 56-Jährige in der Nähe eines Sehnsuchtsorts vieler Münchner aufgewachsen ist. Wenn er es sich nach einem Sieg beim De-Luxe-Italiener (von denen es reichlich gibt in seiner neuen Heimat) bei Wein und Tortellini gutgehen lässt, gehört er praktisch schon dazu.

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Alleine seine norditalienische Herkunft hätte den Bossen des FC Bayern aber nicht gereicht, um Carlo Ancelotti ihre edlen Fußballer anzuvertrauen. Schon gar nicht als Nachfolger für den Asketen Pep Guardiola, der irgendwo zwischen Genie, Tüftler und manischem Grübler wandelt. Das ist das Problem gewesen: Wer kann Pep Guardiola nachfolgen?

Derzeit gibt es keinen Trainer, der seinen Spielern den Fußball so genau erklären kann wie Pep Guardiola. In seinem haarlosen Charakterkopf vereinen sich mehr Taktikideen als in einem Fußballlehrer-Seminar. Da muss der FC Bayern vermeiden, dass im kommenden Jahr die Spieler mehr wissen als ihr Trainer. Nun ist Carlo Ancelotti zwar kein führender Theoretiker des Fußballs, doch auch ihm kann man schwerlich etwas vormachen.

Gelernt hat er als Spieler beim damaligen Trainer-Übervater Arrigo Sacchi. Der hatte wie heute Guardiola den Fußball umgekrempelt und mit dem AC Mailand eine Ära erschaffen. Ancelotti brachte die Anweisungen Sacchis im Mittelfeld auf den Platz. Hätten Trainer damals schon ihren Spielern taktische Neuerungen per Zettel übermittelt, Sacchi hätte ihn Ancelotti ausgehändigt.

Als Trainer ist er durchaus auf dem neuesten Stand. Auch wenn der gemütliche Kaugummikauer gerne unterschätzt wird. Wer dreimal die Champions League gewonnen hat (zweimal mit Milan, einmal mit Real Madrid), gehört zu den erfolgreichsten und klügsten der Branche.

Tausend Siege und eine historische Pleite

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Das weiß nicht zuletzt der FC Bayern. Das 4:0 von Real Madrid 2014 im Champions-League-Halbfinale in München war der härteste Schlag, den der Klub und sein Coach Guardiola je hinnehmen mussten. Zwar gab sich Guardiola dafür direkt nach dem Spiel selbst die Schuld, weil er sich von seinen Spielern eine falsche Taktik habe einflüstern lassen. Doch er vergaß dabei, Real-Trainer Ancelotti zu erwähnen, der vor allem die Stärken der eigenen Mannschaft heraushob und damit die Bayern überrannte.