Von Moritz Kielbassa

Gegen die Wucht von Manchester United und Topstürmer Rooney sind alle Münchner Mannschaftsteile gefordert - vorne wie hinten. Dabei liegt die Kunst in der taktischen Balance.

"Wir verteidigen alle. Alle elf!", sagte Mark van Bommel nach dem 2:3 des FC Bayern im Champions-League-Achtelfinale in Florenz. Der Kapitän wollte betonen: Nicht nur die Abwehr ist schuld an den zuletzt doch recht zahlreichen Gegentoren - die Tore weisen auch hin auf eine mögliche Gleichgewichtsstörung zwischen Offensive und Defensive. Vorigen Samstag, bei Stuttgarts 2:1, ließ Angreifer Ribéry die Flanke zu - und Angreifer Klose den Kopfball in der Mitte. Gegen Manchester United, die vielleicht kompakteste Fußball-Einheit Europas, wird neben den Fähigkeiten der Topspieler auch die den Trainern so heilige taktische Balance entscheiden. Für Bayern ist es eine Lernzielkontrolle auf höchstem Level - in allen Mannschaftsteilen.

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Wer soll den "Bullen" aufhalten? Die Bayern stehen im Champions-League-Viertelfinale vor dem Problem Wayne Rooney. (© Foto: dpa)

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Wegen der jüngsten Leistungs-Dellen wird in München gerade rege diskutiert über die richtige Mischung von Kärrnerarbeit - und spielentscheidender Kunst. Arjen Robben, der zuletzt wirkungsvollste Einzeldarsteller, fehlt gegen ManU wohl.

In den besseren Partien der Rückrunde ergänzten sich seine energetischen Dribblings, die mehrere Gegenspieler auf Trab halten, und der Ballbesitz des Kollektivs. Trainer van Gaal baut sich aus beiden Elementen eine Ermüdungsstrategie: Erst den Gegner mittels Passketten "kaputt spielen" - und ihn dann in der Schlussphase, häufig durch K.o.-Schläge von Ribéry oder Robben, auf die Bretter legen. Siehe: 1:0 gegen HSV, Ribéry. Siehe: 1:0 gegen Schalke, Robben.

Die Abhängigkeit von Robben/Ribéry war zuletzt wieder recht groß, nachdem vor Weihnachten andere die Spiele entschieden hatten. Eine Kardinalfrage ist auch: Arbeiten Ribéry und Robben genug nach hinten mit? Das ist zwar einerseits eine germanische Reflexdebatte; andererseits wäre es selbstmörderisch, sollten sich auch gegen Manchester mehrere Künstler vorne ausruhen oder nach hinten nur Alibi-Zweikämpfe führen.

Das sorgt, man weiß es, für Säuernis bei allen schuftenden Kollegen. Sonnenklar ist jedoch auch: Für ein Eisbrecher-Solo in der 112. Minute, wie jüngst im Pokal, hätte Robben keine Puste, würde er sich pausenlos auch defensiv aufopfern. Überspitzt gesagt: Ohne "Robbery" hakt es vorne; mit den beiden zuweilen hinten.

Manchester ist ein Musterbeispiel für geordnete Blockverteidigung und wuchtige Offensive. In wichtigen Spielen macht Coach Ferguson oft humorlos hinten die Schotten dicht, United staffelt sich dann tief, mit eng verzahnten Reihen, britisch zweikampfbetont. Der Gegner wird eher spät attackiert und bei Angriffen gezielt nach innen gelenkt, damit er sich dort an den robusten Sechsern (Carrick, Fletcher oder Scholes) festläuft. Das Umschalten erfolgt mit ungeheurer Rasanz, nach dem Ballgewinn explodiert die Mauer der Roten. Ihre Abwehrspieler sind im Schnitt nur 0,5 bis 0,8 Sekunden am Ball, auch durchs Mittelfeld wird die Kugel meist zügig weitergeleitet - es ist keine Kreativzentrale á la FC Barcelona.

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