Wer ist schuld an der Tragödie? Die Staatsanwaltschaft hat ihre Ermittlungen noch nicht abgeschlossen, weil eine ärztliche Diagnose über die zu erwartenden Folgeschäden fehlt, aber einen Beschuldigten ausgemacht. Filina und andere russische Zeugen erklären, sie seien von einem Mitarbeiter des Weltverbandes in die Bahn gewunken worden. Dieser Mitarbeiter aber sagt, er habe niemanden in die Bahn gewunken, weil er das gar nicht hätte tun dürfen. In die Bahn winken dürfe nur der Startleiter, er sei nicht der Startleiter gewesen, sondern habe nur darauf geachtet, dass wie besprochen fünf Bobs ihren Lauf absolvieren.

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Im Kern geht es um die Frage, wer den Bob die rote Ampel überfahren ließ. Doch es dürften bald auch andere Punkte diskutiert werden: Denn Skworzowa hat eine Schadensersatzklage angekündigt, und diese Klage dürfte in die Millionen gehen. Es ist aber noch unklar, gegen wen sie sich richtet. Gegen den strafrechtlich Beschuldigten? Gegen den deutschen Bobverband BSD? Gegen den Weltverband? Die Beteiligten schieben die Schuldfrage einander zu, unter Umständen droht ein langes zivilrechtliches Verfahren.

Einen Vorgeschmack darauf erlebt Skworzowa schon jetzt. Es wurde zwar ein Spendenkonto eingerichtet, aber darüber hinaus hat sie keine Unterstützung wegen der bisher angefallenen Kosten bekommen. Stattdessen flogen ihre Anwältin Anja Winter und eine Mitarbeiterin des russischen Teams nach Moskau, um dort um 400.000 Euro zu bitten.

BSD-Rechtsreferent Norbert Hiedl bedauert das: "Unabhängig von allen Haftungsfragen muss man der Sportlerin helfen und auch finanziell in Vorleistung treten", sagt er. Doch aus rechtlichen und organisatorischen Gründen sei das bisher nicht zustande gekommen. Er hoffe, dass nun in Vancouver, wo alle Beteiligten zugegen seien, eine Lösung gefunden werde.

Diese Situation trägt dazu bei, dass Skworzowa sauer wird, wenn es um Bobsport-Offizielle geht. "Von den Verbänden war noch niemand hier", sagt sie. "Die Verbände spucken doch nur auf die Sportler. Sie denken nur an die Medaillen. Das ist das Allerschlimmste." Dafür ist die Aufmerksamkeit in der russischen Öffentlichkeit umso größer. Schon mehrere Fernsehsender waren da, am Samstag kam sogar Außenminister Sergej Lawrow vorbei. Das Sportministerium sicherte ihr zu, sich um einen Arbeitsplatz zu kümmern.

Doch so weit denkt Skworzowa noch nicht. Sie hat derzeit zwei Wünsche. Erstens: so schnell wie möglich die Reha-Maßnahmen durchlaufen und nach Moskau zurückkehren zu können. Und zweitens: in den nächsten Tagen etwas mehr fern zu sehen, wenn in Vancouver die Bob-Medaillen vergeben werden. Einen Fernseher gibt es in Zimmer vier der Intensivstation 6/6 nicht, aber einen kleinen Laptop mit TV-Karte hat Irina Skworzowa schon organisiert.

Das Spendenkonto für Irina Skworzowa: Sparkasse Berchtesgadener Land Kontonummer: 300 004 BLZ: 71050000 Kennwort: Irina

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  1. Bei Rot in die Bahn geschickt
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(sueddeutsche.de/hum)