Von Benedikt Warmbrunn

Der torgefährliche Bayern-Mittelfeldspieler Thomas Müller startet rasant seine Reise durch den Profifußball - und sorgt bei der TSG Hoffenheim schon für Interesse.

Es können Kleinigkeiten sein, die den aktuellen Stand der Karriere widerspiegeln. So hatte Thomas Müller am Freitagmittag nur eine knappe Minute Zeit zu reden. Er wollte die anderen nicht warten lassen, zum Teil saßen sie ja schon im Mannschaftsbus. Die anderen, das waren an diesem Freitag nicht seine Mitspieler vom FC Bayern II. Die anderen waren Bastian Schweinsteiger, Miroslav Klose, solche Leute. Schließlich reiste Müller, 19, mit der Bundesligamannschaft zum Spiel nach Bochum, genauso wie Bayern-II-Stürmer Deniz Yilmaz. Aber ganz kurz erzählte Müller trotzdem, es lagen ja bewegende Tage hinter ihm. "Das ist alles schon ein geiles Gefühl, es hat einen Riesenspaß gemacht", sagte der Mittelfeldspieler jugendlich erfrischend.

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Bayern-Talent Thomas Müller erzielte in seinem ersten Champions-League-Spiel gleich ein Tor. (© Foto: Getty)

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Am Dienstagabend, beim 7:1 der Bayern gegen ein überfordertes Sporting Lissabon, wurde Thomas Müller erstmals in der Champions League eingesetzt, das 5:1 von Mark van Bommel bereitete er mit vor, den Endstand erzielte er selbst. Seitdem hat Müller erlebt, was auf einen in der Welt des Profifußballs einprasselt, wenn es gut läuft. Es kann dann ziemlich schnell und steil hinaufgehen, zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung. Müller genügten dazu 18 Minuten Spielzeit an einem Champions-League-Abend sowie ein Nachname, der im Fußball, besonders beim FC Bayern, stark vorbelastet ist.

Natürlich wurden sofort die Vergleiche gezogen zu Gerd Müller, dem Bomber der Nation. Der Treffer des jungen Müllers gegen Lissabon war auch noch ein Abstaubertor, ehemals die Stärke vom großen Gerd. Nun nennt die Boulevard-Presse Thomas Müller entweder den "kleinen Bomber" oder "Bomberlein". Die Bild taufte ihn zudem "Turtel-Thomas", weil er nach dem Spiel seine Freundin mit einem Kuss fürs Daumendrücken belohnte. Lisa heißt sie übrigens, das weiß jetzt jeder, auch, dass die beiden schon verlobt sind.

Das Problem könnte für Müller nun werden, dass er zu diesem frühen Zeitpunkt seiner Karriere die Balance verliert. Noch ist das öffentliche Huldigen seinem eigentlichen Leistungsstand weit voraus. So lobte Gerd Müller, als Co-Trainer des FC Bayern II bestens über das Können von Thomas Müller informiert, in der AZ: "Aus nix macht der auch ein Tor." Das ist mitunter schon richtig. In der vergangenen Spielzeit erzielte Müller für die A-Jugend des FC Bayern in 26 Spielen 18 Tore, in dieser Saison traf er für den FC Bayern II in 22 Spielen neunmal.

Damit ist er als Mittelfeldspieler der erfolgreichste Schütze des Drittligateams. "Er weiß, wo das Tor steht", sagt Hermann Gerland, sein Trainer bei Bayern II. Müller ist ein Energiebündel, unbeirrt startet er ein Dribbling nach dem anderen. Der 1,86-Meter-Schlacks, von seinen Mitspielern der Einfachheit halber "Müller" gerufen, kurvt dann in hohem Tempo durch die gegnerischen Reihen, geschickt wie eine Schlange durch meterhohes Unterholz. "Er ist spielerisch gut, ausgeschlafen, fit in den Beinen, gut beim Kopfball", sagt Gerland.

Der Haken an solchen Komplimenten des Bayern-II-Trainers ist: Das Aber kommt sofort. "Thomas muss in allen Bereichen dazu lernen. Vor allem muss seine Trainingsbereitschaft wachsen", sagt Gerland, "der liebe Gott hat ihn mit reichlich Talent gesegnet. Er hat das Zeug, es zu packen. Aber er muss den Willen haben, täglich dazuzulernen." Zu oft ist Müller in Spielsituationen zu eigensinnig. Sein momentan größtes Manko: das Defensivverhalten. Regelmäßig lässt er den rechten Verteidiger im Stich. Jeder Meter weiter nach hinten ist schließlich einer weiter weg vom gegnerischen Tor.

Seine Fähigkeiten bleiben dennoch unbestritten. Im Winter fragte Hoffenheim an, Müller lehnte ab. Der FCB reagierte schnell mit einem Lizenzspielervertrag. "Wir kennen sein Talent und sind dabei, ihn langsam aufzubauen", sagt Cheftrainer Jürgen Klinsmann. Langsam, solche Vokabeln fehlen zumeist im Wortschatz eines Nachwuchsspielers. "Ich will dranbleiben", sagt Müller, "wenn ich eine Chance kriege, will ich sie nutzen." Dann eilte er zurück zum Mannschaftsbus. Er weiß: Pünktlichkeit ist eine Kardinaltugend auf der rasanten Reise durch den Profifußball.

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(SZ vom 14.03.2009)