Gemeinsames Sportschauen ist in China eine unsichere Sache - Versammlungen sind verboten. Aus der Serie "Reporterleben in Peking".
Public Viewing in Peking? Nicht wirklich. Es gibt zwar einige Großleinwände in der City, so wie die in der Einkaufsmeile Wangfuying Dajie, die den Namen wirklich verdient hat. Mindestens strafraumgroß ist der Bildschirm, der sich hoch über der Straße an die Fassade einer Shopping-Mall schmiegt. Spektakuläre Bilder, doch das Interesse der Passanten hält sich in Grenzen. Lediglich ein paar Sport-Fans machen es sich zuweilen auf der gegenüberliegenden Straßenseite auf dem Boden gemütlich.
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Party in Peking? Vielleicht. (© Foto: AFP)
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Richtig monumental geht es ein paar Kilometer weiter im Central Business District zu. Im Einkaufszentrum "The Place" steht der größte LED-Bildschirm Asiens, der zweitgrößte der Welt. 250 Meter lang, 30 Meter breit. Doch während der Spiele hat sich ein amerikanischer Brausebrauer die Fläche gesichert: keine Bilder von Olympia. Schade.
Olympia-Fans müssen also doch wieder rein in die Bars und Restaurants, wo TV-Schirme obligatorisch sind. Auch im eigenen Wohnzimmer hat der Chinese gern einen Riesenbildschirm, erzählen Einheimische. Bei der Eröffnungsfeier am Freitag spielten sich in einem dieser Restaurants denkwürdige Szenen ab. Viele Europäer, Australier und Amerikaner verfolgten dort am Schirm den Einmarsch der Nationen, eine Gruppe von Mexikanerinnen gewann den internen Jubelwettbewerb knapp vor der auch sehr phonstarken russischen Delegation. Das gut zehnköpfige Team Deutschland belegte erwartungsgemäß nur einen Mittelfeldplatz. Irgendwie liegt uns das nicht. Macht ja nix.
Als George W. Bush und Nicolas Sarkozy ins Bild kommen, sind wir uns noch einig: Buh-Rufe, Pfiffe, Daumen runter, Hohngelächter. Doch als gegen Ende der Zeremonie die versammelte chinesische Staatsführung immer ausgiebiger ins Bild gesetzt wird und der Jubel für diese Herrschaften ringsum beachtlich wächst, kommen doch Zweifel auf. Wie kommen all die Europäer dazu, diesen Burschen vom Politbüro lauthals zuzujubeln?
Denen wiederum sind diese Massenversammlungen sowieso ein Dorn im Auge. Als sich neulich bei der Fußball-Europameisterschaft eine Sportkneipe in der Nähe des Worker Stadiums zu einem Hot Spot für Fußballfans gemausert hatte, schritt die Ordnungsmacht ein. Mehrere Tausend Fans hatten dort noch das Halbfinale verfolgt, doch für das Endspiel mussten sie sich einen anderen Bildschirm suchen: Die Kneipe war geschlossen. Kein Fußball, kein Finale, keine Party. Größere Zusammenkünfte müssen schließlich angemeldet werden. In China herrscht Versammlungsverbot. Da will man auch Sport-Fans erst gar nicht auf den Geschmack kommen lassen.
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(sueddeutsche.de/hum)
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