Bielefeld entlässt Trainer Michael Frontzeck - die überraschendste Wendung im eigentümlichen Bundesliga-Abstiegskampf.
Diesmal könnten 27 Punkte zum Klassenerhalt reichen, hat Steffen Heidrich, Manager von Energie Cottbus, in der Winterpause gesagt. Ein Satz, der übersetzt so viel hieß wie: Vielleicht können wir in der Rückrunde jedes Spiel verlieren und bleiben trotzdem drin... Einen Spieltag vor Schluss lässt sich feststellen: Heidrich hat Recht gehabt - zumindest fast. Sollten Mönchengladbach, Bielefeld, Cottbus und Karlsruhe allesamt ihre letzten Spiele verlieren, würden 27Punkte zumindest für den 16. Platz reichen, der zu zwei Relegationsspielen gegen den Zweitliga-Dritten berechtigt.
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Letzte dienstliche Verzweiflung: Nach dem 0:6 in Dortmund wurde Bielefelds Trainer Michael frontzeck entlassen. (© Foto: AP)
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So ziehen nun drei demoralisierte und ein euphorisierter Kandidat in die letzte Runde dieses eigentümlichen Absteigskampfes: Die euphorisierten Karlsruher haben aber nur eine Chance auf Platz 16, wenn sie Hertha besiegen und Bielefeld und Cottbus ihre Heimspiele maximal unentschieden gestalten. Die demoralisierten Bielefelder, die nach dem 0:6 in Dortmund Trainer Frotzeck entließen, können sich noch auf Platz 15 retten, wenn sie Hannover 3:0 schlagen und Gladbach 0:2 gegen Dortmund verliert. Auch die Cottbuser können noch Fünfzehner werden - sie müssten gegen Gladbach drei Punkte und sieben Tore aufholen. Ein Streifzug durch die Krisengebiete.
Borussia Mönchengladbach
Beim Spiel zwischen Leverkusen und Mönchengladbach herrschten verdrehte Verhältnisse: Die Fans des Gastgebers feierten das 5:0 als "Auswärtssieg", die Fans der Gäste buhten ihre Spieler vom Platz, als sie sich nach der Partie demütig verabschieden wollten. Dabei hatte Borussia das Kunststück vollbracht, trotz des furchtbaren Debakels dem Klassenerhalt ein Stück näher zu rücken - dank des noch furchtbareren Debakels der Bielefelder in Dortmund. Jene Dortmunder sind nun der finale Gegner am Samstag, Trainer Hans Meyer hofft, "dass unsere Jungs nicht so viel Zeitung lesen" bis dahin. Die Lektüre könnte die Zweifel an den eigenen Fähigkeiten mehren. Denn das Ausmaß der Niederlage hat Borussia irritiert, "das waren zwei, drei Tore zu viel für unsere Gemütslage", meinte Meyer sorgenvoll.
Das Unglück war jedoch absehbar, als die zuletzt zweimal siegreichen und offenbar von Hochgefühlen getragenen Gladbacher in naiver Begeisterung das Spiel mit einer Art Sturmlauf starteten. Zwar saß Nationalspieler Marin wegen defensiver Mängel wie üblich bei Auswärtsspielen auf der Bank, doch ergaben sich die Deckungslücken auch ohne ihn. Die mäßig motivierten Leverkusener nahmen die Einladung an, Kießling und Helmes schossen vor der Pause die Tore, danach absolvierte Bayer eine Trainingseinheit vor zahlendem Publikum, während sich Borussia vergeblich mühte, das Ergebnis zu verschönern. Marin traf später zwar den Pfosten, was aber kaum auffiel, weil zur gleichen Zeit Bernd Schneider seine Einwechslung vorbereitete. Davon schwärmte später sogar Hans Meyer: "Es gibt noch schöne Momente im Fußball."
Arminia Bielefeld
Treue ist gerade ein schönes Schlüsselwort beim Bundesligisten Arminia. Wer den Bund fürs Leben eingehen mag, kann dies gegen ein Entgelt von 400 Euro neuerdings auch im Bielefelder Stadion tun. Ob dort geschlossene Partnerschaften zur Langfristigkeit taugen, muss sich der amouröse Dienstleister aber fragen lassen, denn in fünf Jahren Dauerabstiegskampf haben die Bielefelder nunmehr sechs Trainer verschlissen.
Der jüngst noch amtierende Michael Frontzeck hat am Samstagabend telefonisch von seiner Suspendierung erfahren - nur wenige Stunden, nachdem die Arminia im vorletzten Saisonspiel in Dortmund eine rechnerisch wie psychologisch schlimme 0:6-Niederlage erlitten hatte. Das neunte sieglose Spiel nacheinander in Verbindung mit einer sukzessiven Entmutigung der Mannschaft in der entscheidenden Saisonphase hat im Klubvorstand die überraschende Entscheidung provoziert, wonach Michael Frontzeck beim letzten und maßgeblichen Heimspiel am kommenden Samstag gegen Hannover nicht mehr in der Verantwortung stehen darf.
Erst an diesem Montag soll mitgeteilt werden, wer die Mannschaft im letzten Spiel sowie in den möglichen beiden Relegationsspielen betreut. Der Sportchef Detlev Dammeier gilt als wahrscheinlichste Lösung. Er selbst sagt allerdings, das man vielleicht noch jemanden finden werde, der bereits die Zusage auch für die kommende Saison erhält. Die zweite Liga muss bei dieser Entscheidung ausdrücklich als drohende Möglichkeit mit berücksichtigt werden, denn seit Samstag sind die Chancen auf den sicheren viertletzten Platz deutlich kleiner geworden. Gewachsen ist dagegen die Gefahr, dass die Bielefelder ihren Relegationsplatz noch verlieren und sogar direkt absteigen. Der Vorteil eines zuvor deutlich besseren Torverhältnisses gegenüber Cottbus und Karlsruhe wurde in Dortmund so gut wie verspielt - hoffen lässt dagegen der auswärtsschwache Abschlussgegner Hannover 96, für den es in dieser Saison keine Ziele mehr gibt.
"Wir sind zu der Auffassung gekommen, dass wir unter dem Strich zu wenig Punkte haben", sagte Sportchef Dammeier über die Gründe für die abrupte Trennung vom Trainer. Dies provoziert freilich die Frage, warum diese Erkenntnis nach neun Spielen ohne Sieg ausgerechnet vor der letzten Saisonpartie gereift ist. "Das 0:6 war nur das i-Tüpfelchen", sagt Dammeier, "und es ist auch nicht nur für ein Spiel, sondern eher für drei, weil ich davon ausgehe, dass wir die Relegation erreichen."
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Der Flügelflitzer
Frontzeck ist ein bewunderswert guter Trainer mit Konzept, der in Aachen Großes geleistet hat (Abstieg war nicht seine Schuld) und auch Bielefeld schon mal gerettet hat. Die Herren Schwick und Saftig werden dafür mit dem sang- und klanglosen Abstieg bestraft...