In der hitzigen Debatte um Trainingsmethodik und Niveau der Bundesliga wurden in dieser Woche vor allem Eitelkeiten gepflegt. Die fachliche Debatte blieb aus. Natürlich.
Womöglich werden die übrigen Debattenteilnehmer jetzt meinen, Oliver Bierhoff gäbe klein bei, weil sich der Manager der Nationalelf plötzlich moderat und versöhnlich anhört. Sie sollten sich da mal nicht täuschen. Verwundern indes würde diese Interpretation mitnichten, denn allzu offensichtlich ist ja in dieser Woche das Verständigungsproblem zweier Fußballgenerationen geworden. In diesem Konflikt spielt das Alter keine Rolle, Bundestrainer Joachim Löw etwa, dessen Idee vom Spiel Bierhoff im Grunde nur vortrug und damit polarisierte, gehört ebenso dem Jahrgang '60 an wie dessen Streitpartner Rudi Völler. Gut, Bierhoff ist 39, doch muss deshalb das Establishment der Bundesliga gleich entrüstet zurückkeilen, nach dem Motto: "Trau keinem unter 40"?
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Bierhoff hat natürlich ein großes Problem: Das Lied "Es gibt nur ein' Olli Bierhoff" - das gibt es nicht. Bierhoff ist halt in Italien nur Meister und Schützenkönig geworden, er entschied nur das EM-Finale 1996 mit seinen Toren. Eine Legende wie Völler ist er deshalb noch lange nicht; dafür polarisierte der Stürmer Bierhoff zu sehr, und dafür schloss er ein Studium und einen Shampoovertrag zu viel ab. Aus einem intellektuellen Stürmer wird selten eine Legende. Und wenn so jemand die Liga höflich, aber mit Nachdruck und womöglich mehrfach darauf hinweist, dass sie sich womöglich aus gutem Grund ständig im Europacup blamiert - bekommt er "zum Arzt gehen" und "Schlaumeier" zu hören.
Bierhoff hat sich in der Sache vorgewagt, wie dies zuvor schon Löw tat, als er das Zweikampfverhalten der Bundesligaprofis als plump und nicht zeitgemäß anprangerte. Beide kritisierten dabei aus Erfahrung, denn beide haben Jürgen Klinsmann erlebt. Dieser Klinsmann ist vielleicht kein großer Trainer gewesen, aber er besaß eine Idee und einen großen Instinkt. Und der sagte ihm: Türen auf, Mief raus! Löw und Bierhoff tragen jetzt sein Vermächtnis weiter, und sie würden gern auch mal die Liga durchlüften. Aber dort, wo sie sich noch im vorigen Jahr über Klinsmanns Gummitwist-Bänder amüsierten und wo ein Trainer etwas taugt, wenn er als Profi ein toller Hecht war - dort bekommen sie gleich einen Schnupfen und verbitten sich Ratschläge. Mit geradezu gockelhafter Erregung heißt es dann: "Haben wir immer so gemacht!"
Und so wurden diese Woche vor allem Eitelkeiten gepflegt. Die fachliche Debatte blieb natürlich aus. Dabei ist die Liga längst in Erklärungsnot geraten angesichts einer seltsamen Diskrepanz zwischen der Euphorie um eine modern wirkende Nationalelf und der Tristesse um international abgehängte Klubs. Darüber sollten die Herren einmal diskutieren. Ausdauernd. Und unter sich.
Torwartlegende Sepp Maier im Interview. SZ am Wochenende Jetzt lesen ...
(SZ vom 22.11.2007)
Linke-Vize-Chefin Wawzyniak
beim Fußball ist das halt wie im richtigen Leben. Es zählt eben nur das was hinten rauskommt und das war nach den letzten Spielen der Deutschen Nationalmannschaft eben weder berauschend noch erquickend. Und da sollte man nicht große Sprüche klopfen, ehemalige Kollegen niedermachen und Schönfärberei als Haupteigenschaft herausstellen.
Jogi Löw wird sich da hoffentlich heraushalten und ernsthaft darüber nachdenken warum aus dem einstmaligen Sommermärchen eine herbstliche Tristesse geworden ist. Und wenn das klappt, dann reicht es ja vielleicht wirklich mal wieder zu einem Titel im Jahr 2008 ! Ansonsten....? Kommt danach Hitzfeld !
Der Artikel spricht mir aus der Seele. In der Causa Bierhoff/Völler habe ich auf SZ-Online diese Woche bereits einen Kommentar mit ähnlichem Tenor gepostet, der mir von einigen Kommentatorkollegen ziemlich um die Ohren gehauen wurde, weil ich die Rumpeleien eines Rudi Völler und eines Uli Hoeness in einen unschmeichelhaften Gegensatz zum abgeklärten, sachlichen und dem eher intellektuell motivierten Verhalten eines Oliver Bierhoff gesetzt habe. Wenn ich dann noch hören muss, was Peter Müller, Ministerpräsident des Saarlandes zu diesem Thema bei Waldis hochintellektuellem EM-Qualifikationsstammtisch zum Besten gibt, weht der populistische Stammtischdunst gleich noch miefiger aus dem Fernseher. Natürlich dürfen Fussballspieler, Manager, Trainer und Funktionäre Emotionen haben und sie von mir aus auch in der öffentlichkeit ausleben. Die Frage ist nur, auf welche Art und Weise sie das tun. Ob der Tatsache, dass diese Personen jedoch in der öffentlichkeit stehen und für den einen oder anderen noch nicht so ganz charakterfesten Zuschauer vielleicht sogar eine Vorbildfunktion haben, ist jedoch etwas mehr Contenance und Stil angebracht. Wenn ich an Rudis Sch..dreck-Rede denke oder daran, wie sich der sonst so wirtschaftsprofessionelle Uli Hoeness zu einer ähnlichen Schimpftirade in der Bayern Hauptversammlung hinreißen lässt, kann ich nur fassungslos den Kopf schütteln. Man stelle sich vor, ein Vorstandsmitglied einer AG beschimpft seine Aktionäre und Kunden auf einer HV mit den Worten "Wer glaubt ihr eigentlich, wer ihr seid" und wirft ihnen "Sch...-Populismus" vor. Unvorstellbar. Das hat keinen Stil, solche Leute haben sich nicht im Griff, ich hab's satt mir solche Ausfälle weiter anzuhören. Auf dem Platz meinetwegen, oder in der Kreisliga zwischen Stammtisch und Männer-WC, aber nicht mit bundesweiter Medienpräsenz. Das ist schlicht unprofessionell und unterste Schublade. Aber laut Herrn Müller zeigt das ja nur, das man das Herz auf dem rechten Fleck hat, oder so ähnlich. Drauf gesch...
Der eigentlich gute Artikel blendet eines aus, indem er so tut, als ob es primär um INHALTE ginge. So, wie ich das sehe, geht es aber primär um Stilfragen, und das unterstreichen m.E. auch die Reaktionen zahlreicher Bundesligavertreter. Es ist einfach ziemlich schäbig, öffentlich (und nun doch recht häufig in den letzten drei Jahren) die Bundesligatrainer und -vereine auf eine solche generalisierende Art abzuwatschen. Je öfter das geschieht, desto heftiger reagieren die Ligavertreter (das wundert mich auch überhaupt nicht). Natürlich ist das internationale Abschneiden deutscher Vereinsmannschaften in den letzten Jahren generell schlicht kläglich zu nennen und Ursachenforschung und -behebung dringend geboten. Dafür gibt es aber im Rahmen von DFB und DFL eine Reihe von Foren (beginnend mit den Trainertagungen), wo das sachlich diskutiert werden kann. Und dort gehört das auch hin. Und da mag ein Herr Bierhoff in der Sache noch so recht haben - das auf eine derart schulmeisterliche Weise vor den laufenden internationalen Kameras zu machen, das weckte eben zu Recht den Zorn nicht nur von Rudi Völler, der diesmal einfach den Ligalautsprecher gespielt hat; davon waren aber viele angefressen, und das ja nicht zum ersten Mal.
Wo er Recht hat er Recht, der Bierhoff. Er mag nicht der netteste Kerl sein und manchmal ein bischen zu smart uns selbstgefällig daherkommen, aber er hat Recht. Da hilft es wenig wenn Rudiiii anfängt rumzuproleten. Das gefällt sicherlich der Südkurve, weil das ein Niveau ist das sie nachvollziehen kann.
Wenn ich schon höre, dass man ihm vorwirft studiert zu haben. Was soll das denn bitte? Macht das seine Argumente besser oder schlechter? Wohl kaum! Macht´s ihn das als Mensch besser oder schlechter? Wohl kaum! Kann er damit auf mehr Respekt hoffen? Aber sicher!
Wie viele Fußballspieler und spätere Trainer bringen denn keinen geraden Satz heraus geschweige denn zu Papier. Wenn die Jungs alle so toll sind, wo sind denn dann ihre noch viel tolleren Vereine. Wieso spielen oft gerade die Spieler, die in ihren Vereinen recht mittelmässig daherkommen, in der Nationalelf mit soviel Elan und Spaß?
Also Rudi soll weiterhin seine erstklassige Arbeit in Leverkusen machen (die räumen ja geradezu ab, national wie international). Er wird auch noch in 50 Jahren als Rudiiii gefeiert werden - allerdings nur, wenn er lernt öfters einfach mal die Klappe zu halten.
Don Vito
Andreas Burkert hat Recht (tudobom auch) - oft ist nicht unbedingt Leistung das vorderste und ausschlaggebende Kriterium im deutschen Fußball, sondern Stallgeruch. Und den hatte Oliver Bierhoff in der Tat nie. Die Platzhirsche der Bundesliga nutzen buchstäblich jede sich bietende Gelegenheit, ihm genau DAS zu verstehen zu geben. So kennt man beispielsweise seit Jahr und Tag die Sticheleien von Uli Hoeneß gegenüber Bierhoff. Dass der Bayern-Manager jetzt sofort an die Seite von Völler springt, ist ein Automatismus, der ebenso logisch wie populistisch ist (bei allem Respekt für Hoeneß). Man wird das Gefühl nicht los, dass Völler all das, was er über die Person Bierhoff sagt, schon länger auf den Nägeln brennt. Und dass es um eines so ganz und gar nicht geht, nämlich um die Sache selbst.
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