Der FC Bayern hat Innenverteidiger Mats Hummels ziehen lassen - bei Borussia Dortmund empfiehlt sich der 21-Jährige beständig für die Nationalmannschaft.
Neuerdings ist auch Mats Hummels in jener Fernsehwerbung zu sehen, in der sich junge Fußballer um ein Glas Schokocreme streiten. Die Berufung in diesen Kader war wichtig. Wer dort die drögen Dialoge rund um den Brotaufstrich sprechen darf, ist entweder schon Nationalspieler oder gilt als Kandidat. Sonst wäre er für die Werbung ja gar nicht interessant.
Treffsicherer Verteidiger: Mats Hummels (links)lässt sich von Nelson Valdez zum Tor gratulieren. (© Foto: ddp)
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Bundestrainer Joachim Löw ziert sich zwar noch, aber wenn der intelligente Lockenkopf Hummels so weiterspielt, wird sich das geben. "Urlaub! Oder vielleicht doch zur WM nach Südafrika?", sagt Hummels, wenn er nach seinen Sommerplänen gefragt wird. "Im Moment sieht es eher nach Urlaub aus", glaubt er.
13 Bundesligaspiele hat der 21-jährige Innenverteidiger von Borussia Dortmund noch, um sich zu zeigen und vielleicht doch noch in den deutschen WM-Kader zu rutschen. Mit dem BVB spielt der beim FC Bayern ausgebildete Fußballer um den Einzug in den Europapokal - und persönlich um seine Reise zur WM in Südafrika.
An diesem Samstag kehrt Hummels nun nach München zurück, aber nur für ein Spiel. "Den hätten wir nie verkaufen dürfen", sagt Hermann Gerland, der Talentbeauftragte der Bayern. Im vergangenen Sommer, als Louis van Gaal noch nicht da war und Jürgen Klinsmann nicht mehr, erschienen der Klubleitung 4,2 Millionen Euro Ablöse mehr wert als ein Abwehrtalent, das nun bis vorerst 2013 der Borussia gehört.
2007 hatte Hummels beim FC Bayern einen Profivertrag erhalten, aber als er dann zu den Profis kam, "spielten Lúcio und Demichelis sensationell", wie er selbst sagt. Deshalb wurde er im Januar 2008 nach Dortmund ausgeliehen. Im Sommer 2009 haben die Münchener ihn nicht zurückgeholt, sondern verkauft.
Man kann nur ahnen, wie sich Hummels unter van Gaal machen würde. Womöglich stünde er wie Thomas Müller und Holger Badstuber in der Startelf, würde in der Champions League spielen und wäre vom Bundestrainer schon eingeladen. So aber spielt er, vom Fachblatt kicker als sechstbester Abwehrspieler der Liga benotet, mit Dortmund um den Einzug in die Europa League und hofft auf Löws Anruf.
Viel besser als Hummels - hinten sicher dank präzisem Timing beim Grätschen und Kopfballspiel, in der Spieleröffnung mit Übersicht und vorne mit fünf Treffern zudem torgefährlich - kann ein 21-Jähriger wohl kaum spielen. "Wenn man sieht, wen der DFB schon eingeladen hat, hätte Mats längst dabei sein müssen", findet Hummels' Mitspieler Neven Subotic. Partei ergreifen für ihn auch BVB-Chef Hans-Joachim Watzke ("Ich glaube, dass Mats noch vor der WM Nationalspieler wird") und der jetzige Van-Gaal-Assistent Gerland.
Der Innenverteidiger Hummels bildet in Dortmund ein Abwehrquadrat mit Nebenmann Subotic, 21, sowie den Vorderleuten Nuri Sahin, 21, und Sven Bender, 20. Die vier stellen den jüngsten Defensivblock der Liga. Hummels kann auch jederzeit an die Seite von Sahin vorrücken. Vor der Abwehrkette hat er auch am 29. Juni 2009 gespielt, als die deutsche U21-Nationalmannschaft in Malmö das EM-Finale gegen England 4:0 gewann. Es war eines seiner besten Spiele.
Hummels ist vielseitig. Mit sechs Jahren hat er beim FC Bayern mit dem Fußball begonnen. In der E-Jugend, sagt er, habe er in einer Saison mal 100 Tore geschossen. Bis 15 war er Mittelstürmer, dann wurde er auf Anraten Gerlands in die Abwehr versetzt - und blieb dort. Seit Sebastian Kehl den Dortmundern verletzt fehlt, zeigt Hummels sogar sogenannte Führungsqualitäten. "Ich habe wenig Aufregung in meinem Spiel und versuche Situationen ruhig zu klären", sagt er mit einem Satzbau, der seiner klaren Spielweise entspricht.
Hummels wurde in Bensberg bei Köln geboren, zog bald mit den Eltern nach Mainz und 1995 nach München, wo sein Vater Hermann Jugendtrainer beim FC Bayern wurde. Bruder Jonas spielt für die SpVgg Unterhaching II in der Bayernliga, die Mutter ist Redakteurin beim Bayerischen Rundfunk. Mats Hummels hat fußballerisch und verbal viel mitbekommen. Seine Eloquenz nutzt er zur Sachlichkeit. "Ich bin froh, dass meine Leistungen öffentlich registriert werden und habe keine Angst, dass ich zehn Jahre so weiterspielen muss, ohne dass etwas passiert."
Keine Frage, Mats Hummels vertraut auf seine Fähigkeiten. In einem Internet-Managerspiel hat er sich selbst in sein virtuelles Team gekauft und sammelt mit seinen Leistungen dort ebenso fleißig Punkte wie auf jenem Weg, der ihn vielleicht doch noch nach Südafrika führt. "Wenn Jogi Löw ihn nicht mit zur WM nimmt, kann man den Bundestrainer nur beglückwünschen", sagt Dortmunds Trainer Jürgen Klopp. "Denn dann muss er eine herausragende Mannschaft haben."
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(SZ vom 13.02.2010/hec)