Von Fabian Heckenberger

Dürfen Olympia-Sportler bloggen und twittern? Das IOC gibt strenge Richtlinien vor - und sorgt für viel Verwirrung.

"Yay!!", schreibt Lindsey Vonn, "I'm back, baby!" Die Skirennläuferin ist wieder da, zurück auf den Online-Plattformen Facebook und Twitter. Sie habe sich zwar an bestimmte Regeln zu halten, schreibt die 25-Jährige aus den USA, aber "so leicht werdet ihr mich nicht los".

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Die Themen "bloggen" und "twittern" sorgen in Vancouver für Aufregung. (© Montage: sueddeutsche.de)

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Ihr Start bei den alpinen Wettbewerben wegen einer Schienbeinprellung ist indes noch fraglich. "Die Verletzung hat diese Woche mit Reha-Terminen zu einer ziemlich stressigen gemacht", schreibt sie bei Facebook. "Ich werde nun versuchen, zum ersten Mal seit meinem Sturz wieder Ski zu fahren. Ich hoffe, dass es möglich ist."

Vonn verbreitet also weiterhin Neuigkeiten zu ihrem Krankenstand, auch während der Olympischen Spiele will sie über die Plattformen Facebook und Twitter berichten. Dabei hätte sie beinahe selbst dafür gesorgt, dass die Internet-Gemeinde sie los ist - zumindest für die Zeit der Wettkämpfe in Vancouver.

Kurz vor ihrer Jubelmeldung überbrachte Vonn ihren Fans auf Facebook und Twitter die Nachricht, sie dürfe wegen einer blackout period, einer Art Kommunikationssperre für Athleten während der Olympischen Spiele, bis zum 3. März keine Neuigkeiten mehr liefern, woraufhin im Netz und in den nordamerikanischen Medien eine Diskussion über Maulkörbe und Meinungsfreiheit aufflammte. Allein: Vonn war angeblich falsch informiert und wurde von den Olympia-Organisatoren umgehend über ihre Fehleinschätzung in Kenntnis gesetzt, netterweise per Twitter. Zwei Tage später gab Mark Adams, Kommunikationsdirektor des IOC, eine Stellungnahme ab: "Das IOC ermuntert jeden, seine Erfahrungen anderen mitzuteilen - egal, ob über ein Netzwerk oder Fotos. Das gilt auch für die Athleten."

Die Verwirrung ist dennoch groß. Die deutsche Skifahrerin Maria Riesch, eng befreundet mit Vonn, ging vor ihrer Abreise nach Vancouver davon aus, dass Sportlern bloggen verboten sei. Der amerikanische Eisschnellläufer Nick Pearson twitterte, dass er keine Bilder aus Vancouver versenden dürfe, während Bob Condron, Sprecher des Olympischen Komitees der USA (USOC), dem Sender CNN sagte: "Dies werden die Twitter-Spiele. Niemand kann sagen, wo überall getwittert wird: von der Ersatzbank beim Eishockey oder sogar vom Siegerpodest."

Die unterschiedlichen Äußerungen zeigen, vor welch schwieriger Aufgabe der Umgang mit Social-Media-Netzwerken die Olympia-Organisatoren stellt; der Gebrauch von Facebook oder Twitter tangiert leicht die Rechte von Fernsehanstalten und Sponsoren. Eine rein private Angelegenheit sind Meldungen auf Facebook und Twitter schon lange nicht mehr. Vonn etwa hat bei Twitter 36.526 Follower - also Menschen, die ihre Einträge verfolgen, ihre Facebook-Seite zählt knapp 30.000 Fans - und die lesen eben nicht nur das Vonn es toll findet, "wieder im eigenen Bett zu schlafen", sondern womöglich heiklere Einträge, die sich zudem schneller verbreiten, als über herkömmliche Medien.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) verlangt von jedem Teilnehmer eine Unterschrift der "Eligibility-Erklärung", einer schriftlichen Anerkennung der IOC-Richtlinien. Darin ist es den Athleten ausdrücklich untersagt, journalistisch tätig zu werden. Ein generelles Verbot von Blogs, Nachrichtenverbreitung auf Facebook oder per Twitter ist darin aber nicht enthalten.

Der Umgang mit Blogs während der Olympischen Spiele ist in einem eigenen Guidebook geregelt, das die nationalen Verbände vom IOC erhalten haben. "Eintragungen in Blogs werden vom IOC als persönliche Entfaltung und nicht als journalistische Tätigkeit gewertet", heißt es im 20-seitigen Leitfaden des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), der auf zwei Seiten das Thema "Blogging" behandelt.

Eine riesige Grauzone

Die Unterscheidung zwischen privaten Nachrichten und Journalismus wird folgendermaßen versucht: Es dürfen nur "eigene olympische Erfahrungen" wiedergegeben werden, die "keine Erlebnisse oder Interviews anderer Athleten enthalten". Der USOC-Sprecher Bob Condron interpretiert das so: "Blogs in Ich-Form sind in Ordnung, alles andere ist untersagt."

Eindeutig verboten ist es laut der Richtlinien, Video- und Tonaufnahmen ins Internet zu stellen, schwieriger wird es dagegen bei Fotos: "Generell dürfen in Blogs keine Fotos der Olympischen Spiele enthalten sein", heißt es. Als Ausnahme gelten Fotos der bloggenden Person selbst. Verboten sind Bilder von Wettkampfszenen, Szenen der Eröffnungs- oder Schlussfeier oder der Medaillenübergabe. Als Name für einen möglichen Olympiablog eines Athleten ist www.max.muster.olympia.de unzulässig, "www.max.muster.blog.de/olympia" aber erlaubt - die Homepages von Sportlern wie eben "http://www.facebook.com/LindseyVonnUSA" ohnehin.

So akribisch der Katalog klingt, er hinterlässt eine riesige Grauzone, denn all diese Richtlinien gelten bisher zwar für Blogs, aber nicht "für den Umgang mit Social Networks (Facebook, Twitter, et cetera)", wie der DOSB anmerkt. Im Leitfaden steht dazu nur der Vermerk: "Sollte das IOC hierfür erweiterte Regeln aufstellen, leiten wir diese umgehend an die Verbände weiter." Ein DOSB-Sprecher berichtet aus Vancouver, dass Fragen im Einzelfall mit den IOC-Mitarbeitern im Gespräch vor Ort geklärt werden müssen.

Sportler dürfen also twittern, doch was genau sie verbreiten dürfen und was verboten ist, bleibt unklar. Ein DOSB-Mitarbeiter berichtet aus Vancouver, es werde von Fall zu Fall mit dem IOC besprochen, was erlaubt sei und was nicht. IOC-Sprecher Mark Adams sagt: "Ich räume ein, dass die Regeln vielleicht etwas schwer zu verstehen sind." Es sei eben eine neue Ära, in die man sich vortaste, sich dieser neuen Dynamik anzupassen, falle jedem Apparat schwer.

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(sueddeutsche.de/hum/aum/jüsc)