Während der VfL Bochum teils wahnwitzige Dinge mit dem Ball anstellt, spielt sich der FC Bayern federleicht zu einem 5:1-Erfolg und liegt nur noch zwei Punkte hinter Platz eins.
Seine Spieler, sagte Louis van Gaal, die "müssen das jetzt allein machen". Ja, das hat der niederländische Allesmacher wirklich gesagt vor dem Gastspiel seines FC Bayern beim Bundesliga-Nachzügler VfL Bochum. Und niemand wusste so recht, was mit diesem Satz gemeint war. Sollte er nach dem 4:1 bei Juventus Turin wirklich Vertrauen gefasst haben zu seinen durchaus erwachsenen Profis? Wer den Niederländer bislang in München beobachtet hat, mag das kaum glauben. Und die Einschränkung kam postwendend: "Das ist auch ein Test für meine Spieler."
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Jubel, Jubel, Jubel: Bayern gewinnt in Bochum und ist auf dem Weg nach oben. (© Foto: ddp)
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Die Bayern-Profis erhielten also nach der rauschhaften Nacht von Norditalien am Donnerstag frei, mussten sich das Spiel nicht noch einmal ansehen und sich ihre Fehler erklären lassen. Und dennoch blieb die Warnung unüberhörbar: Solltet ihr in Bochum nicht gewinnen, ziehe ich die Zügel wieder an! Doch das dürfte nicht nötig sein: Die Münchner gewannen am Samstag in Bochum vor 30.748 Zuschauer spielend und ohne nennenswerte Gegenwehr mit 5:1 durch Tore von Ivica Olic (43./50.), Mario Gomez (23.), Danijel Pranjic (56.) und einem Eigentor von Mergim Mavraj (33.) bei einem Gegentreffer von Christian Fuchs (76.). Van Gaal sagte danach im TV-Sender Sky: "Meine Spieler sind die Partie konzentriert angegangen. Nach einem 4:1 in Turin ist das nicht leicht, aber 5:1 in Bochum ist auch nicht so schlecht."
Motivationsfördernd wirkte wohl der gemeinsame Freitagabend vor dem Fernseher, als die Münchner den nächsten Punktverlust von Spitzenreiter Leverkusen sahen. Nun sind es nur noch zwei Punkte bis zu Tabellenplatz eins, nachdem dieser ruhmreiche Verein 50 Spieltage hintereinander nicht ganz oben in der Bundesliga stand. Mit der Leistung im ausverkauften Stadion in Bochum deutet sich an, dass es mit der Rückkehr auf Platz eins nicht mehr lange dauern könnte. "Es ist gut, dass wir nur noch zwei Punkte weg sind von der Tabellenführung", sagte van Gaal. Und es hörte sich wie eine Drohung an.
Binnen weniger Wochen hat sich der FC Bayern München von einer verzagten, völlig verunsicherten Gruppe in eine Ansammlung selbstbewusster Fußballer mit Zusammenhalt und gemeinsamem Ziel gewandelt. " Ja, die meisten sind gut gelaunt", hatte Sportdirektor Christian Nerlinger schon vor dem Anpfiff in Bochum berichtet. Für den Wandel sei ausschlaggebend, "dass sich eine Stammformation gefunden hat, wir mussten nicht mehr so viel wechseln." In Bochum schickte Trainer van Gaal zum fünften Mal in Folge die gleichen elf Spieler auf den Rasen. Ohne Anatolij Timoschtschuk, ohne Hamit Altintop, ohne Miroslav Klose (zog sich im Abschlusstraining noch eine Muskelverletzung zu) und auch ohne Luca Toni, der wohl nicht mehr für den FC Bayern unter Trainer van Gaal spielen wird.
Mit den Erfolgen erhöht sich Van Gaals Immunität gegen Kritik. Seit längerem schon kein Wort mehr aus dem Vorstand über seine Brachial-Psychologie, kein Wort mehr über langweiligen Verschiebe-Fußball ohne jedes Tempo. Dabei intensivierte die Mannschaft in Bochum den Van Gaalschen Kontrollfußball: Zur Halbzeit meldete die Statistik demoralisierende 73 Prozent Ballbesitz. Die Gäste bestimmten das Geschehen auf überwältigende Art und zeigten nun auch Drang zum Tor.
Was vor allem daran liegt, dass der FC Bayern nun ein Sturmduo hat, das mittels seiner Klasse die Dinge vor dem Tor regelt. Als es fast schon wieder nach einschläferndem Rasenschach aussah, kam Olic an den Ball, dessen Hereingabe lenkte Gomez ins Netz (23.). Das Eigentor durch Mavrajs Schienbein-Querschläger provozierte Gomez per scharfer Flanke (33.), das 3:0 und 4:0 durch Olic fielen nach wunderbarer Kombination über Lahm und Schweinsteiger (43.) und nach einer Flanke von Badstuber (50.). Olic "pusht unheimlich. Manchmal steht er neben er mir und ich denke, er stirbt gleich. Dann zieht er einen 40-Meter-Sprint an", erzählte Gomez in Sky.
Bei fast allen Gegentoren arbeiteten die Gastgeber aktiv am Geschehen mit. Fast mussten die eigenen Fans hoffen, dass Bayern 100 Prozent Ballbesitz erreichen würde, denn wenn ihre Profis mal ans Spielgerät durften, stellten sie teils wahnwitzige Dinge damit an. Am gegnerischen Strafraum fiel den Münchnern immer wieder unverhofft der Ball zu, vor dem 1:0 köpfte Paul Freier kurios auf Thomas Müller, vor dem 4:0 landete ein Pass auf dem Kopf von van Bommel. "Wenn wir unsere Dinge gut machen wie in den letzten drei Spielen, dann werden wir eine kleine Chance haben", hatte Trainer Heiko Herrlich prophezeit. Aber seine Spieler machten überhaupt nichts gut. Bochum spielte wie ein Absteiger.
Bei so wenig Gegenwehr stieg bald die Lust am Kunststück bei den Münchnern. Rechtsverteidiger Philipp Lahm setzte plötzlich zu einem Dribbling an wie zu seinen besten Zeiten als Linksverteidiger, umkurvte drei, vier Bochumer, sein abgefälschter Schuss kullerte zum völlig freistehenden Danijel Pranjic, der sein erstes Tor für den FC Bayern erzielte - 5:0 (56.). Da er mit Ivica Olic gewettet hatte, seinen Bart bis zum ersten Pflichtspieltor wachsen zu lassen, darf der Kroate jetzt endlich zum Rasierer greifen.
Bochum rannte hilflos und kraftlos hinter den rotbehemdeten Gegnern und dem Ball her. Der Gastgeber war in allen Kriterien des Fußballspiels unterlegen wie es ein Fliegengewicht gegen einen Klitschko im Boxring wäre. Allein Philipp Heerwagen stoppte noch ein paar Angriffe des Rekordmeisters. Dass der Torwart bester Bochumer war, wirkt indes logisch: Heerwagen war als 14-Jähriger zum FC Bayern gekommen und feierte dort die Deutsche A-Jugendmeisterschaft. Dass Christian Fuchs nach 76 Minuten wie in Stuttgart vor einer Woche einen Freistoß in den Winkel setzte, blieb ein kurzes Glück für Bochum.
Der FC Bayern hatte da längst das Tempo aus dem Spiel genommen. Robben, Breno und Timoschtschuk kamen, alle Münchner Profis schienen wie befreit von all den Lasten des ersten Saisondrittels. Immer wieder kombinierten, dribbelten, passten sie sich vor das Bochumer Tor - es hätte noch einige Tore mehr fallen können. "Wir sind auf dem richtigen Weg", bemerkte Gomez und hatte noch eine Nachricht an die Konkurrenz: "Wir haben in der Vorrunde viel zu viele Punkte liegenlassen. Aber mit diesen Klasse-Spielern wird sich irgendwann der Erfolg einstellen."
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(sueddeutsche.de/cai)
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"irgendwie ist es witzig, dass nach zwei beeindruckenden siegen schon wieder überall von den übermächtigen bayern gesprochen wird, während sie vor wenigen wochen noch als schlimmste losertruppe des deutschen fußballs gegolten haben."
wie wahr, auch ich habe mich dabei ertappt, daß ich von ziemlicher polemik gleich wieder in allergrößte demut verfalle, obwohl - wie breuckmann im dsf mit recht feststellte - doch nach zwei siegen nicht gleich von einer trendwende ausgegangen werden kann. Sicher hat die herausforderung juve erhebliche kräfte freigesetzt, die sogar auf den nächsten bundesligaspieltag übertragen werden konnte
die bayernkritiker - so wie ich auch - müssen sich wohl wirklich vorwerfen lassen, daß sie sich vorschnell von stimmungen leiten lassen und jede gelegenheit ergreifen, um kübelweise spott über den fcb zu gießen, während sie nach einem beeindruckenden sieg umgehend in schockstarre verfallen, weil sie insgeheim wissen, daß gegen dieses übermächtige potential im grunde genommen wenig auszurichten ist. aus eigener erfahrung gebe ich aber zu, daß diese dominanz nicht nur frust, sondern auch bewunderung erzeugt... letztlich sind das einzige hindernis für den ständigen erfolg wohl die fcb-akteure selbst
dennoch, obwohl selbst seit 35 jahren schalke-fan, bewundere ich clubs wie werder bremen, weil dort grundsolide arbeit geleistet wird, aus der - gemessen an den vergleichsweise ungünstigeren bedingungen - seit jahren bemerkenswerte und konstante erfolge resultieren
für ihren beitrag haben sie meine volle zustimmung.
"Wobei ich aber nicht der meinung bin, daß die konkurrenz schläft und sich unfreiwillig in selbstgenügsamkeit übt, sondern daß dort teilweise herausragende arbeit geleistet wird (werder, leverkusen), obwohl die bedingungen deutlich ungünstiger gestaltet sind"
das ist meine rede. es gibt clubs in deutschland, die aus denkbar schlechten voraussetzungen das optimum herausholen. an erster stelle würde ich hier werder sehen. dort wird seit vielen jahren konstant gute arbeit geleistet. auch leverkusen kann man hier nennen, wobei dort ein großer konzern dahintersteht.
hinterfragen sollten sich aber einmal die clubs, die trotz ihrer guten standortfaktoren und ihres großen potentials schon lange hinterherhinken, wie z.b. die hertha, schalke oder auch dortmund.
auchm ir ist eine spannende liga lieber als ein alleingang meiner roten. irgendwie ist es witzig, dass nach zwei beeindruckenden siegen schon wieder überall von den übermächtigen bayern gesprochen wird, während sie vor wenigen wochen noch als schlimmste losertruppe des deutschen fußballs gegolten haben. obwohl, eine gewisse trendwende nach dem turin-spiel glaube ich ist schon festzustellen. ;-)
das wäre nun auch wirklich absurd, wenn sich der fc bayern für seine dominanz auch noch entschuldigen müßte... versetzen sie sich als fcb-fans doch einfach in die perspektive eines weithin neutralen beobachters, dann verstehen sie vielleicht, daß mitunter dramatische spannung an der tabellenspitze mit manchmal 3-4 teams, die um die meisterschaft konkurrieren, einfach das salz in der suppe sind. Zugegeben, ich wäre ja auch sehr zufrieden, wenn mein club unangefochten seine kreise an der tabellenspitze drehen könnte und jede woche souverän drei punkte abholen würde, ohne an die leistungsgrenzen gehen zu müssen, aber langweilig wäre es auf dauer doch. Es kommt auch hinzu, daß der gewinn des titels nach einem spannenden und offenen saisonfinale nun wirklich euphorischer gefeiert werden kann, als wenn der titel bereits einige spieltage vor schluß feststünde
der fcb ist in deutschland eine klasse für sich, das bezweifelt ohnehin kein gesunder kopf, und daß sie mit ihrem spielermaterial nicht tatsächlich in jedem jahr den titel gewinnen, hat eben etwas damit zu tun, daß fußballspieler keine maschinen sind, die in jedem spiel hundertprozentige leistung geben können. der bundesligaalltag ist für das starensemble der bayern eben nicht immer so prickelnd, daß sie einmal eine ganze saison konstant stark spielen bzw. spielerisch überzeugen können. Das geht anderen europäischen spitzenteams ja auch so. Wobei ich aber nicht der meinung bin, daß die konkurrenz schläft und sich unfreiwillig in selbstgenügsamkeit übt, sondern daß dort teilweise herausragende arbeit geleistet wird (werder, leverkusen), obwohl die bedingungen deutlich ungünstiger gestaltet sind
@breslsepp:
Stimmt die latente Kritik an van Gaal hatte ich schon beinah vergessen. Das ist immer wieder lustig mit anzusehen. Nur um im Krisenfall dann wieder sagen zu können: "Ich hab's ja gleich gewusst." ;)
@kurikolla:
"Schon interessant, wer sich jetzt alles als Bayernfan hier im Forum zu Wort meldet, während das Forum "vor" dem Turinspiel praktisch verwaist war."
http://www.sueddeutsche.de/sport/962/493311/text/?page=7#readcomment
http://www.sueddeutsche.de/sport/517/493859/text/#readcomment
http://www.sueddeutsche.de/sport/700/493051/text/?page=5#readcomment
http://www.sueddeutsche.de/sport/861/491231/text/?page=3#readcomment
Ich kann Sie also beruhigen, wir müssen nur eben nicht jeden unbedeutenden Artikel hier kommentieren.... Aber ich kann Sie ja verstehen. Der Frust sitzt eben zu tief, als dass man nach den Erfolgen der Bayern nun einfach so zum Tagesgeschäft übergehen könnte und nicht wenigstens etwas schlechtes über den Verein sagen müsste... :)
... dass die Bayern wieder die alten Bayern sind, da lese ich sogar auch mit einem gewissen Vergnügen wieder die alten (auch mMn falschen) Wegkauf-Vorwürfe. :-) Schön auch, dass die Bayern jetzt sogar ohne Ribery und Robben dominante Siege einfahren, das war ja nicht so zu erwarten. Schön, dass hier (zwischen kleio u. anderen) sich eine sachliche Diskussion entwickelt.
Schade aber, dass Hr. Hummel in seinem Artikel van Gaal (mangels sonstiger Kritik?) wieder als gestrengen Zuchtmeister darstellt, noch dazu mit mMn falschen Informationen, denn irgendwo habe ich gelesen, dass die Nachbesprechung zum Turinspiel sehr wohl stattgefunden habe, etwas kürzer als üblich. Und ich verstehe nicht (ich bin da vielleicht etwas empfindlich), dass man das nur auf das "auf Fehler hinweisen" verkürzt, denn in meinen Augen ist es gerade im kreativen Bereich mit einer professionellen Einstellung selbstverständlich, dass die "Performance" der erledigten Aufgaben reflektiert wird, mit Kritik und Lob. (Hatte das nicht auch Lahm angesprochen, das so eine Reflektion sehr hilfreich sei?)
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