Von Volker Kreisl

Beim zweiten Staffeltest für die WM lassen Deutschlands Biathleten einen Aufwärtstrend erkennen.

Es passierte in jener 180-Grad-Wende am Ende des Hochfilzener Stadions. Die Biathleten müssen hier nach dem Schießen haarscharf um die Ecke biegen, ehe sie Tempo aufnehmen können für die nächste Runde. Alexander Wolf, dritter Läufer der DSV-Staffel, hatte soeben alle Scheiben im Liegendschießen getroffen, mit zwei Nachladern zwar, aber es sah gut aus. Er lag vor seiner Mittelrunde auf Position drei, die Deutschen waren auf bestem Wege, den neunten Platz vom vergangenen Wochenende zu korrigieren und Wolf konnte nun seinen Teil dazu beitragen. Dann riss ihn etwas zurück. Wolf blickte sich um: Sein rechter Stock steckte im Schnee.

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Magdalena Neuner beim Liegendschießen in der Staffel. (© Foto: AP)

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Man sollte die Symbolik, die in den Details langer Biathlonrennen liegt, nicht zu ernst nehmen. Es passiert ja ständig etwas im Verborgenen, das auch die vielen Kameras nicht einfangen. Auch dieser verpatzte Auftritt von Alexander Wolf aus Oberhof hatte mehr Ursachen als nur einen verlorenen Stock. Die Schneeflocken waren immer größer geworden, das Geläuf gerade vor seinem Einsatz tief und anstrengend.

Und doch wurde Wolf schon oft genau in dem Moment von etwas Ungewöhnlichem aufgehalten, als er durchstarten wollte. Kurz vor den Winterspielen in Turin 2006 zum Beispiel war er, als Gesamtweltcupführender, heftig erkrankt. Nun ist er endlich in jene Form gekommen, auf die Biathleten lange hinarbeiten: Seine Beständigkeit verheißt eigentlich Verlässlichkeit für die Staffel. Dennoch - in diesem zweiten von vier Tests für die WM empfahlen sich drei andere Deutsche. Und Alexander Wolf muss sich erst mal erholen.

Weiter ohne Stock

Mit Platz vier hat sich das DSV-Quartett insgesamt verbessert. Es landete hinter einem etwas ungewohnten Trio. Gewonnen hatten die Österreicher, die den ersten Staffelsieg nach sieben Jahren feierten, Platz zwei ging an Schweden, drei an die Ukraine. Auch die Tendenz der deutschen Frauen weist nach oben. Ohne die geschonten Kati Wilhelm und Martina Beck lief die Staffel auf Platz zwei hinter Russland. Und das, obwohl Simone Hauswald und Magdalena Neuner insgesamt drei Strafrunden absolviert hatten.

Bei Hauswald und Neuner ist vielleicht noch Aufregung im Spiel - womit Alexander Wolf eigentlich keine Probleme mehr hat. Er wirkt stets gefasst, und auch dass ihm die Zuschauer hier vor dem Start an seinem 30. Geburtstag Stevie Wonders "Happy Birthday" sangen, dürfte er nur am Rande mitgekriegt haben. Auch in der Spitzkehre überlegte er kurz und machte dann das Richtige.

Er ließ den Stock stecken, sprintete weiter und nahm am anderen Stadionende einen Ersatz entgegen. Dann war er wieder auf der Strecke, und vielleicht wollte er alles besonders gut machen, vielleicht überschätzte er auch seine Fitness. Als er zum Stehendschießen kam, war er jedenfalls stehend k.o. "Er hat sich wohl übernommen", sagte Bundestrainer Frank Ullrich. Drei Schuss saßen, danach keiner mehr. Wolf musste zweimal in die Strafrunde.

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