Es war ein holpriger Sieg in einem holprigen Spiel: Mit einer mäßigen Leistung gewinnen die Münchner zum Auftakt der Champions League 1:0 bei Rapid.
In der 86. Minute schien alles klar zu sein, Roy Makaay strebte allein dem Tor entgegen, und jeder weiß, dass das bedeutet: Er trifft. Makaay aber, immer noch angeschlagen, schoss über das Tor, und so musste der FC Bayern München noch vier reguläre Minuten plus vier Minuten Nachspielzeit warten, bis er zum Auftakt der Champions League 1:0 (0:0) bei Rapid Wien gewonnen hatte. Es war ein holpriger Sieg in einem holprigen Spiel gewesen, der die Frage aufwirft, wie sehr die Bayern mittlerweile von Michael Ballack abhängig sind, der am Mittwochabend verletzt fehlte.
Der Mann und sein Spielzeug: Bastian Schweinsteiger fixiert den Ball (© Foto: AFP)
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Trainer Felix Magath hatte ein wohl gehütetes Geheimnis daraus gemacht, wer Ballack in der zentralen Position ersetzen würde. Kandidaten gab es genug, Ali Karimi, Zé Roberto und natürlich Sebastian Deisler, der darauf brannte, endlich einmal wieder in der Startelf zu stehen - und der im Fehlen Ballacks seine große Chance sah, statt auf der Außenbahn in der Zentrale glänzen zu können. Außenseiter als Ballack-Ersatz war Mehmet Scholl, Ballack-Ersatz wurde Mehmet Scholl, Zé Roberto spielte wie gewohnt auf der linken Außenbahn.
Noch am Mittwochmorgen, bei einem Spaziergang durch Wien, hatte keiner der Kandidaten gewusst, wer würde auflaufen dürfen. Mehmet Scholl sagte, dass er natürlich gern spielen würde, und Felix Magath sagte eher unbestimmt: "Wir arbeiten daran." Er betrieb die Geheimniskrämerei, weil er alle Spieler in Spannung halten wollte, jeder sollte das Gefühl haben, an diesem Abend im Ernst-Happel-Stadion auf dem Platz stehen zu können. Scholl hatte das Gefühl fast vergessen: Vor dem gestrigen Abend stand er zuletzt am 30. November 2002 gegen den FC Nantes in der Startformation bei einem Champions-League-Spiel.
Nach einer äußerst ruhigen Anfangsphase spielte Scholl in der 27. Minute einen Traumpass auf Claudio Pizarro, der sich frei vor dem Wiener Tor wiederfand. Doch statt den Ball in dieses Tor hineinzuschießen, wartete er, schaute, schoss schließlich tatsächlich, aber so, das Torwart Helge Payer abwehren konnte. Zu diesem Zeitpunkt konnte die Prognose des österreichischen Kabarettisten Leo Lukas schon nicht mehr in Erfüllung gehen. Der hatte am Mittwoch den Bayern die Führung in der elften Minute prophezeit. Vom weiteren Fortgang der Partie hatte er ebenfalls eine genaue Vorstellung: Steffen Hofmann würde kurz vor der Pause den Ausgleich für Rapid besorgen, in der zweiten Halbzeit würden die Wiener die Münchner überrennen und ein munteres 5:1 herausspielen.
Diese Prognose passte zur gespannten Erwartung, die in Wien herrschte, einer Stadt, die sich sonst nur mäßig für Fußball interessiert. 47800 Zuschauer wohnten dem Vergleich bei, und als Hofmann freistehend eine Flanke von Marek Kincl nur knapp verpasste (40.) und kurz darauf Axel Lawaree den Ball aus vier Metern Entfernung über das Tor jagte (41.), da breitete sich im Stadion das Gefühl aus: Es könnte was gehen gegen den großen FC Bayern aus dem Nachbarland.
Entsprechend motiviert kam Rapid aus der Pause, und Steffen Hofmann zeigte, warum er als eminent gefährlicher Freistoßschütze gilt: Aus 25 Metern Entfernung jagte er den Ball aufs Tor, Oliver Kahn wurden von den Wucht des Schusses beide Hände an die Latte geschlagen; mit schmerzverzerrtem Gesicht musste der Torwart behandelt werden (51.). Das ging den Bayern nun doch etwas zu weit. Trainer Magath wechselte Paolo Guerrero für den angeschlagenen Claudio Pizarro ein, außerdem kam Martin Demichelis für Bixente Lizarazu (52.). Scholl und Roy Makaay unterstrichen die Ambitionen mit Schüssen (54./55.), Lúcio spielte im Mittelfeld fünf Wiener aus, ehe er umgerissen wurde. Damit war der Ton für die kommenden Minuten gesetzt.
Erneut war es nach einer Stunde Spielzeit Lúcio, der sich auf der linken Seite durchsetzte, seine Flanke erreichte Makaay, dessen Kopfball Torwart Payer nur abklatschen konnte. Den Abpraller nutzte Guerrero aus fünf Metern zum 0:1. Nun endlich lief für den FC Bayern alles nach Plan. Tief gestaffelt stand das Team jetzt auf dem Platz und sah den Wiener Angriffsbemühungen gelassen entgegen. Es ist eine nahezu klassische Situation im Fußball: Ein Team muss angreifen, für das andere ergibt sich die Möglichkeit zum Konter. Zum Beispiel in der 69.Minute, als Zé Roberto flankte, Makaay köpfte und Payer gerade noch abwehren konnte.
Spiele mit Beteiligung des FC Bayern pflegen entweder so weiterzugehen, dass der FCB noch ein, zwei Tore drauflegt - oder dass gar nichts mehr passiert. Alles sah nach letzterem aus, bis der eingewechselte Muhammet Hanifi Akagündüz sich im Münchner Strafraum fallen ließ. Schiedsrichter Alain Sars gab Strafstoß (81.). Jozef Valachachovic legte sich den Ball zurecht, er nahm Anlauf, und dann schoss er links neben das Tor.
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