Borussia Dortmund Nuri, der Neuzugang

Nuri Sahin feiert sein Tor zum 2:0.

(Foto: AP)
  • Der BVB scheint auch ohne Ousmane Dembélé ausreichend konkurrenzfähig zu sein. Gegen Hertha gewinnen die Dortmunder mit 2:0.
  • Vor allem Nuri Sahin überzeugt als Torschütze und Spielgestalter.
  • Hans-Joachim Watzke kündift an, trotzdem noch einen Spieler holen zu wollen. Favorit scheint Kasper Dolberg von Ajax Amsterdam zu sein.
Von Ulrich Hartmann, Dortmund

"Und jetzt?", hat Pierre-Emerick Aubameyang am Morgen nach dem Verkauf von Ousmane Dembélé gefragt. Zu dieser Gretchenfrage im Internet stellte Borussia Dortmunds Mittelstürmer ein Selfie, auf dem er eine wahrlich skeptische Miene auflegt.

Man konnte diese Provokation auf dreierlei Weise interpretieren. Erstens: Aubameyang fordert das Klubmanagement auf, doch bitte schlagkräftigen Ersatz einzukaufen. Zweitens: Er hegt nun aus lauter Kummer selbst wieder Abwanderungsgedanken (laut jüngstem Gerücht will ihn Manchester City). Drittens: Er forderte die Mannschaft damit auf, sich nicht hängen zu lassen, sondern sich umso mehr ins Zeug zu legen, um die individuelle Klasse Dembélés auszugleichen.

Am Samstag deutete der engagierte BVB im Heimspiel gegen mäßige Berliner auf die dritte Lesart hin. Die Dortmunder gewannen gegen Hertha BSC recht souverän mit 2:0 (1:0) durch Tore von Aubameyang und Nuri Sahin. Aubameyangs erkennbare Leidenschaft ließ den Interpretationsansatz Nummer zwei seines Internet-Kommentars ein wenig an Wahrscheinlichkeit verlieren. Klubchef Hans-Joachim Watzke erklärte zudem: Über die Spekulation, dass nach Dembélé auch noch Aubameyang den Verein verlasse, brauche man gar nicht zu sprechen.

"Ich möchte gebraucht werden", sagt Sahin

Mit sechs Punkten und 5:0 Toren setzte sich der BVB zunächst wieder an die Spitze der Bundesligatabelle. "Das bringt uns nach zwei Spielen aber noch relativ wenig", witzelte Mario Götze, der zum zweiten Mal in der Startelf stand und zum zweiten Mal nach einer guten Stunde ausgewechselt wurde, weil seine Kraft nach monatelanger Krankheit noch nicht wieder für die volle Länge reicht. Wieder auf dem Höhepunkt seiner Leistungsfähigkeit wähnt sich hingegen Nuri Sahin, der nach schwierigen Zeiten unter dem vormaligen Trainer Thomas Tuchel bei Peter Bosz gesetzt ist. "Ich möchte gebraucht werden", sagt Sahin und freut sich, dieses Gefühl in Dortmund jetzt wieder zu spüren.

"Hoch anlaufen und hoch pressen", so lautete vorab die Devise des Dortmunder Trainers gegen die Berliner. Und weil auch Hertha-Coach Pal Dardai im Vorfeld "den Umschalteffekt" des neuen Dortmunder Spiels so gelobt hatte, schien sich wohl alles so fügen zu sollen. Bloß: Es gab gar nicht so viel anzulaufen und zu pressen für die Dortmunder in der ersten Halbzeit, weil die Berliner den Ball allenfalls zum Zwecke des Konters zu besitzen bereit waren und folglich selbst stets hoch anliefen und hoch pressten. Den Dortmundern blieb ohne die unpässlichen Raphael Guerreiro, Marcel Schmelzer, Marco Reus, Julian Weigl und André Schürrle deshalb bloß das Unterfangen, die Berliner hübsch auszuspielen. Das gelang in die aussichtsreiche Zone hinein jedoch bloß in der 15. Minute, als Aubameyang eine Nuri-Sahin-Flanke aus dem Halbfeld zum 1:0 ins Tor verlängerte, und in der 28. Minute, als Christian Pulisic ausgangs einer ansehnliche Ballstaffette über Dan-Axel Zagadou und Gonzalo Castro den Ball dem Hertha-Torwart Rune Jarstein bloß vor den Latz knallte. Das Spektakulärste an der ersten Halbzeit war Aubameyangs Salto nach dem Führungstreffer.

Gesucht wird ein neuer Mann für die rechte Seite

Der als Dembélé-Ersatz hochqualifizierte US-Boy Pulisic, 18, ließ seine enorme Qualität diesmal nur selektiv aufleuchten. Unabhängig davon hatte Watzke schon vor dem Spiel klar gemacht, dass man fest vorhabe, für die rechte Außenposition noch einen Spieler zu holen. Außer Maxwel Cornet (Olympique Lyon) und Malcolm (Girondins Bordeaux) werden auch Inaki Williams (Athletic Bilbao) und offenbar Kasper Dolberg von Boszs vorherigem Klub Ajax Amsterdam als Kandidaten gehandelt.

Den Sieg gegen Berlin machte in der 57. Minute jener Spieler klar, der momentan wie ein Zugang wirkt, weil er unter dem Trainer Tuchel überhaupt keine Rolle gespielt hatte. Sahin drosch einen Abpraller aus 18 Metern ins Hertha-Netz, dass es sich nur so ausbeulte. Er war wie schon beim 3:0-Sieg in Wolfsburg als zentral-defensiver Mittelfeldmann bedeutendster BVB-Spieler. "Wir hätten aber den Ball schneller laufen lassen müssen", monierte Bosz und zeigte sich trotz der Tabellenführung durchaus nicht überschwänglich.

Die braven Berliner fühlten sich erst durch die Aussichtslosigkeit nach dem 0:2 halbwegs inspiriert und spielten erst ein bisschen aktiven Fußball, als es bereits zu spät war. Ihnen fehlten in Valentino Lazaro, Julian Schieber und Davie Selke noch drei offensive Spieler, die ihnen später sicher gut tun werden. "Wir waren nach vorne nicht aggressiv genug", klagte Dardai. "Klar war Dortmund besser, aber wir hätten trotzdem ein besseres Ergebnis erzielen können." Hoffnung fürs nächste Spiel gab ihm die lakonische Erkenntnis: "Es war immerhin nicht grottenschlecht."

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