Borussia Dortmund Zu stark für 25 Punkte Rückstand

Teurerer Kader, vielversprechende Neue: Vizemeister Borussia Dortmund ist überzeugt, trotz des Verlustes von Mario Götze den Abstand zum FC Bayern verringert zu haben. Auch die Rückbesinnung auf alte Werte soll dabei helfen.

Von Freddie Röckenhaus, Dortmund

Den Tag des offenen Trainings gibt es bei Borussia Dortmund nur noch selten, oft nur noch einmal in der Woche. Am Dienstag war es mal wieder so weit, und das Trainingsgelände im Stadtteil Brackel stürmten fast 4000 Fans, 75 Minuten nach Trainingsende schrieben Trainer Jürgen Klopp und Profis wie Mats Hummels immer noch Autogramme. Irgendwie scheint eine neue Aufbruchsstimmung aufgekommen zu sein, beim ohnehin meist hochtourig laufenden Anhang genauso wie in der Mannschaft. Dabei ist doch eigentlich nicht viel passiert.

"Ich denke", sagt BVB-Boss Hans-Joachim Watzke, "dass die allermeisten unserer Spieler das Gefühl haben, dass wir in der neuen Saison eher stärker aufgestellt sind als in der letzten." Da mag ein wenig Trotz dabei sein, der sich aus dem Weggang von Mario Götze aufgebaut hat, bei den BVB-Fans genauso wie bei Watzke. Aber die ersten Eindrücke der Saison-Vorbereitung weisen durchaus in eine ähnliche Richtung.

Dem neuen Spielgestalter Henrikh Mkhitaryan, bei dem noch unklar ist, ob er im ersten Spiel beim FC Augsburg schon wieder einsatzfähig ist, wird jedenfalls zugetraut, dass er den zum FC Bayern abgewanderten Mario Götze ersetzt. Nach allem, was man bisher gesehen hat, gilt Mkhitaryan (gesprochen: Mikitarian) als systemtauglicher und reifer Spieler. Der Armenier wird von Teamkollegen wie Nuri Sahin als Regisseur eingestuft: "Mich erinnert er an Shinji Kagawa", sagt Sahin.

Auch Sahin hat sich in der Saisonvorbereitung als eine Art zusätzlicher Zugang in die Mannschaft zurückgespielt. Im letzten Winter war er völlig frustriert und mit eineinhalb Jahren ohne nennenswerte Spielpraxis aus Madrid und Liverpool in "meine Heimat" zurückgekommen. Inzwischen zieht Sahin wieder so die Strippen im BVB-Spiel wie vor zwei Jahren, als er zum besten Spieler der Bundesliga-Saison gewählt wurde. Wie Jürgen Klopp seine drei Kreativ-Spieler Mkhitaryan, Sahin und den zuletzt im Supercup gegen den FC Bayern als Zehner groß aufspielenden Ilkay Gündogan in einer Elf unterbringt, gehört zu den Fragen, die man ebenso gut als Denksport-Aufgabe in der vergangenen Woche beim Weltklasse-Schach-Turnier in Dortmund hätte stellen können.

Zu den Gewinnern der Vorbereitung gehören noch andere. Kevin Großkreutz etwa hat sich als Vertreter des an der Hüfte operierten und lange ausfallenden Lukasz Piszczek als rechter Verteidiger fest etabliert und im Pokalspiel beim SV Wilhelmshaven (3:0) auch als Torschütze überzeugt. Klopp attestierte Großkreutz kürzlich, ein "taktisches Genie" zu sein, das sich auf sieben bis acht Positionen ohne größere Anpassungsprobleme einsetzen ließe. Als am Saisonende gegen Hoffenheim Torwart Roman Weidenfeller nach einem Foul vom Platz flog, ging Großkreutz sogar ins Tor.