Von Johannes Aumüller

Das 2:1 des FC Bayern gegen Leverkusen zeigt, warum nur er Deutscher Meister werden kann: Wenn es drauf ankommt, hat die Konkurrenz zu viel Respekt. Es schlägt die Stunde der Münchner.

In der Hitparade der Bayern-Begriffe der laufenden Saison dürfte das Wort Fernglas auf einem guten zweiten Platz liegen, nur knapp geschlagen von Rotation. Seit Manager Uli Hoeneß vor Saisonbeginn von seinem Wunsch sprach, die Konkurrenz doch gerne mal durchs Fernglas betrachten zu können, wird jeder Spieltag zum Dioptrien-Test: Wie weit liegen die Bayern denn nun vor ihrer Konkurrenz?

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Vorbereiter und Vollstrecker: Luca Toni und Miroslav Klose bejubeln das 1:0 (© Foto: dpa)

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Neun Spieltage vor dem Saisonende bleibt zu konstatieren: Die Fernglas-Weite ist noch nicht erreicht, und wird angesichts von derzeit sieben Punkten Vorsprung auf die ärgsten Verfolger wohl auch nicht mehr erreicht werden. Aber mehr als eine Lesebrillenstärke ist der Unterschied zwischen Bayern und der Konkurrenz schon.

Bayer Leverkusen jedenfalls hat sich beim 1:2 in München fürs Opernglas entschieden. Genügend Abstand halten und aus der Ehrenloge von den besten Plätzen des Theaters aus zuschauen, wie die Fußball-Künstler des in Bestbesetzung angetretenen FC Bayern problemlos einen Sieg erringen können.

Zufriedener Uli Hoeneß

"Fast meisterlich", rühmte Uli Hoeneß anschließend den Auftritt seiner Mannschaft. Der Gegner aus Leverkusen trug aber seinen Teil dazu bei, dass der immer starke Ribéry und der immer torgefährliche Toni (1:0 in der 17. Minute, 2:0 in der 59. Minute), der ungemein spielfreudige Zé Roberto und der aus seinem Formtief gekrochene Klose nach Herzenslust kombinieren und Torchancen en masse herausspielen durften - und den Bayern-Manager zu dieser Aussage verleiteten.

In der Defensive standen die Mannen von Trainer Michael Skibbe oft zu weit weg von den Gegenspielern. Im Angriffsspiel legte die so viel gerühmte Bayer-Offensive eine kaum gekannte Hasenfüßigkeit an den Tag. Mutlos und ohne Durchschlagskraft - mehr als zwei Chancen (Barbarez, Kießling) sprangen nicht heraus.

So respektvoll wie auf dem Rasen gaben sich die Leverkusener auch nach dem Abpfiff. Leider habe man nach dem überraschenden Anschlusstreffer des eingewechselten Dmitrij Bulykin (83.) keinen Eckball oder keinen Freistoß mehr in aussichtsreicher Position bekommen, bedauerte Mittelfeldmann Simon Rolfes. An die Möglichkeit, Torchancen auch herausspielen zu können, dachte er offenbar schon gar nicht mehr.

Sein Trainer Michael Skibbe stieß ins gleiche Horn. Er sei mit dem Ergebnis zufrieden, diktierte er den Journalisten in die Mikrofone. Die Qualität und die individuelle Klasse der Bayern seien wahrlich herauszustellen. Mit einer 1:2-Niederlage zufrieden zu sein, weil die Torchancen-Arie der Bayern nicht in einem 1:5 oder 1:6 gipfelte, ist vielleicht für einen im DFB-Pokal ausgeschiedenen Amateurverein akzeptabel - aber nicht gerade der angemessene Anspruch für den Trainer eines ambitionierten Champions-League-Platz-Anwärters. Es fehlte allein der Höflichkeitsknicks vor dem übermächtigen FC Bayern.

Völler lobt Klose

Auch Leverkusens Sportmanager Rudi Völler schloss sich dem Lob an. Er konnte unter der Rubrik "Sehenswertes des Spiels" allein die tolle Vorarbeit von Nationalstürmer Miroslav Klose zum 1:0 bemerken. An etwas Nennenswertes aus der eigenen Mannschaft konnte er sich nicht erinnern. Selbst Torschütze Dmitrij Bulykin fand nichts Positives: "Man kann sich über ein Tor nicht freuen, wenn die eigene Mannschaft verliert."

So reichlich floss das Lob für den Deutschen Rekordmeister, dass sich Toni & Co. gar nicht mehr selbst beweihräuchern mussten und ganz zurückhaltend auf die noch neun ausstehenden Saisonspiele verweisen konnten.

Nur zur Erinnerung: Es war der amtierende Tabellendritte, der da beim FC Bayern zu Gast war. Wenn schon die Leverkusener so sprechen, was sollen dann erst Bielefelder, Duisburger oder Cottbuser, ach ne: nehmen wir besser die in einer Woche auf dem Bayern-Programm stehenden Nürnberger sagen? Sollen die erst gar nicht antreten?

Die Bayern machen das clever. Sie leisten sich den Luxus, gegen Cottbus mal 0:2 zu verlieren. Aber wenn es drauf ankommt, wenn wie vor dem Spiel gegen Leverkusen der Vorsprung auf einen direkten Konkurrenten auf drei Zähler zu schrumpfen droht - dann schlägt ihre Stunde und dann sind sie kaum zu schlagen. Ihre besten Saisonspiele haben die Bayern gegen Bremen, Schalke und Leverkusen geliefert, die direkte Konkurrenz im Kampf um den Titel.

Gegen Leverkusen schien der Sieg zu keiner Sekunde in Gefahr zu sein, selbst nach dem Leverkusener Anschlusstreffer nicht. Klagen konnten die Bayern allenfalls über die nachlässige Chancenausbeute. Und vor allem mit Blick auf den Hamburger Punktverlust gegen Wolfsburg hat Uli Hoeneß wahrscheinlich Recht: Ja, gegen Leverkusen hat der neue Meister 2:1 gewonnen.

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(sueddeutsche.de/mati/gal)