Haile Gebrselassie hat es geschafft: Mit zwei Stunden, vier Minuten und 26 Sekunden stellt der Äthiopier beim Marathon in Berlin einen neuen Weltrekord auf. Bei den Frauen schafft es seine Landsfrau Gete Wami als Erste ins Ziel.
Lauf-Idol Haile Gebrselassie hat sich beim Berlin-Marathon mit dem Weltrekord von 2:04:26 Stunden endgültig zum "König der Läufer" gekürt. Der Äthiopier erfüllte sich mit seinem vierten Sieg beim siebten Marathon-Start den großen Traum vom ersten Weltrekord auf der klassischen 42,195-km-Distanz und war dabei 29 Sekunden schneller als sein kenianischer Freund Paul Tergat, der vier Jahre zuvor an gleicher Stelle 2:04:55 erzielt hatte. Für Gebrselassie war es der 25. Weltrekord seiner Karriere, wobei nicht alle auch Anerkennung fanden, weshalb es unterschiedliche Zählweisen gibt.
Glückliche Gewinner: Gete Wami und Haile Gebrselassie kommen als schnellste Läufer in Berlin ins Ziel. (© Foto: dpa)
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"Das ist ein ganz besonderer Moment, sehr spektakulär. Ich bedanke mich bei den deutschen Fans", sagte der 34-Jährige nur Sekunden nach dem Zieleinlauf und wirkte dabei wie nach einem entspannenden Sonntagsspaziergang. Mit seinem unvergleichlichen Lächeln im Gesicht entschuldigte er sich bei mehreren Hundertausend Zuschauern, die ihm bei mäßigem Wind und fast idealen Temperaturen von 14 Grad mit ohrenbetäubendem Lärm zur Rekordmarke getrieben hatten: "Ich habe euch ja 2:03 versprochen, aber was soll ich machen?"
Nur wenige Minuten später bat er auch Paul Tergat um Verzeihung, der direkt zum Telefonhörer gegriffen hatte, um Gebrselassie zu gratulieren. "Es tut mir leid für Paul, er ist ja mein Freund. Aber er hat Verständnis dafür. Ich habe ihm gesagt: Entschuldigung, versuche nächstes Jahr doch, dir den Rekord zurückzuholen."
Zugleich dachte der zweimalige 10.000-m-Olympiasieger und viermalige Weltmeister auf dieser Distanz schon an die letzten beiden Zacken, die ihm nun noch in der Läuferkrone fehlen: "Jetzt will ich 2008 Olympiagold im Marathon und 2009 in Berlin WM-Gold holen. Berlin ist meine Lieblingsstadt."
Gebrselassie, der sich seit 2005 auf den Marathon konzentriert und nur noch gelegentlich Bahnrennen absolivert, sicherte sich neben 50.000 Euro Siegprämie einen Weltrekordbonus in gleicher Höhe, zudem kassierte er geschätzte 250.000 Euro Antrittsgage. Im Gegenzug schenkte er dem Berlin-Marathon bei dessen 34. Auflage den sechsten Weltrekord seiner Geschichte, nachdem er im Vorjahr bei seinem Sieg noch um 61 Sekunden an der Bestmarke vorbei gelaufen war.
Ein überragendes Marathondebüt gab die 5000-m-Olympiasiebte Irina Mikitenko (Wattenscheid), die in starken 2:24:51 Zweite wurde, während Äthiopiens Gete Wami in 2:23:17 ihren Vorjahressieg wiederholte. "Mein Mann hat mich immer gebremst und gesagt, ich soll ruhig bleiben, weil der Marathon erst auf den letzten Kilometern anfängt. Aber bei km 37 habe ich die Nerven verloren und ließ mich nicht mehr aufhalten", sagte die 35-Jährige, die 1996 als Spätaussiedlerin mit Mann Alexander nach Hessen gekommen war und die Olympianorm für Peking (2:31) deutlich unterbot. Sie ist nun drittbeste deutsche Marathonläuferin aller Zeiten hinter Uta Pippig (Berlin/2:21:45) und Katrin Dörre-Heinig (Leipzig/2:24:35).
Bei den Männern landeten die Kenianer Abel Kirui (2:06:51) und Salim Kipsang (2:07:29) auf den Plätzen. Sie verloren den ab Kilometer 30 allein laufenden Gebrselassie schon zu Beginn aus den Augen, dabei hatte dieser wie Tergat vor vier Jahren die erste Hälfte in 62:29 Minuten 32 Sekunden langsamer absolviert als die zweite. "Ich denke, das war das Erfolgsrezept."
Hochkarätige Tempomacher wie Hamburg-Marathonsieger Rodgers Rop (Kenia) sorgten dafür, dass der äthiopische Wunderläufer trotz des verhaltenen Beginns vom ersten Meter an auf Rekordkurs war. Bester Deutscher wurde Falk Cierpinski (Halle/S.), Sohn des zweimaligen Marathon-Olympiasiegers Waldemar, der sich auf 2:19:06 steigerte und Rang 23 belegte.
Der Berlin-Marathon ist das viertgrößte 42,195-km-Rennen der Welt und zählt neben New York, London, Chicago und Boston zu den World Marathon Majors (WMM), der Champions League der Marathonläufe. Pünktlich um 9 Uhr hatte Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit die 40.000 gemeldeten Läufer auf die Strecke geschickt.
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(sid)
Berliner Zeitung
Guten Tag,
streng genommen lässt sich der Begriff "Weltrekord" nicht auf den Marathonlauf anwenden. Anders als z.B. der 400m-Lauf, der immer auf einer Stadionrunde auf einer Tartanbahn absolviert wird, ist jeder Marathon verschieden. 42km zu laufen, die über eine hügelige Mittelgebirgsstrecke führen - wie vor kurzem der Pfälzer-Wald-Marathon bei Pirmasens -, sind etwas anderes als eine Flachstrecke mit nur ganz geringen Höhenunterschieden, wie etwa in Berlin (wo ich selbst 2004 meine Marathon-Bestzeit gelaufen bin). Aus diesem Grund sollte eher von Streckenrekord gesprochen werden, das bezöge sich nur auf den jeweiligen Marathonlauf, von dem gerade die Rede ist.
Von Marathon-Weltrekord könnte dagegen gesprochen werden, wenn es eine weltweit einheitliche, standardisierte Marathonstrecke gäbe - indem die Läufer z.B. 105 mal die Stadionrunde laufen.:)
MfG
Mark Krieger