Von Philipp Selldorf

Team-Manager Oliver Bierhoff über den Verdacht der Vetternwirtschaft und die Kritik am "Killer"-Bundestrainer Jürgen Klinsmann.

SZ: Herr Bierhoff, wenn man liest, was nach der Verabschiedung von Torwarttrainer Sepp Maier über die Führung der Nationalmannschaft verbreitet wird, könnte man meinen, es handele sich um eine kriminelle Vereinigung.

Das Unternehmen 2006 auf Zwischenstation in Iran: Team-Manager Oliver Bierhoff (li.) mit dem Bundestrainer Jürgen Klinsmann. (© Foto: dpa)

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Von "Spätzle-Connection" und "Wembley-Connection" ist die Rede, Jürgen Klinsmann wird als "eiskalt und gewieft", vom DFB-Ehrenspielführer Lothar Matthäus sogar als "Killer" bezeichnet, der "Köpfe rollen lässt". Wie gefällt Ihnen das?

Bierhoff: Wir gehen damit recht entspannt um. Da wird natürlich vieles total überspitzt, und was die angebliche "Spätzle-Connection" angeht: Jürgen Klinsmann ist ein Erfolgsmensch, deshalb will er die Leute um sich haben, die am besten zu der Aufgabe passen und zu denen er blindes Vertrauen hat. Wenn er sie kennt, ihre Charakterstärken und Einstellungen einschätzen kann, dann ist das natürlich von Vorteil.

Dieter Eilts (U21-Trainer), Andy Köpke (künftig Torwarttrainer) und ich kennen den Jürgen aus unserer aktiven Zeit, wir haben auch, seitdem er in Amerika ist, ständig irgendwie Kontakt gehabt, gemailt oder telefoniert. Aber er hat seine Entscheidungen ja nicht getroffen, weil er uns kennt, sondern weil er weiß, dass wir vollkommen integer sind.

SZ: Hertha-Manager Dieter Hoeneß sagt: "Jürgen muss aufpassen, dass er nicht in dieses Killer-Image gepresst wird". Verstehen Sie seine Bedenken? Wie treten Sie dem entgegen?

Bierhoff: Ach, das ist ja vollkommen überzogen. Mich wundert, dass man gerade einer Bemerkung von Lothar Matthäus so viel Aufmerksamkeit zuwendet. Als Rekordnationalspieler und Ehrenspielführer sollte er sich mehr Gedanken über seine Aussagen machen. Wo gab es denn personelle Veränderungen? Nur bei Bernd Pfaff (DFB-Direktor) und Sepp Maier, was menschlich wahnsinnig schwer gefallen ist.

Aber jeder hat doch gesagt, dass sich was ändern muss, und es war logisch, dass wir vielleicht jemandem wehtun, wenn wir das eine oder andere angehen. Bernd Pfaff hat aber seinen Job nicht verloren, er ist nur nicht mehr im engeren Umfeld der Nationalmannschaft.

Und die Trennung von Sepp Maier ist eben die Folge seiner jüngsten Aussagen. Wenn wir glauben, dass wir das für den Erfolg der Mannschaft machen müssen, dann müssen wir unsere Linie durchziehen.

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