Von Andreas Burkert

In der hitzigen Debatte um Trainingsmethodik und Niveau der Bundesliga wurden in dieser Woche vor allem Eitelkeiten gepflegt. Die fachliche Debatte blieb aus. Natürlich.

Womöglich werden die übrigen Debattenteilnehmer jetzt meinen, Oliver Bierhoff gäbe klein bei, weil sich der Manager der Nationalelf plötzlich moderat und versöhnlich anhört. Sie sollten sich da mal nicht täuschen. Verwundern indes würde diese Interpretation mitnichten, denn allzu offensichtlich ist ja in dieser Woche das Verständigungsproblem zweier Fußballgenerationen geworden. In diesem Konflikt spielt das Alter keine Rolle, Bundestrainer Joachim Löw etwa, dessen Idee vom Spiel Bierhoff im Grunde nur vortrug und damit polarisierte, gehört ebenso dem Jahrgang '60 an wie dessen Streitpartner Rudi Völler. Gut, Bierhoff ist 39, doch muss deshalb das Establishment der Bundesliga gleich entrüstet zurückkeilen, nach dem Motto: "Trau keinem unter 40"?

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Bierhoff hat natürlich ein großes Problem: Das Lied "Es gibt nur ein' Olli Bierhoff" - das gibt es nicht. Bierhoff ist halt in Italien nur Meister und Schützenkönig geworden, er entschied nur das EM-Finale 1996 mit seinen Toren. Eine Legende wie Völler ist er deshalb noch lange nicht; dafür polarisierte der Stürmer Bierhoff zu sehr, und dafür schloss er ein Studium und einen Shampoovertrag zu viel ab. Aus einem intellektuellen Stürmer wird selten eine Legende. Und wenn so jemand die Liga höflich, aber mit Nachdruck und womöglich mehrfach darauf hinweist, dass sie sich womöglich aus gutem Grund ständig im Europacup blamiert - bekommt er "zum Arzt gehen" und "Schlaumeier" zu hören.

Bierhoff hat sich in der Sache vorgewagt, wie dies zuvor schon Löw tat, als er das Zweikampfverhalten der Bundesligaprofis als plump und nicht zeitgemäß anprangerte. Beide kritisierten dabei aus Erfahrung, denn beide haben Jürgen Klinsmann erlebt. Dieser Klinsmann ist vielleicht kein großer Trainer gewesen, aber er besaß eine Idee und einen großen Instinkt. Und der sagte ihm: Türen auf, Mief raus! Löw und Bierhoff tragen jetzt sein Vermächtnis weiter, und sie würden gern auch mal die Liga durchlüften. Aber dort, wo sie sich noch im vorigen Jahr über Klinsmanns Gummitwist-Bänder amüsierten und wo ein Trainer etwas taugt, wenn er als Profi ein toller Hecht war - dort bekommen sie gleich einen Schnupfen und verbitten sich Ratschläge. Mit geradezu gockelhafter Erregung heißt es dann: "Haben wir immer so gemacht!"

Und so wurden diese Woche vor allem Eitelkeiten gepflegt. Die fachliche Debatte blieb natürlich aus. Dabei ist die Liga längst in Erklärungsnot geraten angesichts einer seltsamen Diskrepanz zwischen der Euphorie um eine modern wirkende Nationalelf und der Tristesse um international abgehängte Klubs. Darüber sollten die Herren einmal diskutieren. Ausdauernd. Und unter sich.

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(SZ vom 22.11.2007)