Der Handball muss ein effektives und strenges Kontrollsystem beim Schiedsrichterwesen einführen. Nur die, die das tun könnten, wollen offensichtlich nicht.
16 Jahre lang war Uwe Schwenker Manager des THW Kiel und hat den Verein in dieser Zeit zum erfolgreichsten Handball-Klub des Landes gemacht. Nun steht er vor den Trümmern dieser Leistung, auf Druck des Klubs hat er seinen Rücktritt erklären müssen. Die Erklärung der Gesellschafter, Grund für den erzwungenen Rücktritt seien nicht die im Raum stehenden Vorwürfe, ist natürlich hanebüchen: Sie sind der einzige Grund.
16 Jahre lang war Uwe Schwenker Manager des THW Kiel. (© Foto: Getty)
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Der THW Kiel und Schwenker führen gerade beispielhaft vor, was der gesamte deutsche Handball in den kommenden Wochen versuchen wird: Konsequenzen aus den Bestechungsvorwürfen zu ziehen, ohne dass jemand sein Gesicht verliert oder gar beschuldigt wird. Schwenker muss gehen, weil er für finanzielle Ungereimtheiten derzeit keine Erklärung geben will. Damit ist selbstverständlich nicht gesagt, dass er an Manipulationen beteiligt war, doch in größerem Maßstab betrachtet spielt das eine untergeordnete Rolle, denn die Affäre weist längst weit über den THW Kiel hinaus.
Nachdem vor gut fünf Wochen erstmals Manipulationsvorwürfe gegen den Klub öffentlich wurden, ist kaum ein Tag vergangen, an dem nicht neue Meldungen von Offiziellen des Handballs auftauchten, die über Bestechungsversuche berichteten. Das zeigt: Sollte der THW bestochen haben, so hat er sich in einem Umfeld bewegt, in dem das offenbar üblich war. In der Branche erzählt man sich von Referees, denen die Ladas vollgepackt wurden, Ausflügen mit Schiedsrichtern zu Elektro-Märkten, ganz offen wird von üblichen Linien der Beeinflussung gesprochen: Alkohol, Geld, Frauen. Es ergibt sich das Bild einer Sportart, die moralisch bankrott ist.
Ganz offensichtlich hat der Handball ein strukturelles Problem, das mit dem Doping im Radsport zu vergleichen ist. Viele wissen Bescheid, zugegeben wird immer nur das Wenige, das gerade herauskommt; dabei verhalten sich die Klubs nicht besser als die Verbände. Daher ist die Affäre, die ausgelöst wurde von den Vorwürfen gegen den THW Kiel, eine einmalige Chance für diesen Sport.
Der Handball muss nun ein effektives und strenges Kontrollsystem an seinem schwächsten Punkt einführen, dem Schiedsrichterwesen. Zudem muss über eine klarere Regelauslegung nachgedacht werden, denn derzeit können Schiedsrichter eine Partie verpfeifen, ohne dass es jemand merkt, nicht einmal die Spieler. Das Problem dabei ist: Die Personen, die den Sport nun reformieren müssen, sind die, die seit Jahren in Amt und Würden sind und nie etwas gesehen haben wollen.
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(SZ vom 08.04.2009/jüsc)
Der Flügelflitzer
Ich teile meistens nicht die Redakteursschelte, die in bei anderen Kommentaren oft und unqualifiziert stattfindet.
Doch diesmal wage ich mich zu einem Stück Kritik an der Einschätzung des Redakteurs des obigen Artikels.
Wer eine klare Regelauslegung beim Handball - vielleicht auch Fußball, Eishockey oder was auch immer fordert - hat wenig Wissen über das Schiedsrichterwesen. Das Problem ist - einen absolut unparteiischen Schiedsrichter unterstellt - nicht unbedingt die Auslegung, sondern die Wahrnehmung. Dabei geht es um Aktionen, die innerhalb von Sekundenbruchteilen ablaufen, wahrgenommen, bewertet und entschieden werden müssen. Das ist zum Teil natürlich eine Übungssache und zum Teil eine Schwäche des Systems, die jedoch hingenommen wird, weil man sagt, dass die Summe der Entscheidungen am Ende zu einem gerechten Ausgleich führt.
Sinnfällig vor Augen geführt wird einem die Schwierigkeit der gerechten und richtigen, d.h. Regelkonformen Entscheidungen, während eines Lehrabends des Schiedsrichterwesens, wenn etwa 30 Schiedsrichter anhand verschiedener Videoaufnahmen nach ihrer Beurteilung von Spielsiituationen gefragt werden. Dass dabei eine Parteinahme von vorneherein ausgeschlossen ist liegt auf der Hand, und trotzdem nähert sich die Zahl der verschiedenen Meinungen der Zahl der versammelten Kollegen.
Trotzdem glaube ich, dass diese Schwäche des Systems für die Mehrzahl der Schiedsrichter nicht zur Versuchung geführt hat. Die im obigen Artikel unterstellte Einflussnahme auf ein Spiel "ohne dass es jemand merkt" halte ich für töricht und macht vielen Schiedsrichtern, gerade in unteren Spielklassen gleich welcher Sportart, das Leben noch schwerer als es ohnehin schon ist, denn eine tendenziöse Spielleitung - absichtlich oder nicht - wird bemerkt, da muss man sich keine Sorgen machen.
Natürlich haben Viele ein Interesse an der Aufrechterhaltung des Systems. Spanien, Osteuropa, wir haben gute "Vorbilder"...