Arthur Abraham verliert erstmals ein Box-Duell: Er trifft Andre Dirrell, als dieser auf die Knie sackt, und wird disqualifiziert. Schuld ist die Jagd nach dem Knockout.
Starr haftete der Blick von Arthur Abraham auf dem Geschehen vor ihm. Der Ring war überfüllt mit Trainern, Promotern und anderen, von denen nicht jeder wusste, wer genau sie sind. Alle wuselten durcheinander, manche wollten aufeinander los. Nur Abraham blieb ruhig, neben ihm stand ja auch eine Tonne von einem Bodyguard.
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Er konnte es nicht fassen: Arthur Abraham nach seiner Disqualifikation beim Super-Six-Turnier. (© Foto: dpa)
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Steif schaute Abraham auf diese Aufregung und doch ins Nichts. Er hatte angekündigt, einer der ganz Großen des Boxens werden zu wollen, diesem Traum stierte er nun hinterher. Sein Gegner, der Amerikaner Andre Dirrell, gewann, weil Abraham disqualifiziert wurde: Er hatte einen verbotenen Schlag gesetzt. "Mit so einem Ende hätte ich nicht gerechnet", sagte Abraham.
Die Ursache all der Hektik lag in der elften Runde. Dirrell führte klar nach Punkten, Abraham benötigte in seinem zweiten Kampf im Turnier der sechs weltbesten Supermittelgewichtler unbedingt einen Knockout, um die erste Niederlage seiner Karriere zu vermeiden.
Aber Dirrell nutzte seine Reichweite und seine Schnelligkeit, um Abraham kein Ziel zu bieten. Nach der Hälfte der elften Runde hatte Abraham seinen flinken Gegner endlich in der Ecke gefangen, er traf ihn, Dirrell wollte ausweichen und rutschte weg. Mit dem linken Knie berührte er den Boden, die Arme hingen herunter. Dirrell war wehrlos, Abraham hätte nicht weiterschlagen dürfen, der Ringrichter unterbrechen müssen. Doch der Ringrichter kam noch nicht und Abraham hörte nicht auf. Es sind ja genau diese Momente der Schutzlosigkeit des Gegners, in denen ein Puncher den gewinnbringenden Schlag setzen kann. Abraham wurde getrieben von diesem Instinkt und von der Verzweiflung, durch so einen Schlag gewinnen zu müssen.
Mit der rechten Faust hieb er Dirrell gegen die Schläfe. Der fiel endgültig, nicht ohne Theatralik, aber auch nicht ohne Berechtigung. Nach 1:13 Minuten der elften Runde wurde der Kampf abgebrochen. "Ich habe nicht auf seine Füße geschaut, sondern in seine Augen", sagte Abraham, "als Profiboxer schaust du nach jeder Gelegenheit, um deinen Gegner auszuknocken. Du wartest nicht, bis er sich erholt." Ein Vergehen sah er nicht.
Abrahams Promoter Wilfried Sauerland kündigte einen Einspruch an, er fühlte sich und seinen Boxer unfair behandelt. Ihn störten zusätzlich die ungeahndeten Tiefschläge von Dirrell, dass dieser in der zehnten Runde nicht angezählt wurde und dass er keine Dopingprobe abgab.
Es war das dramatische Ende eines spannenden Kampfes. Dirrell hatte Abraham mit seiner Technik ausgeboxt, traf ihn ständig, in der vierten Runde schickte er ihn mit einer linken Geraden zu Boden. Ab der siebten Runde hatte der Armenier mit deutschem Pass einen Cut über dem rechten Auge. Eine Warnung, aktiver werden zu müssen.
Danach suchte Abraham die Entscheidung, aber seine Versuche waren meist zu wild. Es war die Dramatik dieses Kampfes, dass er weiter gute Chancen hatte. Abrahams Kracherschläge sind berüchtigt, er hat schon oft diese Qualität gezeigt, auch in den letzten Sekunden eines Kampfes. In der zehnten Runde schickte er Dirrell das erste und einzige Mal zu Boden, doch der Ringrichter sah einen Ausrutscher und verzichtete aufs Anzählen. Es folgte nur noch der falsche Kracherschlag. "Das war ein packender Kampf", sagte Sauerland, "ich bin mir sicher, dass Arthur noch durch K.o. gewonnen hätte."
Vor dem Kampf hatte Abraham angekündigt, in Amerika eine Legende werden zu wollen. Ganz sachlich, so wie das seine Art ist. Mit einem späten Knockout wäre ihm dies gelungen: zurückliegend, blutend, dennoch siegreich. Der Kampf fand ja in der Joe Louis Arena statt. Und Joe Louis, das ist so einer, mit dem Abraham gerne in einem Atemzug genannt werden würde. Louis verlor in einem legendären Kampf gegen Max Schmeling. Aber er kam zurück, wurde Weltmeister im Schwergewicht und besiegte Schmeling in einem Rückkampf.
Dem Super-Six-Turnier verdankt es Abraham, dass er seine Fähigkeiten bald wieder beweisen muss. Als nächstes wartet der Brite Carl Froch, ebenfalls ein Puncher. In der Tabelle führt Abraham weiter aufgrund seines K.o.-Sieges im ersten Kampf gegen Jermain Taylor, den er so durchschüttelte, dass dieser aus dem Turnier ausstieg. Die besten Vier nach den drei Vorrundenduellen qualifizieren sich für das Halbfinale, Ende 2011 soll das Finale im MGM Grand in Las Vegas stattfinden und womöglich im Free-TV übertragen werden. Vor dem Kampf gegen Dirrell galt Abraham als Favorit auf den Gesamtsieg. "Für mich sind alle Favoriten", sagte er dazu, "jeder ist stärker als der andere." Nun hat er das selbst erfahren müssen.
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(SZ vom 29.03.2010)
Drogeriekette wird abgewickelt
deine deppenmeinung und dein achtelwissen interessiert hier niemanden.
geh wieder berichte zum sozialstaat kommentieren.
Bilderbuchkampf von Direll, der zudem taktisch optimal auf AA abgestimmt war. Vom Schläger kamen nur Luftlöcher, da Direll schon weg war bzw. gleich zielgenau konterte.
AA ist kein boxender Knockouter. Meist "überfällt" er vorher seine Gegner, um sie durch schubsen und/oder "Fußfehlern" zu stellen.
Bei Direll hätte der Sauerlandclan sehen können, wie abwechslungsreich die Verteidigung eines Boxers aussehen kann.
AA versteckt sich ausschließlich hinter einer (zugegebenermaßen stabilen) Doppeldeckung. Deren unteres Ende reicht aber nur bis Unterarmlänge von der Schädeldecke. Da drunter ist eine Menge Platz, wo noch Treffer angebracht werden können.
Auch wenn AA die Hose IMMER extrem hoch trägt und er bei jedem Kampf öfter seinen Tiefschutz korrigiert, als schlägt.
Bei allen seinen bisherigen Kämpfen kommt immer sofort sein klagendes Gesicht Richtung Kampfrichter, wenn er unterhalb seiner Doppeldeckung (aber immer noch im erlaubten Bereich) getroffen wird.
AA ist nicht ko. gegangen, da er offensichtlich sehr gute nehmerfähigkeiten hat. Er war Direll an diesem Tag jedoch hoffnungslos unterlegen.