Werder Bremen vergibt am Ende den Sieg gegen den FC Barcelona und kassiert durch Messi das 1:1.

Für eine Fußballmannschaft, die mit zwei Niederlagen in die Champions League startet, wird der weitere Weg sehr schwer. Werder Bremen hat am Mittwoch dieses Schicksal gebannt, aber gleichzeitig eine große Chance vergeben: Bis zur 88. Minute führte der Bundesligist, dann musste er noch den Ausgleich durch den Argentinier Messi zum 1:1 (1:0) hinnehmen.

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Wie spielt man gegen dieses unvergleichliche Ensemble, bestückt mit globalen Koryphäen wie Thuram, Eto'o, Deco und zuvorderst Ronaldinho? Die letztes Mal diesen Wettbewerb gewannen und dabei auch bei den Bremern eine Erinnerung hinterließen: 0:2 und 1:3 verloren die Deutschen in der Vorrunde. In der neuen Saison startete Barca mit einem 5:0-Sieg in die Champions League, während Werder bei Chelsea London eine 0:2-Niederlage kassierte. Am Wochenende begnügte sich Barcelona in der Primera Division mit einem 1:1 gegen den FC Valencia, was immerhin zu Übernahme des ersten Platzes reichte. Beim Werders 1:1 gegen den Hamburger SV am Sonntag fehlte Miroslav Klose wegen einer Überdehnung im rechten Sprunggelenk. ,,Es wäre enorm wichtig, dass er dabei ist'', meinte Tim Borowski, ,,wir benötigen Anspielstationen.''

Sie hatten diese Anspielstation: Klose war gegen Barcelona dabei. Und noch einer, mit dem man noch weniger rechnete: Nationalspieler Per Mertesacker, der nach der WM an der Achillessehne operiert wurde und seitdem kein Pflichtspiel absolvierte, hatte Mittwochabend sein Comeback. Das durfte noch drei Tage zuvor keineswegs als sicher angenommen werden: Da klagte der Verteidiger über Probleme mit der Wadenmuskulatur, während Diego nach einem Foul des Hamburgers Mahdavikia über eine Knieprellung klagte. Auch er konnte in der Champions League mitmachen: Alles an Bord. In die Innenverteidigung rückte Baumann für den formschwachen Petri Pasanen ein, Torsten Frings durfte wie be der WM die von ihm bevorzugte Position vor der Abwehr ausfüllen, wo er sich fast ständig in Gesellschaft von Ronaldinho befand. Für den Angriff hatte sich Bremens Trainer Thomas Schaaf eine spezielle Variante ausgedacht und Aaron Hunt statt Klasnic zu Kloses Partner bestimmt.

Sie hatten eine Ahnung, wie man gegen die Spanier spielen müsse: ,,Man muss mutig sein'', erklärte Manager Thomas Allofs, ,,nur so kann man Barcelona beikommen.''Nicht anders hatte es Kapitän Frank Baumann gesehen: Etwas auszurichten wäre für sie nur, ,,wenn wir uns nicht verstecken''. Das taten sie auch nicht, sondern traten selbstbewusst und offensiv orientiert auf und dominierten die erste halbe Stunde eindeutig. Torsten hatte es am eindeutigsten auf dem Fuß, auch was Zählbares aus der Feldüberlegenheit zu machen, drosch mit jeder Menge Risikobereitschaft volley mit links auf den Ball, den Hunt hereingeflankt hatte, und verfehlte das Ziel gerade mal um einen Meter. Da waren neun Minuten gespielt, zuvor hatte es schon einen Versuch in umgekehrter Abfolge gegeben: Frings fand mit klugem Pass Hunt in der Spitze, der brachte das Spielgerät aber nicht unter Kontrolle. Immer wieder Hunt: Der spielte den erfrischendsten Part im Weserstadion. Barcelona war stark beschäftigt, ohne dass Irritation aufkam, aber zu nennenswerten Angriffen kamen die Katalanen auch nicht. Bis zur 15. Minute: Da tauchte Ronaldinho unversehens vor dem gegnerischen Tor auf, Werder-Torwart Tim Wiese hatte aber Acht gegeben und dem Brasilianer den Ball weggefangen.

In der ersten Minute nach der Pause ergab sich die erste Ecke für Barcelona. Ronaldinho trat sie von links, Puyol flog spektakulär am Ball vorbei, und die Bremer waren immerhin gewarnt: Gefährlich ist dieser Gegner allemal. Werder aber auch, immer noch: Klose mit einem Kopfball am rechten Pfosten, Diego mit einem Weitschuss. Den ersehnten Torerfolg bescherte ihnen allerdings ein Gegenspieler: Carlos Puyol trat in der 56. Minute den von Aaron Hunt geflankten Ball ins eigene Tor. Seine Bedrängnis war allerdings erheblich: Borowski und Klose wären zur Vollstreckung bereit gestanden - egal: Werder führte 1:0, wie auch immer. Es kam noch bitterer für Brasilien, weil sich Samuel Eto'o ohne gegnerische Mitwirkung am Knie verletzte und aus dem Spiel musste.

Für den Kameruner kam Jungstar Lionel Messi, und für Giuly schickte Barca-Trainer Frank Rijkaard Gudjohnsen aufs Feld. Von Messi ging in der 75. Minute die bis dahin größte Bedrohung für Werder aus, aber Wiese war auf dem Posten. In der 89. Minute war er machtlos: Messi glich nach Doppelpass mit Deco aus zum 1:1. Schade um zwei Punkte - aber ein gleichwertiger Gegner für Barcelona war Werder mindestens.

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(SZ vom 28.9.2006)