Franz Beckenbauer hat künftig mehr zu melden im Welt-Fußballverband Fifa. Er zieht ins Exekutivkomitee ein - und kümmert sich als "Botschafter" um ärmere Länder, vor allem in Afrika.
Freie Wahl für den "Kaiser": Franz Beckenbauer hat sich sein künftiges Betätigungsfeld als Spitzenfunktionär des Weltfußballverbands Fifa aussuchen dürfen - und von Verbandsboss Joseph Blatter keinerlei Vorschriften erhalten. "Ich habe ihn gefragt, was er machen will. Ich setze große Hoffnungen in Franz Beckenbauer", sagte Blatter vor dem am Mittwoch beginnenden Fifa-Kongress in Zürich.
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Als "Botschafter" will sich Beckenbauer künftig um die Belange der armen Fifa-Mitgliedsländer besonders auf seinem Lieblingskontinent Afrika kümmern. Zudem wird der 61-Jährige die Fifa-Fußballkommission leiten, in der Angelegenheiten von Spielern, Trainern und Schiedsrichtern koordiniert werden.
"Bei meinen vielen Reisen haben ich feststellen können, wo sich die Ärmsten der Armen befinden. Das ist in Afrika. Der Fußball ist dort ein unglaublich großer sozialer Faktor, besitzt riesige Erziehungsmöglichkeiten", sagte Beckenbauer. Seine neuen Aufgaben entsprächen genau seinen Neigungen.
"Dies kommt meinen Vorstellungen und Ideen sehr entgegen. International bin ich sehr an der Unterstützung der ärmsten unter den Fifa-Mitgliedern interessiert. Da will ich mich verstärkt einbringen", sagte der Präsident des FC Bayern München, der in der Fifa-Exekutive die Nachfolge von Gerhard Mayer-Vorfelder antritt.
Mehr noch als die so gut wie feststehende Wiederwahl von Präsident Blatter ist der Einzug Beckenbauers in die Fifa-Exekutive gerade für den deutschen Fußball von Bedeutung. Bei einem Gespräch in der so genannten "Wurstcorner" des neuen Fifa-Hauptquartiers in Zürich einigte sich das Duo auf die neuen internationalen Aufgaben des "Kaisers".
Am Sonntag, noch bevor Beckenbauer öffentlich Stellung genommen hatte, lüftete Blatter das bis dahin gut gehütete Geheimnis um die genaue Funktion Beckenbauers.
Beckenbauer habe den Wunsch geäußert, als "Botschafter" dorthin reisen zu können, "wo es den Menschen nicht so gut geht wie ihm und seiner Familie", so Blatter. Diese Rolle hatte er auch schon bei seiner Welcome-Tour 2006 für die 31 WM-Gastländer perfekt ausgeübt.
Am Montag flog Beckenbauer nach Zürich, wo der Kongress-Marathon mit einer Außerordentlichen Generalsversammlung der Uefa begann, bei der sich der Verbandschef Michel Platini mehr Rechte zusichern ließ. In der Europäischen Fußball-Union soll Beckenbauer künftig die Technische Kommission leiten. Im Uefa-Exekutivkomitee bleibt Mayer-Vorfelder noch bis 2009 als deutscher Vertreter.
Doch auch in der Fifa ist der Top-Funktionär trotz des Ausscheidens aus der Exekutive gefragt. "Es wäre ein Fehler der Verantwortlichen, seine außerordentlichen Kenntnisse nicht weiter zu nutzen", sagte Blatter. Der Fifa-Chef kann beruhigt seiner Wiederwahl am Donnerstag entgegensehen. Nach Kampfabstimmungen gegen Lennart Johansson (1998) und Issa Hayatou (2002) ist er diesmal der einzige und zudem unumstrittene Kandidat.
Auch die Fifa-Finanzen mit mehr als 750 Millionen Schweizer Franken Eigenkapital scheinen mustergültig organisiert zu sein. Nur intern scheint sich nach Berichten Schweizer Medien vom Pfingst-Wochenende ein Machtkampf zwischen dem in der Fifa-Zentrale nicht bedingungslos geschätzten Generalsekretär Urs Linsi und dem aufstrebenden Mediendirektor Markus Siegler abzuspielen. Gut möglich, dass Blatter kurz nach dem Kongress wieder Aufgaben verteilen wird.
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(sueddeutsche.de/sid)
Berliner Zeitung