Biathlon-Weltcup Erik Lesser: "Zeit, wieder glücklich zu sein"

Im Ziel überglücklich: Erik Lesser jubelt am in der Chiemgau Arena in Ruhpolding.

(Foto: dpa)
  • Damit hatte kaum jemand gerechnet: Biathlet Erik Lesser zeigt im Massenstart von Ruhpolding nach langer Formsuche ein überragendes Rennen.
  • Sein Sieg lässt ihn emotional werden.
Von Saskia Aleythe, Ruhpolding

Auf der Zielgerade spürt Erik Lesser in den Beinen: nicht mehr so viel. Weich sind sie vor den Tausenden Zuschauern, die ihm in Ruhpolding entgegen lärmen. 50 Meter noch, Lesser schaut sich um, zum ersten Mal in diesem Rennen, und die Aussicht verrät ihm: Das reicht! Lesser wirft die Arme nach oben, vor der Ziellinie, auf der Ziellinie und natürlich, da kommt er wieder: Der Bergarbeiter-Gruß, mit dem der Fußballfan traditionell Drittligist Erzgebirge Aue huldigt.

Man kennt diesen Gruß von Erik Lesser, wenn er die Arme über dem Kopf kreuzt. Er hat ihn gezeigt, als er im vergangenen März Verfolgungs-Weltmeister wurde. Seitdem nicht wieder, von einem Weltcup-Sieg war er in dieser Saison bisher so weit entfernt wie Aue von der Bundesliga; und dass ausgerechnet er in diesem Massenstart, dem letzten Auftritt der Männer in Ruhpolding, siegen würde - das kam dann doch überraschend. Seine Gefühle auf der letzten Runde? "Glücklich, erschöpft, sehr glücklich", fasst Lesser knackig zusammen. Simon Schempp gelingt mit Rang sechs zudem ein starkes Comeback.

Erstmals fehlerfrei in dieser Saison

Kurz nach Martin Fourcade, dem Weltcup-Führenden, und Jewgeni Garanitschew kam Lesser zum entscheidenden Schießen an den verschneiten Matten an. Fourcade schoss daneben, auch der Russe patzte - Lesser hingegen versenkte alle Scheiben, zum ersten Mal überhaupt in dieser Saison blieb er in einem Rennen fehlerfrei.

Als seine beiden Konkurrenten noch durch die Strafrunde kreiselten, ging Lesser schon wieder auf die Loipe. 12,6 Sekunden Vorsprung, nun war Lesser der Verfolgte. "Ich dachte, sie kriegen mich nach einem Kilometer", gab Lesser zu. "Dann habe ich gehört, ich hab zehn Sekunden Vorsprung nach dem letzten Anstieg und dann dachte ich: Zeit, wieder glücklich zu sein." Die Reihenfolge am Ende: Lesser, Fourcade, Garanitschew. Es war Lessers erster Weltcupsieg vor heimischer Kulisse, sein zweiter überhaupt.

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Diese "Kack-WM-Norm" bringt ihn seit Tagen auf die Palme

Als 30. war er in dieses Rennen noch gerade so hereingerutscht, bisher ist es noch nicht so gelaufen in dieser Saison: Ein zwölfter Platz in der Verfolgung von Pokljuka war bisher Lessers bestes Ergebnis. Die halbe WM-Norm fehlte ihm noch vor diesem Sieg in Ruhpolding, also ein weiterer Platz unter den besten 15. Wobei, um es mit Lessers Worten zu sagen, es heißen müsste: Diese "Kack-WM-Norm". Es war ein Thema, das ihn in den vergangenen Tagen auf die Palme gebracht hatte. Weil immer wieder danach gefragt wurde, nicht weil es ihn tatsächlich beschäftigte.