Jack Warner Symbolfigur für die Schamlosigkeit der Fifa

  • Jack Warner ist seit Jahren Symbolfigur für die mutmaßlich kriminellen Geschäfte im Weltfußball.
  • Bei der Vergabe der WM nach Südafrika soll er zehn Millionen Dollar kassiert haben.
  • Es wundere ihn, sagte Warner bei seiner Verhaftung, dass Blatters Name nicht in der Anklage stehe.
Von Nicolas Richter

Das Eröffnungsspiel der Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika wird am 11. Juni 2010 um 16 Uhr angepfiffen, der Gastgeber spielt gegen Mexiko. Anscheinend steht der ganze Wettbewerb noch bevor, aber in Wahrheit ist er längst gelaufen. Der eigentliche Wettbewerb um Prestige und Geld hat sechs Jahre früher stattgefunden, als das Exekutiv-Komitee der Fifa den Austragungsort für 2010 auswählt. Drei afrikanische Länder haben sich beworben: Ägypten, Marokko und Südafrika.

Jack Warner, ein Fußball-Funktionär aus dem Karibikstaat Trinidad und Tobago, gehört damals zu jenen, die den Sieger bestimmen sollen; als Vertreter der nord- und mittelamerikanischen Fußballverbände und Mitglied im Exekutiv-Komitee der Fifa hat er eine Stimme. Warner ist damals ein gefragter Mann. Als er sich im Mai 2004 in Marokko aufhält, bietet ihm ein Emissär des örtlichen Bewerbungs-Komitees eine Million Dollar, damit er für den nordafrikanischen Staat stimmt. Wie sich bald herausstellt, ist eine Million Dollar ein geradezu rührend naives Angebot. Die Südafrikaner haben wesentlich mehr zu bieten.

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Warner ist seit Jahren Symbolfigur für die mutmaßlich kriminellen Geschäfte im Weltfußball, er ist aber nie verurteilt worden. Die Vorwürfe gegen ihn sind zeitweise so hartnäckig, dass die Fifa sogar selbst gegen ihn vorgeht: Deren Ethikkommission ermittelt 2011 wegen Bestechlichkeit gegen Warner, er ist damals Vizepräsident des Weltverbands. Warner verlässt die Organisation, wohl um sich einer Sanktion zu entziehen. Er erklärt damals, Leute im Verband hätten "in unvorstellbarer Weise versucht, mich zu unterminieren".

Als er ausscheidet, stellt die Fifa ihre Korruptionsermittlungen gegen ihn ein. Doch nun gewährt eine 161-seitige Klageschrift aus den USA neue Einblicke in ein System, in dem sich Vertreter der Fifa über Jahrzehnte so unbekümmert wie maßlos selbst bereichert haben. 14 Verdächtige haben die Strafverfolger nun angeklagt, es dürften weitere folgen. Wie US-Justizministerin Loretta Lynch am Mittwoch erklärt, ist die Korruption "systemisch". "Wieder und wieder" hätten sich die Verantwortlichen bestechen lassen, sagt Lynch, "Jahr für Jahr, Turnier für Turnier".