Von Johannes Aumüller

Keine Wintersportart orientiert sich so sehr an den Bedürfnissen von TV-Machern und -Konsumenten wie Biathlon. Das bestätigt die WM in Östersund gerade aufs Neue.

Die Verantwortlichen der Internationalen Biathlon-Union dürften sich gerade fragen, warum denn zwischen dem einen und dem anderen Wochenende pralle fünf Tage liegen müssen, die irgendwie mit sportlichem Programm gefüllt werden wollen. Denn die Wochenenden, die sind so ganz nach dem Geschmack der Biathlon-Macher: Da versammeln sich in den Biathlon-Nationen Deutschland, Russland oder Norwegen etliche Millionen Fans vor den Bildschirmen, bei den Wettbewerben zum WM-Auftakt am vergangenen Wochenende saßen allein in Deutschland bis zu 4,5 Millionen Menschen vor den Fernsehern. Das entsprach teilweise einem Marktanteil von mehr als 35 Prozent.

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Und das Fernsehen schießt mit: Sven Fischer bei der Biathlon-WM 2004 in Oberhof. (© Foto: Archiv/Getty)

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Um wie viel uninteressanter sind für die Quoten-ausgerichteten Biathlon-Verantwortlichen da die Tage unter der Woche. Wenn die Sportler dann antreten, ist alles noch ein bisschen wie früher, als die Biathleten weitgehend unbehelligt von der Öffentlichkeit durch den Wald hechelten und ebenso unbeobachtet auf die Scheiben schossen. Die potentiellen Zuschauer sind zu diesem Zeitpunkt noch im Büro oder in der Schule, der Anteil des Fernsehpublikums ist entsprechend gering. Aber weil die Länge der Woche nun mal nicht mehr zu ändern ist, haben sich die Macher überlegt, wie sie diese Tagesveranstaltungen aus dem Programm bannen und bei der Quote doch noch ein paar Prozentpunkte drauflegen können.

Generalstabsmäßig haben die Verantwortlichen in den vergangenen Jahren das Programm so umgestaltet, dass mehr Zuschauer zusehen. An den Wochenenden zum Auftakt und zum Ende der neuntägigen WM müssen Männer wie Frauen jeweils samstags und sonntags antreten, dafür ist montags und freitags kein Wettbewerb. Die Einzelrennen am heutigen Mittwoch und am morgigen Donnerstag wurden auf den frühen Abend (Startzeit: 17.15 Uhr) verlegt - in der Hoffnung, dass es zu so später Stunde erstens mehr Zuschauer an den Bildschirmen und zweitens auch mehr Zuschauer an der Strecke gibt. Allein die Mixed-Staffel am Dienstag fand zu einer "klassischen" Zeit statt. Ganz falsch liegt man dabei mit der Annahme nicht, dass die Mixed-Staffel lediglich ins Programm genommen wurde, um die WM-Veranstaltung überhaupt auf neun Tage strecken zu können. Im Weltcup gibt es die Veranstaltung nämlich nicht. Allein als Jux-Termin im Dezember bei "Biathlon auf Schalke" steht etwas Ähnliches auf dem Programm.

Diese Entscheidungen haben zur Folge, dass die Athleten heute an den Start gehen, wenn es in Östersund schon dunkel ist. Bei Weltcup-Veranstaltungen wie in Ruhpolding kam das Konzept der abendlichen Veranstaltungen schon bestens an, Tausende Zuschauer an der Strecke lieferten eine eindrucksvolle Kulisse und Millionen Zuschauer an den Bildschirmen zufriedenstellende Quoten. Eigentlich klingt es absurd, eine Schieß-Veranstaltung in die Dunkelheit des Abends zu verlegen, wenn die Bedingungen offenkundig schwieriger sind. Doch Klagen kommen aus dem Kreis der Athleten nicht. Schließlich freuen sie sich auch, wenn sie so populär sind und viele Zuschauer haben. Veranstaltungen wie die Mixed-Staffel kommen dem deutschen Team sogar eher entgegen, weil die Trainer mehr Einsatzmöglichkeiten für ihre vielen Stars haben und Enttäuschungen in der Mannschaft über Nicht-Nominierungen vermeiden können. Kleinere Biathlon-Nationen haben dagegen bei dem aufgeblähten Programm Probleme, ihr Startkontingent immer auszufüllen.

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(sueddeutsche.de/tbc)