Borussia Dortmund Warum Favre zum BVB passen würde

  • Beim BVB könnte es bald einen neuen Trainer geben: Lucien Favre soll der Favorit auf die Nachfolge für Thomas Tuchel sein.
  • In Frankreich ist der Coach gereift, er hat OGC Nizza auf Platz drei geführt und kommt mitterweile auch mit schwierigen Charakteren gut klar.
Von Oliver Meiler

Solange nur Gerüchte schwirren, darf die Illusion noch ein bisschen leben - obwohl sie natürlich verwegen ist. Nice Matin, die Tageszeitung aus Nizza, meldet schon seit einiger Zeit mit wachsender Sorge alle Spekulationen, die um die berufliche Zukunft von Lucien Favre kreisen, dem beliebten Trainer von "Le Gym". So nennen sie den Stadtverein, der mit vollem Namen Olympique Gymnaste Club de Nice Côte d' Azur heißt.

Die plausibelste These in dieser für Nizza so ärgerlichen Angelegenheit dringt nun immer deutlicher aus Deutschland vor: Favre, 59, Erfolgstrainer von OGC Nizza, soll sich mit Borussia Dortmund bereits weitgehend einig sein. Der Schweizer gilt als Favorit für die Nachfolge von Thomas Tuchel - sofern sich der BVB tatsächlich wegen atmosphärischer Differenzen am Saisonende vom amtierenden Trainer trennt. Es fehlten nur noch die Konditionen für die Freistellung in Nizza, heißt es, doch daran werde gearbeitet.

BVB mit Favre weitgehend einig

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So ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass die kurze und innige Liebschaft zwischen "Lulu" und "Le Gym", dem Publikum und der französischen Presse jäh enden wird, nach nur einem Jahr schon. Dabei war dies mehr als ein Fußballmärchen. Als Favre im vergangenen Sommer nach Nizza wechselte, lag über der schönen, sonnentrunkenen Stadt an der "Bucht der Engel" ein schwarzer Schleier: Am 14. Juli 2016, dem französischen Nationalfeiertag, hatte sie der Terror getroffen, unten an der "Promenade des Anglais", der berühmten Uferstraße. An Fußball mochte niemand denken. Doch vielleicht wohnte gerade deshalb im Nebensächlichen, im Leichten ein Stück willkommene Ablenkung.

Nizza ist keine große Adresse im Fußball, der bisher letzte französische Meistertitel liegt fast 60 Jahre zurück - 1959. Im vorigen Sommer aber passierten bei OGC so viele Dinge wie davor seit Dekaden nicht mehr. Chinesische Investoren, die ihr Geld mit Hotels und Medien verdienen, hatten die Mehrheit am Verein gekauft. Weil solche Investoren selten geduldig sind, holten sie einen Trainer, der eigentlich eine Nummer zu groß war für den Ort. Favre sollte schnell viel Spektakel bieten, wenn möglich genug, damit es in die ganze Welt strahle. Oder wenigstens nach China.

Niemand hatte erwartet, dass Favres Elf Favoriten ärgert

Man bot Favre ein Salär von 200 000 Euro im Monat - eine beträchtliche Summe, gemessen am doch recht bescheidenen Gesamt-Jahresetat von 42 Millionen Euro. Und damit auch wirklich alle von Nizza reden würden, holten die neuen Besitzer zudem einen Mann in die Stadt, den man bereits in der Unruhmeshalle fahrlässig verschwendeter Talente gewähnt hatte: Mario Balotelli, italienischer Nationalstürmer mit erlahmtem Drang und unverwüstlicher Selbstverliebtheit.

In Liverpool, wo Balotelli enttäuscht hatte, war man froh, ihn loszuwerden. Ex- Super-Mario kündigte sich dann auch gebührend an: "Ciao Nizza, Garibaldi schickt mich", schrieb er auf Instagram - der große italienische "Condottiero", Giuseppe Garibaldi (1807 - 1882), war in Nizza geboren worden. So viel zu den Kategorien. Balotelli schien eine verrückte Wette zu sein, ein Marketinggag. Die grelle Personalie passte auch nur leidlich zum neuen Coach, der sich in seiner Karriere einen Namen gemacht hat als Förderer junger, unbekannter Spieler, die er in ein Kollektiv ohne allzu herausragende Individualisten baute. Balotelli war daher nicht Favres Wahl gewesen, man hatte ihn ihm aufgezwungen. Umso erstaunlicher war, wie gut das ungleiche Duett funktionierte.

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Eine halbe Saison lang führte Nizza sogar die Tabelle der Ligue 1 an. Eine Sensation war das, eine kleine Wundheilung. Niemand hatte erwartet, dass es neben den beiden Großvereinen, dem katarisch finanzierten Paris Saint-Germain und der russisch unterfütterten AS Monaco, Platz für einen dritten Rivalen geben könnte; schon gar nicht für "Le Gym". Doch schon bald spielte Nizza so, wie Favres Mannschaften für gewöhnlich erst nach rund einem Jahr obsessiver, methodischer Einwirkung spielen: schnell und offensiv, mit Aufbau vom Torhüter an, viel Ballbesitz im Mittelfeld und zuweilen ein bisschen Überfall über die Flügel. Favre stellt sich das Spiel idealerweise wie ein Fluidum vor, ein rhythmisch wogendes Hin und Her.

Seine Stammelf in Nizza ist eine der jüngsten in Europa, 23,3 Jahre im Durchschnitt. Es stehen darin aber auch einige verdiente Herrschaften, die die Jungen Struktur lehren: Dante zum Beispiel, der frühere Verteidiger von Mönchengladbach und Bayern München, und der marokkanische Mittelfeldspieler Younès Belhanda.