Von Thomas Becker, Peking

Es ist so, wie gedacht: Warten auf eine Katastrophe, ständige Kontrollen und der Arbeitsplatz hat kein Fenster. Aus der Reihe "Reporterleben bei Olympia".

Für einen Journalisten sind die Olympischen Spiele in Peking eine besondere Herausforderung: Internet-Zensur, ständige Kontrollen und kaum Zugang zu berichtenswerten Orten. Der sueddeutsche.de-Reporter Thomas Becker berichtet von seinen Erlebnissen als Journalist aus Peking. Folge eins.

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Der Himmel ist grau, die Straßen auch - aber den Menschen wurde gute Laune verordnet. (© Foto: dpa)

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Touchdown, gelandet. Fühlt sich auch nicht anders an, dieses China. Im Flieger: für lange Menschen genauso wenig Platz wie in den West-Fliegern dieser Welt. Immerhin: Auch die Beachvolleyball-Stars aus Brasilien fliegen bloß Holzklasse, kauen mäßig begeistert auf handelsüblichem Huhn mit Reis herum. Dazu: chinesischer Rotwein, "The Great Wall". Gar nicht übel. So weit, so gewöhnlich.

Auch ein paar Stunden später ist erst mal alles so, wie man es sich vorgestellt hat. Heiß. Stickig. Drückend. Und im nächsten Moment eiskalt, airconditioned. Überall militante Dauerlächler und andere Uniformierte, die Finger immer schön an der Hosennaht. Auf jeder größeren Straße: Feuerwehrwagen mit laufendem Motor, auf irgendeine Katastrophe wartend. Kontrolle allerorten: in der Hotel-Lobby, vor dem Einsteigen in den Shuttle-Bus. Eine Kaugummipackung wirkt verdächtigt: Auspacken! Rausnehmen! Reinbeißen! Okay, ist anscheinend wirklich kein Sprengstoff drin.

In allen Gebäuden wird in einem fort gewischt, gewedelt, gewienert - man fühlt sich regelrecht verfolgt von dieser Putz-Hydra. Dass der Taxifahrer kein Englisch spricht, versteht sich ja von selbst. Am falschen Hotel hätte er deswegen aber nicht halten müssen. Und die Sonne lacht nicht dazu: alles grau in grau, wie sonst?

Der Eindruck verstärkt sich, wenn der Computer unten im fensterfreien Pressezentrum erst mal läuft: Schon wieder Meldungen von erwischten Dopern (schon wieder aus Russland), von unliebsamen Journalisten, die sich auf dem Tiananmen-Platz mit Menschen unterhalten haben - Unverschämtheit, das.

Die Behörden hätten's gern vorher gewusst: "Eine Vorabinformation würde uns helfen, besser Unterstützung zu leisten", teilte das Verwaltungskomitee für den Platz mit. Auch die olympische Fackel musste umdisponieren: Auf der vorletzten Etappe ihrer unglaublichen 137.000 Kilometer langen Reise wurde mal wieder die geplante Route geändert - aus Angst vor Protesten. Mittendrin im Reich der Mitte - ein Spaß.

Wie lange dauern die Spiele eigentlich noch? Was, noch gar nicht angefangen? Auweia!

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(sueddeutsche.de/jüsc)