Berüchtigte Fußballerfrisuren:Wieso nur wasserstoffblond, Mats?

Der Bayern-Profi wagte ein erstaunliches Frisuren-Experiment. Fußballer und Haare - dazu ist längst nicht alles gesagt. Die schönsten Exemplare von Vokuhila, Mecki und Matte.

Jonas Beckenkamp

1 / 19
(Foto: dpa)

Was hat er nur getan? Mats Hummels trägt jetzt Wasserstoffblond. Seine neue Frisur präsentierte der Innenverteidiger des FC Bayern München am Mittwochabend beim Spiel gegen Leipzig. Als er vor Spielbeginn die Mütze vom Kopf zog, stockte den weiblichen Fans der Atem, so mancher Mann musste schadenfroh kichern. Der attraktivste Fußballer der Bundesliga hat sich die Haare blondiert - und schön geht anders. Das unnatürliche Weiß in Kombination mit seinem dunklen Bart erinnert an den Schmuddel-Look von Green Day-Sänger Billie Joe Armstrong in den 90ern. Als David Beckham seine Haare Anfang der 2000er aufhellte, war das sexy und löste unter männlichen Fußballfans einen Frisurentrend aus. Mats Hummels kommt da 15 Jahre zu spät. Hat ihn Ehefrau Cathy Hummels etwa zum Umstyling geraten? Falsch! Wie der Fußballer nach dem Leipzig-Spiel verriet, ist an der misslungenen Frisur eine verlorene Wette auf dem Oktoberfest schuld. Beim Dosenwerfen machte er wohl keine gute Figur: "Nach einem Versuch hatte mein Gegner schon mehr umgeworfen als ich nach drei Versuchen", sagte er. Bitte Mats, spiel lieber nur noch Fußball!

Cornrow-Zöpfchen

2 / 19
(Foto: AP)

Auch Mats Hummels Teamkollege Jérôme Boateng hat schon mit eigenwilligen Frisuren auf sich aufmerksam gemacht. Mittlerweile hat er sich zwar wieder von seinem Cornrow-Zöpfchen verabschiedet und trägt einen Kurzhaarschnitt. Doch interessant war sein Experiment schon, bei dem man sich ganz jugendsprechmäßig fragte: Was ist das für 1 Zopf? Cornrows? Ernsthaft? Ist das nicht soooo 2001? Boateng, diesem Riesenkerl mit dem Kräuselhaar, stand das Büscherl natürlich blendend, trotzdem hier kurz der Einwand: Tat das nicht weh beim Kopfball? Animierte das nicht zu mehr Gezupfe der Gegner, wo wir doch gerade eine "Foul-Debatte" in der Bundesliga erleben? Und überhaupt: Wie duscht man mit so einer Frisur? Fußballerfrisuren muss man nicht verstehen. Manche sind einfach da, weil Haare eben irgendwie gebunden, geflochten, rasiert oder gekämmt werden müssen.

Steckdosen-Look

3 / 19
(Foto: imago sportfotodienst)

Oder eben auch nicht. Gertjan Verbeek zelebrierte bei seinem Amtsantritt als Trainer des 1. FC Nürnberg im Oktober 2013 den Steckdosen-Look. Heute ist er in Bochum tätig, die Haare wehen in ähnlich wilder Manier. In seiner Heimat gilt der Holländer als Vertreter des Typs "Harter Hund". Entsprechend zauselig sieht er auch aus mit seiner Wuscheltolle und dem kantigen Gesicht. Klar, dass da Vergleiche nahe liegen, etwa mit Rod Stewart. Wollen wir also hoffen, dass die Haare dran bleiben und es nicht bald heißt: The First Cut Is the Deepest.

Justin-Bieber-Frisur

4 / 19
(Foto: Werder Magazin)

Den dernier cri brachten vor vier Jahren diese schnuckeligen Boys aus Bremen hervor. Das Werder Magazin wollte vermutlich nur drei junge Fußballer zeigen, doch ganz nebenbei wurden hier Trends gesetzt. Die Nachwuchsspieler Florian Hartherz (mittlerweile Bielefeld), Niclas Füllkrug (Hannover) und Tom Trybull (heute in Den Haag, von links) vertraten stolz und strahlend das "Justinbieberhafte" in der Bundesliga. Seitlich kurz, in der Mitte länger, ein wenig Gel für die Griffigkeit. Schnittig muss es aussehen bei der Jugend - wo früher Mähnen und Schnauzer wucherten, dominieren heute akkurat gestriegelte Haarschnitte.

"Olaseku"-Tolle

5 / 19
(Foto: Bongarts/Getty Images)

Anhänger der neuen "Olaseku"-Tolle (oben-lang-seitlich-kurz) war auch der Stürmer Sebastian Polter (links, hier noch im Trikot des VfL Wolfsburg). Erstaunlich, dass der Schnitt selbst beim heftigsten Zweikampf kaum Schaden nimmt. Heute spielt Polter in England bei Queens Park Rangers - in kann sich somit von Londoner Edelbarbiers frisieren lassen.

James-Dean-Frisur

6 / 19
(Foto: dpa)

Für Aufsehen sorgt mit seiner Friusr seit jeher Mario Gomez. Er hatte den Trend der rasierten Seiten und der fluffigen Oberhaare früh erkannt. Gomez trug im Zuge seiner "Jamesdeanisierung" Haarband, Wuschelwelle und Undercut - und manchmal, beim Training, sah es auf seinem Kopf aus, als habe er Starkstrom-Shampoo benutzt.

Rechtsausleger und Linksausleger

7 / 19
(Foto: dpa)

Apropos Undercut und Scheitelschnitte: Beim BVB gibt es sowohl "Rechtsausleger", als auch "Linksausleger" - die Herren Reus (hinten rechts), Kagawa (Mitte) und Passlack (links) flankieren hier Mario Götze (rechts), der dagegen fast schon gewöhnlich aussieht.

Kampfhahn-Frisur

8 / 19
(Foto: AFP)

Ebenfalls schwer trendy war in gewagteren Frisurenzeiten das Haar-Model "Kampfhahn", welches der Brasilianer Neymar (rechts) vor Jahren als einer der Ersten wagte. Auf dem Platz schlug er Haken, beim Friseur offenbar keinen Vorschlag aus. Aber kaum ein Kicker ...

Blaue Rastalocken

9 / 19
(Foto: imago sportfotodienst)

... ging so mutig zu Werke wie der impulsive Herr mit den blauen Rastalocken: Vagner Love (rechts). Sein Rasta-Blauton sorgte einst bei ZSKA Moskau für Aufmerksamkeit. Der brasilianische Stürmer gibt sich gern extravagant, kombiniert Filz mit Stirnbändern und liebt das Spiel mit den Farben: So flocht er sich für seine Rückkehr zu Flamengo rote Zotteln auf den Kopf - und weinte, weil er seine Heimat so liebt. Man muss das nicht verstehen.

Kippa-artige Dreiecks-Rasur

10 / 19
(Foto: AP)

Auf dem Platz war er kaum zu stoppen - und auch, was seine Haare anging, schreckte er vor nichts zurück. Ronaldo (der brasilianische, nicht der gegelte) löste mit seiner kippaartigen Dreiecks-Rasur bei der WM 2002 Entsetzen bei Müttern in seinem Heimatland aus - vom Zuckerhut bis tief in den Amazonas schmückten sich kleine Buben mit Ronaldos aberwitzigem Haarfleck. Immerhin: Diesen Schnitt traute sich danach nie mehr ein Fußballer.

Maximal-Vokuhila

11 / 19
(Foto: picture alliance / dpa)

Wobei: Nicht auszudenken, was in Brasilien passiert wäre, wenn Ronaldo sich für die symmetrisch bedenkliche Variante des damaligen Dortmunders Kevin Großkreutz entschieden hätte. Nach dem Gewinn der deutschen Meisterschaft 2011 verließ ihn siegestrunken jeglicher Sinn für Ästhetik - das Resultat: ein Vokuhila am Limit.

Hochgegelter Hahnenkamm

12 / 19
(Foto: DPA/DPAWEB)

Über David Beckhams Haarexperimente ist eigentlich alles gesagt. Lang, kurz, blond, gewellt, gefärbt, geschoren, gebunden, zerzaust, zerfranst, zerstrubelt, metrosexuell - es gibt keine Frisur, die der mittlerweile in der H&M-Werbung angekommene Engländer noch nicht vorführte. Sein hochgegelter Hahnenkamm inspiriert bis heute die Jugend in den Großraumtanzschuppen der Prärie.

Vorne Mecki, hinten Matte

13 / 19
(Foto: imago sportfotodienst)

Zeitloser Zauber: Mike Werner machte vorne einen auf Mecki, während er hinten eine opulente Tapete sprießen ließ. Bei Hansa Rostock glänzte der Verteidiger damit in den Neunzigern als mutiger Vorreiter der heutigen Vokuhila-Generation. Rückblickend sagte der als "Kultkicker" beschriebene Harley-Fan 2010 in einem Interview: "Ich fand die Matte einfach geil." Dem ist nichts, aber auch gar nichts, hinzuzufügen.

Locken-Matte

14 / 19
(Foto: imago sportfotodienst)

Ganz ähnlich muss es bei Steffen Freund gewesen sein. Es war das Jahr 1990, Zeitalter der Matten. Bei Stahl Brandenburg in der DDR-Oberliga wehten die Locken des späteren Europameisters.

Blonde Klobürste

15 / 19
(Foto: AP)

Carlos Valderrama (vorne) darf in keiner Frisurenhuldigung fehlen. Der Kolumbianer trug sein wallendes Mähnengeflecht stets stolz zur Schau - einmal sagte ZDF-Reporter Béla Réthy über ihn: "Liebe Zuschauer, das da vorne, was so aussieht wie eine Klobürste - das ist Valderrama." Sein blonder Mop ist ein nie kopierter Klassiker.

Glattgeföhnte Lässigkeit

16 / 19
(Foto: imago sportfotodienst)

Glattgeföhnte Lässigkeit und ein welpentreuer Schlafzimmerblick: Schalkes Rüdiger Abramczik, über den die SZ einst schrieb, er habe das "soziologiestudentische Langhaar" im Fußball salonfähig gemacht. Ob er seinen Adorno immer brav mit sich führte?

Hochföhnfell

17 / 19
(Foto: imago sportfotodienst)

Ein Antlitz von schäferhundfarbener Pracht: Werner Lorant präsentierte sich in den Achtzigerjahren als Mix aus Mark Spitz, Borsten-Kalle und Peter Sellers - mit Rotzbremse, Hochföhnfell und Kratzbürstenoptik. Zeitlose Bräsigkeit ist ihm damit auf ewig sicher.

Blonde Mähne

18 / 19
(Foto: imago sportfotodienst)

Eine Matte so schön wie ein Traumpass in die Tiefe des Raumes. Günter Netzer (rechts im Bild) war nie darum verlegen, seine blonde Mähne würdevoll zu inszenieren. Bis heute trägt der frühere Freigeist dieselbe Frisur. Kein Wunder, dass der spätere Disco-Betreiber ("Lovers Lane") damit schon Uschi Glas bezirzen konnte.

Minipli

19 / 19
(Foto: imago sportfotodienst)

Überhaupt, die Seventies: Paul Breitner (links) hält mit seiner Urform des Minipli, einer Art Gorilla-Haartracht im Western-Stil, bis heute Starfigaros in Atem. Unvergessen schön, wie er in dieser Aufnahme von 1976 neben Günther Netzer im königlichen Dress von Real Madrid seine Discotolle präsentiert. Wer braucht Cristiano Ronaldos Gel-Exzesse, wenn er solche Prachtkerle haben kann?

© SZ.de/jbe - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Jetzt entdecken

Gutscheine: