Joseph Blatter hat bei seinem Kurzbesuch in Hamburg mit seinem Charme überzeugt, als Unterhalter brilliert.
Er vertrat als wichtigster Mann des Weltfußballs kompromisslos seine Meinung und kündigte seine erneute Kandidatur auf das Präsidentenamt des Fußball-Weltverbandes FIFA für 2007 an, "wenn die Gesundheit es zulässt".
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Der 70 Jahre alte Schweizer war am Mittwoch Gast der 6. Hamburger Soiree, auf der herausragende Sportpersönlichkeiten mit Bürgermeister Ole von Beust zusammentreffen. Er nutzte den Abend vor 200 geladenen Gästen aus Wirtschaft, Politik und Sport im feinen Gobelin-Saal eines Luxushotels an der Alster zu einem verbalen Parforce-Ritt durch die Probleme und Möglichkeiten des Weltfußballs.
Seit 31 Jahren schon arbeitet er für die FIFA, seit 1998 ist er deren Präsident. Aber Blatter hat noch viel vor, er sieht seine Mission noch nicht als erledigt an. "Ich engagiere mich als Präsident eines Verbandes, der auf verschiedenen Ebenen Führungsschwäche zeigt", sagte Blatter.
Der aufkeimende Rassismus in den Stadien macht ihm zu schaffen ("Es gibt ihn, das ist so schlimm"), Manipulationen im Zuge von Fußball-Wetten, die "unser Spiel in Gefahr bringen" und die immer weiter auseinanderklaffende Schere zwischen arm und reich. Dennoch freut er sich wie ein Fan auf das Weltturnier im Sommer in Deutschland: "Das wird ein grandioses Fußballfest. Schon 2002 war großartig, aber da waren die Spieler müde. Jetzt sind sie ausgeruht.
Sauer auf die "G14"
"Die negativen Schlagzeilen um mögliche Manipulationen im Zusammenhang mit Wetten in Deutschland stören ihn nicht: "Der Fan will davon nichts wissen und ich würde Manipulationsversuche bei der WM absolut ausschließen." Die FIFA hat deshalb alle teilnehmenden Spieler und Coaches verpflichtet, ein Papier zu unterschreiben, in denen ihnen und ihren Familien ein Wettverbot auf WM-Spiele auferlegt wird.
Richtig sauer ist Blatter auf die "G14", die Interessengruppe von 18 europäischen Großklubs, zu denen aus Deutschland Bayern München, Borussia Dortmund und Bayer Leverkusen gehören. Die "G14" verklagt die FIFA in Belgien zur Zeit auf eine Entschädigung von rund 860 Millionen Euro. Dies sei der Schaden, der den Vereinen durch Verletzungen von Nationalspielern bei Länderspielen in den letzten zehn Jahren entstanden sei. Nach FIFA-Regularien müssen Nationalspieler kostenfrei abgestellt werden.
"Wenn der FC Chelsea für Didier Drogba Geld haben will, geht die ganze Elfenbeinküste bankrott", sagte Blatter: "Die großen Vereine wollen immer mehr. Jetzt wollen sie für Abstellungen der Spieler, die sie aus Afrika und Südamerika geplündert haben, noch mehr Geld haben." Die Champions League hat für ihn deshalb auch einen großen Nachteil: "Die Reichen sind immer reicher geworden. Das Geld geht nicht zurück an alle, sondern bleibt zu 75 Prozent bei den 32 teilnehmenden Mannschaften."
Dabei nimmt die FIFA durch die WM in Deutschland allein durch TV- und Werberechte rund 1,5 Milliarden Euro ein. 70 Prozent der Einnahmen aber gingen an die Verbände zurück, das restliche Geld würde für die Durchführung von Turnieren und Entwicklungsprojekte vor allem in der Dritten Welt ausgegeben. So fliegt Blatter am Freitag in den Fernen Osten, um sich vor Ort über die Tsunami-Hilfsprojekte der FIFA zu informieren.
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(sid)