Bayerns Martínez vor Valencia-Spiel Wunderknabe zurück in der warmen Heimat

Jetzt also die schwere Aufgabe Valencia: Trotz der souveränen Bundesliga-Tabellenführung ist der FC Bayern anfällig für leichte Rückschläge. Im sonnigen Spanien werden die zuletzt angeschlagenen Ribéry und Martínez dringend gebraucht - vor allem für den neuen Basken ist es ein besonderes Spiel.

Von Andreas Burkert, Valencia

Mitten auf der Kreuzung der Calle de Amadeo de Saboya von Valencia hat der Bus mit Münchner Kennzeichen halten dürfen, damit die Passagiere ohne Umwege ins Hotel gelangten. Die Einheimischen haben den nächsten Eingriff der Menschen aus Merkel-Land in ihren Alltag aber ohne Protest hingenommen; einige ließen sogar jauchzend und bei laufendem Motor ihren Wagen stehen, um ein Foto zu schießen von der deutschen Prominenz und vor allem von deren neuem Wunderknaben.

Er ist ja einer von ihnen und spanischer Fußballweltmeister dazu, Javier Martínez, 24. Der Baske blieb dann auch artig überall stehen und beglückte die auf prägnante Zehn-Sekunden-Interviews spezialisierten Radiostationen der Stadt ("Wie fühlst du dich!" - "Gut, schönes Wetter!") ebenso mit seinen Manieren wie die Damen von der Rezeption. Die quietschten vor Glück nach ihrem Schnappschuss.

Aber als Reiseführer haben die Bayern den teuersten Einkauf der Klubgeschichte bestimmt nicht dabei, obwohl die Begrüßung an der sonnigen Mittelmeerküste mit 21 Grad Freizeitgefühle auslöste im Münchner Tross. Das 1:3 Anfang Oktober in Weißrussland gegen Borissow setzt die Bayern an diesem Dienstagabend unter Druck - weil eine Niederlage verboten ist.

Ein Remis ist das Mindeste beim punktgleichen Achten der Primera División, angesichts des dann gewonnenen direkten Vergleichs (Hinspiel: 2:1) wäre es wohl gleichbedeutend mit Rang eins in Gruppe F. "Die einfache Rechnung ist: Wir müssen gewinnen, mindestens aber einen Punkt holen", sagt Kapitän Philipp Lahm. "Wir haben ja dann noch das Heimspiel gegen Borissow."

So weit die Fakten. Dass aber Fußball bisweilen ein seltsames Spiel ist, haben selbst die Bayern trotz ihres exzellenten Zwischenzeugnisses bereits erlebt. Borissow, der glückliche Sieg in Lille, zu Hause das 1:2 gegen Leverkusen oder nun das Remis beim Club: Auch die souveränen Münchner Tabellenführer bleiben anfällig für dezente Wellenbewegungen.

Das 1:1 in Nürnberg wird jedoch besonders Trainer Jupp Heynckes eher als Erfolg verbucht haben, als er vormittags im Flieger die Tabellen der europäischen Topligen studierte (wobei verbrieft ist, dass dieser 67-jährige Freak die Resultate schon am Sonntagabend kannte): In England gehen Chelsea und ManU mit Niederlagen in die Champions-League-Woche, desgleichen die Geldverbrenner aus Paris. Die Bayern? Haben ihr Personal geschont wegen des Duells im Estadio Mestalla. Sogar Lahm stand nach viereinhalb Jahren mal wieder nicht in der Startelf. Eine kleine Sensation war das.