Boxer Eduard Gutknecht Energy Eddy fiel plötzlich um

Eduard Gutknecht vor seinem letzten Kampf

(Foto: dpa)

Profiboxer Eduard Gutknecht liegt seit vier Wochen im künstlichen Koma. Die Betroffenheit ist groß - sogar sein Gegner sammelt Spenden für ihn.

Von Saskia Aleythe

Als die Ringglocke schrillte, schleuderte Eduard Gutknecht den rechten Arm nach oben und tippte sich danach auf die Brust. Gutknecht lächelte, er wusste, dass er verloren hatte, seine Geste war mehr das Lebenszeichen eines Boxers, der den Kampf überstanden hatte. Sein linkes Auge war zugeschwollen, seit einem Treffer in der neunten Runde. Gutknecht stapfte noch zur Urteilsverkündung, eindeutiges Punkturteil für George Groves. Dann ging der Deutsche in seine Kabine und brach zusammen.

Fast vier Wochen sind seit diesem Kampf in London vergangen, Eduard Gutknecht ist seitdem nicht mehr aufgewacht. Er wurde schleunigst ins Krankenhaus gebracht, notoperiert wegen einer Gehirnblutung und im Zuge dessen ins künstliche Koma versetzt. Vergangene Woche konnte er nach Hannover verlegt werden, in die Nähe seiner Angehörigen. "Was der Bursche jetzt braucht, ist Ruhe", sagt sein Manager Winfried Spiering.

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Es ist das wohl tragischste Ergebnis, das ein Boxkampf haben kann, die Betroffenheit unter den Beteiligten ist enorm. Kontrahent Gloves hat einen Spendenaufruf gestartet und wie so oft beim Boxen sind auch diejenigen zur Stelle, die fragen: Hätte so ein Ausgang nicht verhindert werden können?

Eduard Gutknecht ist 34 Jahre alt, er ist ein erfahrener Boxer. 157 Kämpfe als Amateur, er nahm an Amateur-Weltmeisterschaften teil, hatte 36 Kämpfe als Profi absolviert, mehr als Henry Maske. Einst regten sich im Sauerland-Stall Hoffnungen auf eine große Karriere, doch der Durchbruch ist ihm nie gelungen. Zuletzt unterlag Gutknecht gegen Jürgen Brähmer, der konnte ihn trotz Handverletzung nach Punkten bezwingen. Der Kampf in London nun sollte so etwas wie eine letzte Prüfung sein: Reicht es doch noch für einen Titel? Es ging um den WBA-Interimstitel im Supermittelgewicht, danach hätte ein lukrativer Kampf folgen können.

"Es gibt keine Prognose von den Ärzten, wie es nun weitergeht, sie schauen von Tag zu Tag", sagt Thomas Pütz, Präsident des Bundes Deutscher Berufsboxer (BDB). Vorerkrankungen hatte Gutknecht nicht, er bestand alle ärztlichen Tests, die vor einem Kampf üblich sind. Regelmäßig hat sich Pütz nach Gutknechts Zustand erkundet, "er liegt nicht auf der Intensivstation, ist aber nicht ansprechbar".

In der neunten Runde hatte Groves Gutknecht mit einer Kombination im Gesicht erwischt, das rechte Auge wurde sofort dick, Blut rann über die Haut. In der Pause behandelte das Betreuerteam den Boxer, danach kämpfte er weiter. Mitgenommen, es dauerte Minuten, bis er selber wieder in den Angriff ging. Aber apathisch wirkte Gutknecht nicht, teilte später selber wieder Schläge aus, redete in der Ringecke. "Es ist immer eine Situationsentscheidung, ob man da abbricht oder nicht", sagt Pütz, "ich bin mir sicher, der Trainer hatte das Wohl des Boxers im Hinterkopf und der Ringrichter war auch sehr erfahren". Christoph Goetz, Neurochirurg und selber Ringarzt, sagte dem NDR: "Es hätte gute Gründe gegeben, den Kampf abzubrechen. Aber es war nicht zu erkennen, dass sich da eine schwere Hirnverletzung anbahnt. Da kann man niemandem einen Vorwurf machen."