Bierdusche im Fußball Mia san Bier

Douglas Costa erhält eine Bierdusche. Dabei wäre dem Brasilianer bestimmt Capirinha lieber.

(Foto: dpa)

Wenn Fußballer was gewinnen, schwappt das Weißbier über Trainer- und Spielerköpfe. Dabei ist die Bierdusche der endgültige Beleg für Humor-Unterbelichtung zum Saison-Ende.

Eine Polemik von Jonas Beckenkamp

Reden wir zur Abwechslung mal über Fußball und Bier, denn es hat sich etwas eingeschlichen. Jetzt, da die Saison zu Ende geht, wird es wieder pappen, spritzen und schwappen - es ist Meisterfeier-Zeit, der FC Bayern spielt gegen Freiburg und wie jedes Jahr wird's am Ende Weißbier regnen. Reden wir also über eine Unsitte, die den Fußball als dermaßen beschränkt entlarvt, dass es einem die Synapsen zuklebt: die Bierdusche.

Was soll der Schmarrn? Kann keiner mehr gepflegt eine Meisterschaft feiern wie zum Beispiel Benfica Lissabon am vergangenen Wochenende? Dort knatterte ein Spieler mit der Vespa durch die Kabine.

Warum verschütten erwachsene Männer, Familienväter und andere Sportskanonen ein ehrenwertes Getränk? Wo doch die Kulturgeschichte von Bier und Ballspiel lehrt, dass Weizen nach dem Sport so wunderbar isotonisch wirkt? Es ist ein Rätsel der Fußballmoderne, wer da wann wohin falsch abgebogen ist: Das Bier oder die Spieler? Jedenfalls kommt man seit einiger Zeit nur noch selten zusammen. Das Bier fließt nämlich dieser Tage an entscheidender Stelle vorbei: an den Kehlen der Menschen.

Gibt's beim BVB nur alkoholfreies Bier?

Das große Verschütten greift um sich, über Köpfe, Anzugträger, Herrmann Gerlands und sonstige Maskottchen kippen an diesem Samstag vermutlich die Bayern-Profis ein wertvolles Nahrungsmittel. Wenn sie es doch wenigstens selber saufen würden! Aber nein, darum geht's in dieser spaßbefreiten Sportlergesellschaft nicht. Es geht ums künstliche "Ausflippen", ums Selfies schießen, um pennälerhaftes Brunftgehabe. Geil, Bier! Aus dem Riesennapf, serviert von Humpen-Hostessen! Und jetzt schön den Trainer einseifen! Muuaaaahh, Malle, schalalalala.

Beim Pokalfinale in Berlin wird es nicht anders sein, wobei der Asket Thomas Tuchel seinen BVB-Boys im Falle des Triumphs statt Weizen bestimmt alkoholfreies Pils unterjubelt. Die Bierdusche ist ein Ritual, eine beständige Rückversicherung der alten Werte: Wer als Fußballer etwas gewonnen hat - und sei es nur den Sparkassen-Cup in Böblingen - hat sich gefälligst ein Bad in dem kühlen Gesöff zu genehmigen. Mit dem erstbesten greifbaren Behältnis in der Hand jagen Fußballer dann los, als liefen sie gerade der letzten Konter ihres Lebens.

"Die sollen die Faxen lassen"

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Und natürlich wird auch der Weintrinker Carlo Ancelotti eine Ladung abbekommen, ebenso wie der praktizierende Moslem Franck Ribéry - zwei Menschen, die mit Sicherheit keinen Gusto am großen Gepappe empfinden. Ribéry hat sich sogar schon beschwert, die Weißbierfalle kollidiere mit seinem Glauben (koan Alkohol). Und der Rest? Macht halt mit. Weil es Usus ist. Weil im Fußball die ewig gleichen Gesetze gelten. Weil der Brachialspaß das einzig verbliebene Fünkchen Fete im Millionengeschäft Fußball ist.

Den Instagram-Followern gefällt's bestimmt

Weil alle mal so richtig crazy drauf sind, auf Knopfdruck - oder sollte man sagen: auf Sponsorendruck? Das Brauereiwesen reibt sich doch die dicke Marketingplautze, während Bayern-Spieler auf Fotos mit PaulanerErdingerFranziskanerSonstwas-Weizenstutzen posieren. Im Fußball, wo jeder Zentimeter durchkommerzialisiert ist, wird eben auch die Bierdusche präsentiert von einem "offiziellen Partner" des Vereins. So ist das.

Witzig ist das alles nicht, es ist vielmehr so, dass die Bierdusche der endgültige Beleg für die alarmierende Humor-Unterbelichtung in der Umkleidekabine ist. Wenn Fußballer den Schalk in sich entdecken, dann gerne plump und prollig. Es herrschen die Schenkelklopfer der Ballacks, Baslers und Uli Borowkas, die als sogenannte "Platzhirsche" auch die Gaghoheit für sich gepachtet haben. Lustig ist demnach, was schon beim B-Jugend-Mannschaftsausflug an den Balaton den Humorstandards genügte. Damals war es Nippelzwicken unter Männern. Aua. Hihi. Und dann Schnürsenkel zusammenbinden. Heute ist es verschüttetes Bier, so banal, so Kindergarten, aber hey: 400 neuen Instagram-Followern gefällt's.

Wirklich amüsant wäre übrigens: Schlusspfiff bei Bayern gegen Freiburg, Bierhumpen für alle, drei Liter Weizen auf ex - und dann Interviews geben.

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