Bester Deutscher Jammern auf sehr hohem Niveau

Bester Deutscher Läufer in Garmisch-Partenkirchen: Andreas Sander.

(Foto: Alexis Boichard/Getty Images)

Es ist das beste Ergebnis seiner Karriere - aber Andreas Sander klopft sogar Rang acht bei der Abfahrt in Garmisch noch auf Fahrfehler und technische Unfeinheiten ab. Das ist wohl ein gutes Zeichen.

Von Johannes Knuth, Garmisch-Partenkirchen

Seine Fahrt am Samstag? Ganz okay, befand der Skirennfahrer Andreas Sander, "es hat mich einfach geärgert, dass ich im Flachstück am Super-G-Start etwas habe liegen lassen." Die Piste in Garmisch-Partenkirchen? "Der Piste ist zu verdanken, dass ich doch so weit vorne gelandet bin", sagte Sander; er war früh gestartet, als Vierter, später wärmte die frühlingshaft warme Sonne den Kurs auf, zu Lasten der Fahrer, die später dran waren. "Mit einer hohen Nummer und derselben Fahrt wäre ich sicher nicht in den Top 15 gelandet", glaubte Sander.

So reihte er sich auf dem achten Platz ein. Aber: "Mit dem bin ich nicht zufrieden", sagte der 26-Jährige. Er klang nicht unbedingt wie ein Skirennfahrer, der gerade das beste Ergebnis seiner Karriere in die Wertung getragen hatte.

Andreas Sander aus Ennepetal hat am Samstag dann doch noch eine entspannte Beziehung zu seinem achten Platz in der Abfahrt von Garmisch-Partenkirchen entwickelt. Seinem besten Resultat im alpinen Ski-Weltcup, nachdem Sander in der aktuellen Saison in Kitzbühel und Gröden (jeweils 10. im Super-G) bereits in die Top Ten vorgestoßen war. Die technischen Mängel, die er am Samstag auflistete, das war "Jammern auf sehr hohem Niveau", gab Sander zu. Und ja, seine niedrige Startnummer war dem Losglück geschuldet, andererseits können nur Fahrer in diese erste Startgruppe vorrücken, die sich in der Weltrangliste unter die besten 30 der Welt gearbeitet haben. Wie zuletzt Sander. Und so resümierte der Deutsche, der gerade noch "nicht zufrieden" war, in Garmisch dann doch: Das Ergebnis, das sei schon "sehr zufriedenstellend".

"Ich will jedes Mal in die Top Ten."

Es ist vermutlich ein gutes Zeichen, dass Andreas Sander auch einen achten Platz auf technische Fehler und Missstände abklopft. Es gab ja Winter, da hatten sie im Deutschen Skiverband das Gefühl, dass sich Sander damit zufrieden gab, im Weltcup mitmachen zu dürfen. Das passte nicht recht zu jenem Karriereplan, den sie im DSV für Sander entworfen hatten, für den Junioren-Weltmeister im Super-G, ausgestattet mit guter Technik, bald aber auch mit einem zu nassforschen Manager. Sander traute sich zudem lange nicht, an sein Limit zu kriechen, er war ein guter Skifahrer, aber kein Rennfahrer, der Lust am Risiko versprühte und dabei auch mal zu Fall kam.

Seit Mathias Berthold bei den DSV-Männern die Geschäfte führt, robben sie sich im DSV nun langsam aber sicher an ihr Limit (und an die Weltspitze) heran. Die Ankunft im Kreis der Besten hat sich zuletzt verzögert, im verletzungsreichen Winter 2015/16 hat es auch ein paar Deutsche erwischt, Josef Ferstl und Tobias Stechert zum Beispiel. Andererseits gehen die anderen unbeirrt ihren Weg. Der junge Thomas Dreßen zum Beispiel, der am Samstag passabler 37. wurde. Und Sander. "Es ist auf jeden Fall die beste Saison meiner Karriere", sagte er in Garmisch, da darf man die Ansprüche schon mal neu ausrichten. Sander sagt: "Ich will jedes Mal unter die Top Ten."

Andreas Sander wird noch nicht bei jeder Abfahrt in diese Elite vorstoßen, "beim Rennfahren passieren Fehler, daraus muss ich lernen", sagt er. Andererseits ist es mit den Fehlern im Abfahrtssport auch so: Sie passieren vor allem dann, wenn man besonders schnell ist.