Ein Kommentar von Christian Zaschke

Der deutsche Handball erklärt die Affäre rund um die Bestechungsvorwürfe gegen Kiel für beendet. Das ist erstaunlich, denn es bleiben noch einige Fragen offen.

Große Erleichterung im deutschen Handball, endlich sind Bestechungsvorwürfe gegen den THW Kiel vom Tisch. Schließlich haben die Kieler Offiziellen ja gesagt, da sei nichts dran. Klubmanager Uwe Schwenker gab sogar sein Ehrenwort. Also hat die Handball-Bundesliga beschlossen, dass die Sache erledigt ist. Damit könnten sich alle Beteiligten wieder frohgemut dem Alltag zuwenden, wenn da nicht noch die eine oder andere Frage wäre.

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Erstens: Präsidium und Aufsichtsrat der Bundesliga haben sich darauf verständigt, die Quelle der Anschuldigungen nicht öffentlich zu nennen. Das ist insofern erstaunlich, als dass diese Anschuldigungen die Glaubwürdigkeit des Handballs zutiefst erschüttern. Die Vertreter der Rhein-Neckar Löwen hätten nicht gehandelt und die Offiziellen der Handball-Liga hätten nicht so schnell reagiert, wenn die Quelle der Vorwürfe nicht äußerst ernstzunehmen wäre.

Die Kernfrage ist: Wessen Vorwürfe dementieren die Kieler? Diese Frage wollen die HBL-Verantwortlichen offiziell nicht beantworten. Dass der Gesellschafter der Rhein-Neckar Löwen, Jesper Nielsen, am Dienstag sagte, die Vorwürfe stammten von "Schlüsselpersonen innerhalb des THW Kiel und aus dessen Umfeld", tags darauf aber verkündete, man wolle "Ruhe und Frieden", und zwar "auch mit Blick auf unsere eigenen geschäftlichen Aktivitäten", erweckt den Eindruck, in der Sache werde etwas vertuscht.

Zweitens: Angenommen, es gäbe Hinweise, dass beim letzten Champions-League-Endspiel im Fußball zwischen Manchester United und dem FC Chelsea eine Seite bestochen hätte, was nach einer kurzen Untersuchung durch den englischen Verband als erledigt erklärt würde - ein Aufschrei ginge durch den europäischen Fußball.

Zuständig wäre nämlich der europäische Verband Uefa, der die Ermittlungen selbstverständlich nicht dem englischen Verband überließe, nur weil zufällig zwei englische Mannschaften in diesem Endspiel gestanden haben. Genau so handelt jedoch gerade der europäische Handballverband EHF. Er muss nun ungeachtet der deutschen Erkenntnisse eine eigenständige Ermittlung einleiten, sprich: die Vorwürfe anhören und bewerten, den THW Kiel und die Schiedsrichter befragen, Hinweise sammeln.

Diese Angelegenheit ist noch längst nicht erledigt.

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(SZ vom 06.03.2009)