Von Volker Kreisl, Pyeong Chang

Im Stehendschießen vergeben die deutschen Staffel-Frauen die Goldmedaille. Bei den Männern bejubelt Österreich einen Doppelsieg.

Vier Fehler, eine Strafrunde nach dem letzten Schießen, es war nicht der Abend von Kati Wilhelm und der sieggewohnten deutschen Biathlon-Frauenstaffel. Stehend, im direkten Vergleich mit Konkurrentin Olga Saizewa aus Russland, hatte Wilhelm mit allen drei Nachladern und viel Mühe vier Scheiben getroffen. Ein bis zu diesem Zeitpunkt spannender Wettkampf war somit entschieden: Russland war neuer Weltmeister, die Deutschen holten Silber, auf Platz drei kam Frankreich ins Ziel.

Bild vergrößern

Ausgepumpt erreicht Katil Wilhelm im Staffel-Rennen das Ziel. (© Foto: AP)

Anzeige

Das Staffelrennen der Frauen begann mit einer Überraschung. Der Startschuss war abgegeben worden, die in drei Reihen aufgestellten Läuferinnen hatten sechs, sieben Armschübe hinter sich, da lagen schon die Ersten im Schnee. Die Ukrainerin und die Italienerin waren ausgerutscht, nicht allen gelang es, die Hindernisse zum umfahren. Swetlana Sleptsowa, die für die wegen Dopings zurückgestufte russische Staffel aus der letzten Reihe starten musste, stürzte ebenso.

Michaela Ponza (Italien) und Olena Pidruschna (Ukraine) mussten verletzt aussteigen, der Rest des Feldes lief in etwas neuartiger Sortierung durch die erste Schleife. Die Deutsche Martina Beck blieb von der Karambolage verschont und spätestens nach dem zweiten Schießen war die bekannte Ordnung wiederhergestellt. Nach dem ersten Schießen lagen Frankreich, Russland und Deutschland auf den Positionen eins bis drei.

Der zweite von vier Abschnitten dieses Rennens schien bereits über den Ausgang zu entscheiden. Für den Deutschen Skiverband (DSV) übernahm Magdalena Neuner, die das Einzelrennen wegen eines leichten Infekts ausgelassen hatte. In guter Form kann sie einen Vorsprung herausfahren, in schlechter weit zurückfallen. Bis Samstagmorgen war nicht klar, ob sie starten würde, dann lief sie, aber sehr vorsichtig. 20 Sekunden Rückstand hatte Neuner übernommen, sie hielt sich aber im Windschatten der anderen.

Das erste Schießen überstand sie mit zwei Nachladern passabel, im zweiten, wie so oft im Stehendschießen, unterliefen ihr dann zu viele Fehler. Zwei Strafrunden musste sie laufen, nur dank der vielen Fehlschüsse, die sich auch Russinnen und Französinnen leisteten, blieb der Rückstand noch im Rahmen. Mit 40 Sekunden Rückstand übergab Neuner auf Andrea Henkel, deren Leistung als dritte Läuferin einwandfrei blieb.

Hohe Favoritinnen waren die Deutschen, vielleicht noch höhere als sonst, doch den Konkurrentinnen aus Russland gelang es trotz der Sperren gegen Jekaterina Jurjewa und Albina Achatowa, ein Aufgebot aufzustellen, dass sich stetig steigerte. Größten Anteil am Sieg hatte Schlussläuferin Olga Saizewa, die mit hohem Tempo und nur zwei Schießfehlern den Rückstand in einen sehr deutlichen Vorsprung von einer Minute und fast 20 Sekunden verwandelte. Kati Wilhelm sicherte Silber, doch auch sie profitierte im Wind von den Fehlschüssen der Konkurrenz, diesmal Frankreich und Weißrussland.

Österreicher lassen Björndalen stehen

Zwei Stunden zuvor, als es in den Bergen von Gwangdong gerade dämmerte und arktische Kälte in das Alpensia-Stadion fiel, begannen für die Österreicher die Feierlichkeiten. Biathlon-Außenseiter sind sie schon seit geraumer Zeit nicht mehr. Seit sich die Mannschaftsstruktur nach dem olympischen Dopingskandal 2006 geändert hat und viele Talente ins österreichische Team integriert wurden, sammelte die ÖSV-Biathlonabteilung Erfolge, in dieser Weltcup-Saison waren es zwei erste Plätze als Staffel, sowie Christoph Sumanns Massenstartsieg in Oberhof.

Die Begeisterung war da schon vernehmlich, als aber der junge Dominik Landertinger als Sieger des Massenstarts über die Ziellinie lief und ihm auch noch Sumann als Zweiter folgte, schien das allgemeine Schulterhauen und Fäusteballen in Austrias Team kein Ende zu finden. Der Jüngste und der Älteste im Team hatten in der letzten Runde unter anderem Ole Einar Björndalen und den Weltcupführenden Tomas Sikora stehengelassen. Nun wähnt man sich nicht zu Unrecht auf dem Weg in die Weltspitze, zumal andere Talente wie Simon Eder und Tobias Eberhard nachrücken. "Dass das sich so ausgeht, ist ein Traum", sagte Landertinger. Es war Wirklichkeit, und im Laufe des Abends hat er es wohl begriffen.

Michael Rösch als bester Deutscher wurde Fünfter, Teamkollege Michael Greis stieg nach einem verkorksten zweiten Schießen in der vierten Schleife aus. "Ich wollte mich für die Staffel schonen", sagte er.

Leser empfehlen 
Lesetipp aus der aktuellen SZ: "Ich war nie schuld. Nie. Nie. Nie."

Torwartlegende Sepp Maier im Interview. SZ am Wochenende Jetzt lesen ...