Von Jürgen Schmieder

Nach dem 3:0 gegen Leverkusen debattieren die Münchner, ob sie sich darüber ärgern müssen, nicht mehr Tore im Fernduell gegen Wolfsburg erzielt zu haben.

Luca Toni war natürlich der völlig falsche Stürmer für dieses Spiel gegen Bayer Leverkusen. Zwar traf der Italiener zum siebten Mal in dieser Spielzeit zum 1:0 für den FC Bayern, es war das 20. Mal innerhalb von nur zwei Jahren, dass er die Münchner in der Bundesliga in Führung brachte. Toni gehört jedoch nicht zu jener Spezies Angreifer, die ihre Torbilanz dadurch beschönigen, indem sie das 4:0 oder 5:0 oder 6:0 in einer längst entschiedenen Partie erzielen - doch diesen ansonsten eher verlachten Stürmer hätte der FC Bayern an diesem Abend gebraucht.

Bild vergrößern

Zweikampf unter sich: Die Bayern-Spieler Mark van Bommel (l.) und Martin Demichelis. (© Foto: Getty)

Anzeige

3:0 endete die Partie gegen Bayer Leverkusen, eigentlich ein gutes Ergebnis - und doch wussten sie beim FC Bayern nicht so recht, ob sie sich nun freuen dürfen über die drei Punkte im Kampf um die Deutsche Meisterschaft oder ob sie sich ärgern müssen, weil die Mannschaft am Ende nicht noch mehr Tore erzielen konnte. Das lag vor allem daran, dass der Tabellenführer VfL Wolfsburg ebenfalls mit 3:0 siegte, so dass der Rückstand nach wie vor null Punkte und drei Tore (zwei Tore Differenz, dazu weniger erzielte Treffer) beträgt. Zudem gewann auch Hertha BSC in Köln und liegt nur einen Punkt hinter Wolfsburg und dem FC Bayern.

"Es ist schade, dass die Mannschaft es nicht verstanden hat, aus den zahlreichen Möglichkeiten mehr Tore zu machen", sagte Jupp Heynckes nach dem Spiel. Der Bayern-Trainer meinte vor allem die letzten 20 Minuten, als seine Mannschaft durch die Treffer von Toni, Franck Ribéry und Lukas Podolski 3:0 führte und die Leverkusener Spieler sich daran erinnerten, dass sie am liebsten ausgeruht in das DFB-Pokal-Finale gehen würden.

Jeder Münchner Offensivspieler stand mindestens ein Mal allein vor René Adler, ein Tor konnte jedoch keiner mehr erzielen. Lucio und Podolski scheiterten am glänzend aufgelegten Schlussmann, Zé Roberto an seiner Überheblichkeit, Miroslav Klose an der Latte - und Luca Toni daran, dass er völlig untypisch den Ball zwei Mal perfekt traf und deshalb neben das Tor schoss. Adler kam gar nicht dazu, seine Vorderleute für das mangelnde Defensivverhalten zu rügen, weil stets schon ein neuer Angriff sein Tor bedrohte.

"Falls am Ende das Torverhältnis den Ausschlag gibt, dann wäre das natürlich besonders ärgerlich", sagte Manager Uli Hoeneß. Er mag wohl auch noch an das direkte Duell mit den Wolfsburgern vor wenigen Wochen gedacht haben (1:5), das im Nachhinein betrachtet nicht nur ein Sechs-Punkte-, sondern auch ein Acht-Tore-Spiel war. Hoeneß betonte aber: "Wichtig ist, dass wir in der zweiten Halbzeit gut gespielt und verdient gewonnen haben."

Die erste Halbzeit hatten Akteure und Verantwortliche da längst verdrängt, dabei spielte die Mannschaft in den ersten 45 Minuten nicht so, als würde sie um die Deutsche Meisterschaft kämpfen, sondern vielmehr um mehrere Einträge ins Guiness-Buch der Rekorde in den Kategorien "meiste Fehlpässe", "geringste Kreativität" und "kürzeste Laufwege".

Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite

  1. Sie lesen jetzt Wenn Sieger zweifeln
  2. Die zweite Halbzeit
Leser empfehlen 
Lesetipp aus der aktuellen SZ: "Ich war nie schuld. Nie. Nie. Nie."

Torwartlegende Sepp Maier im Interview. SZ am Wochenende Jetzt lesen ...