Begnadigte Ultras Polizei reagiert empört

Die Münchner Polizei hingegen reagierte empört auf die neue, ungeahnte Liberalität des FC Bayern. Man sei in die Entscheidung über die Aussetzung der Stadionverbote "nicht eingebunden" gewesen, erklärte ein Polizeisprecher. Es handle sich um ein "falsches Signal" an die von der Polizei so bezeichneten Fußballrandalierer.

"Die begnadigten Personen sind die, die bei der nächsten Partie dann wieder unseren Einsatzkräften gegenüberstehen und Ärger machen", sagt Baumann. Zudem dauerten die Ermittlungen gegen viele dieser Personen an. Einen solchen Alleingang eines Fußballvereins in München habe man noch nicht erlebt, heißt es im Münchner Präsidium. Die Polizei habe nur von der Entscheidung erfahren, weil am 11. August Kopien der sogenannten Aussetzungsschreiben im Präsidium eingegangen seien. Der FC Bayern München, so der Vorwurf, verstoße gegen DFB-Richtlinien zu Stadionverboten.

Guardiolas verschleppte Revolution

Mit dem teuren Transfer von Verteidiger Mehdi Benatia im Sommer-Schlussverkauf lindert der FC Bayern seine schlimmsten Personalsorgen. Doch insgesamt fehlen klare Signale im Sinne jener fußballerischen Kultur-Revolution, die Trainer Pep Guardiola plant. Kommentar von Klaus Hoeltzenbein mehr ... Meinung

Bayern-Sprecher Hörwick widerspricht der Polizei vehement. Es stimme nicht, was die Polizei da sage. "Wir waren noch vor einigen Wochen in Gesprächen mit dem Polizei-Einsatzleiter. Er hat den Inhalt der Gespräche an das Polizeipräsidium weitergegeben." Die Entscheidung über die Aussetzung der Verbote sei vor 14 Tagen gefallen.

Zu den 32 Stadionverboten, die aus den Krawallen beim Nürnberg-Spiel resultierten, sagt Hörwick: "Es ist in noch keinem einzigen Fall zu einem Prozess oder gar zu einer Verurteilung gekommen." Es gelte die Unschuldsvermutung. Und mit der Aussetzung zur Bewährung bewege man sich sehr wohl innerhalb der DFB-Statuten.

Der FC Bayern beruft sich auf die Unschuldsvermutung - das ist im Verhältnis des Vereins zu seinen Fans keine Trendwende, es ist eine Revolution. Die Vereinsspitze stärkt Schickeria-Fans und anderen Anhängergruppen gegen die Polizei den Rücken: Dieser Mittwoch dürfte einmalig gewesen sein in der Klubhistorie.