Von Andreas Burkert

Nach dem torchancenlosen 0:2 von Cottbus erwägen die gedemütigten Bayern eine baldige Begnadigung von Martin Demichelis.

Niemand verlässt so lässig den Rasen wie Luca Toni, mit seinem breiten Gang schlendert er davon, in seinem Antlitz stets dieses angeborene Lächeln, das Sonnenkinder wohl selbst beim Blick auf das Forderungsschreiben des Finanzamtes nicht ablegen. Auch am späten Samstagnachmittag in Cottbus blieb der italienische Nationalspieler seinem Gemüt treu. Er schmunzelte vor sich hin, während neben ihm der Vereinsmanager mit einem Gesicht wie nach sieben Steuerforderungen binnen sieben Tagen dem Ausgang zustrebte und etwas weiter hinten der gut erzogene Trainer augenscheinlich mit sich rang, dem Personal nicht schon auf dem Spielfeld erste Beleidigungen zukommen zu lassen.

Fand deutliche Worte: Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld. (© Foto: AP)

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Nur Luca Toni mochte sich der Tragweite dieses angemessenen 0:2 beim Schlusslicht der Liga nicht hingeben. Dabei schlug ihm kurz vor den Katakomben nochmals die lärmende Abneigung des Cottbuser Publikums entgegen, er blickte in Gesichter, die sich vor Zorn verzogen wie der Teig unter den Händen des Pizzabäckers. Das Sonnenkind aus Modena lächelte sie trotzdem alle an, senkte aber immerhin provokant den Daumen. Arrivederci und Ciao.

Die gezielten Tiraden im ansonsten ausgelassenen Jubel über den neuesten Eintrag in der Münchner Pannenstatistik hat sich der Italiener hinterher sicherlich selbst erklären können. 93 Minuten hatte er mit dem Referee oder den Gegnern gehadert, Toni lamentierte und gestikulierte, er schien ständig nach Mamma zu rufen. Vermutlich ist auch Schiedsrichter Kinhöfer schon nach einer halben Stunde genervt gewesen und bat mit einem mehr als großzügigen Elfmeterpfiff um Erbarmen. Aber Ribéry scheiterte am Münchner im Energie-Tor, Gerhard Tremmel, der übrigens nicht nur den halbhoch angesetzten Schuss des Franzosen voraussah: "Mir war schon nach fünf Minuten klar, dass heute gegen die was gehen könnte."

Tonis diesmal arg überzogene Theatralik und Tremmels Gedankenschnelle gegen den Artisten der Bundesliga erzählen bereits sehr viel von dem, was sich da im vor Begeisterung beinahe berstenden Stadion der Freundschaft zutrug. Denn die Münchner präsentierten sich erst hinterher wach und mannhaft und verzichteten darauf, von einem jener Tag zu fabulieren, an dem eben gar nichts gehe. Trainer Ottmar Hitzfeld hat sich ja sowieso abgewöhnt, in seiner finalen Münchner Saison mit diplomatischen Verrenkungen die zarten Seelen seiner Stars zu schonen. Worte wie "Selbstüberschätzung", "lasche Einstellung" und "Überheblichkeit" verwendete er ohne Scheu in seiner Analyse; auch Uli Hoeneß, der lange in der Kabine weilte und sich dann merklich um Contenance bemühte, bevorzugte die klare Stellungnahme. "Das sagt doch schon alles, wenn der Tabellenletzte völlig verdient gegen den Ersten gewinnt", sagte der Manager, "wir haben die Bundesliga wieder spannend gemacht mit dieser Niederlage, mit der kein Mensch gerechnet hat - deswegen sind wir auch richtig sauer."

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